Netbook-Chip Der Atom-Prozessor hat jetzt zwei Hirne
Gute Nachricht für IT-Manager: Ihr Job könnte einfacher werden. Das verspricht zumindest Intel mit Blick auf die neue Version der sogenannten vPro-Technologie. Desktop-Rechner auf Basis dieser neuen Technik sollen sich weitgehend selbst überwachen, automatisch um Hilfe rufen, wenn sich Fehler andeuten oder Probleme entstehen könnten. Diese als "Remote Alert" bezeichnete Funktion soll sogar dann noch Hilferufe versenden können, wenn die Rechner eigentlich abgeschaltet sind.
Otto-Normalverbraucher freilich kann solche Technologie kalt lassen. Sie wird eher interessieren, dass Intel in dieser Woche damit begonnen hat die Dualcore-Version des Atom-Chips, der in den meisten Mini-Notebooks das System antreibt, auszuliefern. Angekündigt wurde der Doppelkern-Mini schon im August. Mit der Produktion hat sich Intel offenbar noch Zeit gelassen, um zwischenzeitlich den Rückstau beim Mono-Atom aufzuholen. Aufgrund von Lieferproblemen beim Atom hatten etliche Hersteller die Einführung ihrer Netbooks verschieben müssen.
Obwohl die Taktfrequenz der neuen, als Atom 330 bezeichneten CPU unverändert 1,6 Gigahertz beträgt, versprechen sich die Hersteller erhebliche Leistungsvorteile von dem neuen Chip. Ein Optimismus, der sich damit begründet, dass der Atom 330 nicht nur zwei Kerne hat, sondern auch noch die sogenannte Hyperthreading-Technologie beherrscht. Windows betrachtet den Chip daher wie vier separate Prozessoren. Durch diesen Trick können Einzelaufgaben besser auf die beiden Prozessorkerne aufgeteilt werden. Das Resultat sollten schnellere Reaktionen und vor allem ein flüssigeres Arbeiten sein.
Nicht für Netbooks, für Nettops wurde er konzipiert
Zusätzlich wurde der sogenannte Cache, ein Spezialspeicher zwischen Prozessor und Arbeitsspeicher, von 512 kB auf 1 MB verdoppelt. Da dieser Speicher sehr schnell ist, trägt auch er zu mehr Geschwindigkeit bei. Der bislang geringe Stromverbrauch des Mobilchips, eines der wichtigsten Argumente für den Atom, soll sich dadurch nicht signifikant ändern. Intel gibt die sogenannte TDP (Thermal Design Power), die in etwa dem maximalen Stromverbrauch entspricht, mit acht Watt an. Der britische PC-Hersteller Tranquil rechnet damit, dass sein atombasierter Home Server mit dem neuen Prozessor nur etwa drei bis vier Watt mehr verbrauchen wird als bisher.
Mit dem Einbau des Atom 330 geht Tranquil genau den Weg, den Intel für den neuen Duolcore-Chip vorgesehen hat. Intel zufolge ist der neue Chip nämlich nicht für den Einsatz in Notebooks vorgesehen. Stattdessen soll er vornehmlich Nettops antreiben. Das macht in gewisser Weise Sinn. Schließlich tauchen gerade jetzt solche Desktop-Rechner wie der MSI Wind oder die Asus Eee Box auf, in denen weitgehend dieselbe Technik verbaut wird wie in den entsprechenden Netbooks dieser Hersteller. Würden diese PCs allerdings mit dem Dualcore-Atom ausgestattet, hätten sie gegenüber ihren Netbook-Vorbildern einen klaren Performance-Vorsprung.
Dass der neue Atom dennoch auch in dem einen oder anderen Laptop oder Netbook landen wird, gilt unter Beobachtern allerdings als sicher. Schließlich verbraucht auch der aufgebohrte Atom mit seinen acht Watt nicht einmal ein Viertel von dem, was herkömmliche Notebook-CPUs sich genehmigen, liefert aber dennoch genug Leistung für die meisten Büro- und Internet-Programme und wird sich eingeschränkt auch für Multimedia eignen.
Damit dürfte der Weg für die nächste Generation Netbooks vorgezeichnet sein, die sich gegenüber aktuellen Modellen durch etwas größere Bildschirme und Tastaturen stärker für den professionellen Einsatz empfehlen würden. Und das natürlich bei entsprechend höheren Preisen. Denn die werden die Hersteller künftig brauchen, um weiterhin Gewinn zu machen. Die Preise für Netbooks jedenfalls werden aufgrund der zunehmenden Konkurrenz in den nächsten Monaten eher fallen.
Denn die Technik der bisher vorgestellten Modelle unterscheidet sich kaum, entsprechend einheitlich ist bisher auch das Preisniveau. Performance-Unterschiede bei den CPUs im Verbund mit einer breiteren Palette von Ausstattungsunterschieden bei Arbeitsspeicher und Festplattenkapazitäten dürften hier für Bewegung sorgen. Da der Preisgestaltung der Mini-Rechner nach oben hin eine Grenze bei etwa 500 Euro gesetzt sein dürfte, ist die vor allem nach unten zu erwarten: Bescheidener konfigurierte Netbooks sollten billiger werden, während man im oberen Preissegment steigende Leistung erwarten darf.
mak