Netscape-Vater Marc Andreessen: Keine Neuauflage des Browser-Wars - DER SPIEGEL
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Netscape-Vater Marc Andreessen Keine Neuauflage des Browser-Wars

Die Veröffentlichung von Netscape 7 und Mozilla 1.0 scheint ein Aufleben des "Browser-Wars" einzuleiten. Die Kernfrage: Kann es gelingen, Microsoft das Monopol im Web noch streitig zu machen?
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Eigentlich hält er sich raus, und das schon seit Jahren. Nachdem Marc Andreessen in den ersten Jahren des World Wide Web zum Superstar avancierte, ist es seit 1999 still um ihn geworden.

Ein Zufall ist das nicht. Andreessen war der kleine Rebell, der Tellerwäscher, der es zum Millionär brachte: Als Student war er maßgeblich an der Programmierung von Mosaic beteiligt, dem ersten wirklich bequem nutzbaren Browser für das nagelneue WWW. In einer Kneipe, so erzählt das eine lang eifrig gepflegte Legende, schlug ihn der Silicon-Graphics-Gründer Jim Clark 1994 dazu breit, mit ihm ein Unternehmen zu gründen: Netscape. Der gleichnamige Browser basiert auf Mosaic und ist nach wenigen Monaten fertig, über das Web verschenkt zu werden.

Zwei Jahre später ist Netscape quasi Monopolist im WWW, das Unternehmen an der Börse und Andreessen zigfacher Millionär. Der Erfolg weckt den schnarchenden Riesen Microsoft, der entdeckt, dass das Internet vielleicht doch irgendwie wichtig werden könnte. Bill Gates schwört das Unternehmen auf das WWW ein - und der "Browser-War" beginnt, der Netscape den Markt kostet, Microsofts Monopol aufs Web erweitert, dem Unternehmen einen Kartellprozess einbringt - und trotzdem damit endet, dass Microsofts Internet Explorer einen Anteil von derzeit 93 Prozent am Browsermarkt hält.

Das, tönt nun AOL, seit 1999 Besitzer von Netscape, ließe sich immer noch ändern. Der Groß-Accessprovider pusht fleißig sowohl Mozilla 1.0, als auch Netscape 7. Die Produkte sind eng verwandt, fast deckungsgleich: Das Projekt Mozilla begann vor vier Jahren, als Netscape seine Sourcecodes veröffentlichte und zur Open-Source-Weiterentwicklung freigab. Heraus kam die neue Engine "Gecko", Kern beider Browser, die sich sogar optisch kaum unterscheiden: heute profitiert Netscape vom Open-Source-Projekt Mozilla.

Die Frischzellenkur hat Netscape gut getan: Erstmals seit dem letzten Jahrhundert erntet Netscape/Mozilla mit dem neuen Produkt vor allem gute Kritiken. Viele Experten halten das Browser-Duo für das derzeit beste Produkt am Markt, obwohl einige der besonders guten Features doch beim ewigen Klein-Konkurrenten Opera abgekupfert seien. Doch selbst wenn: Unter dem Strich bleibt erstmals seit Jahren eine Situation, in der Microsoft mit gleich drei ernsthaften Konkurrenten konfrontiert ist. Schon jubeln manche, der Browser-War sei doch noch nicht entschieden - und AOL fördert solche Stimmen.

Marc Andreessen, der sich in dieser Sache wohl besser auskennt als jeder andere, zuckt da nur die Achseln.

"Warten Sie mal," sagt er in einem aktuellen Interview mit dem "Industry Standard Australia", "wie groß war noch Microsofts Marktanteil? 93 Prozent?"

Überhaupt gehe es nicht mehr um Marktanteile auf dem Browsermarkt, noch nicht einmal für AOL: Das Unternehmen versuche nicht mehr, als seinen Marktanteil als Provider zu vergrößern. Der Rest sei PR, Netscape/Mozilla nicht mehr als Vehikel hin zum primären Ziel.

Daran ändere auch das Open-Source-Konzept gar nichts: Als wichtiger für die erfolgreiche Verbreitung eines Browser-Produktes habe sich doch einwandfrei die Anbindung ans Betriebssystem erwiesen. Wie gut oder schlecht Konkurrenzprodukte sind, sei also nicht entscheidend. Andreessen: "Wenn man in Konkurrenz zu etwas antritt, das erstens durch einen Monopolisten beworben und zweitens kostenlos verteilt wird, kann man nur Glück wünschen: Viel Spaß dabei."

Andreessen, inzwischen Kopf des Unternehmens Loudcloud, kooperiert heute auch mit Microsoft. Anders als andere ist er nicht bitter, allenfalls fatalistisch. Dem neuen "Browser-War" gibt er keine Chance: "Mein Standpunkt ist, jeder sollte einmal in seinem Leben versuchen, sich an Microsoft zu messen.
Einmal."

Frank Patalong