Netz-Briefmarken Das Ende der flinken Zunge
Das Frankieren über den PC ist zunächst einmal nicht ganz billig. Für einen einmaligen Betrag von 83,50 Euro (163,31 Mark) erhalten interessierte Kunden das nötige Softwarepaket. Nach einem halben Jahr werden monatliche Gebühren in Höhe von 2,30 Euro fällig (4,50 Mark), so dass das Angebot hauptsächlich für Geschäftskunden und weniger für den Home-User in Frage kommt.
Wer sich seine Briefmarken künftig selber drucken will, benötigt zunächst die "Stampit"-Software, mit der er sich beim Postserver und frei schalten lassen muss. Das Programm ist derzeit nur in einer Windows-Version erhältlich (ab Windows 95). Wie lange Mac-User oder Linux-Anhänger auf eine entsprechende Ausgabe warten müssen, will die Post AG nicht sagen.
Die Software basiert auf der in den USA bereits 1997 eingeführten Technologie der Firma E-Stamp, an der die Deutsche Post mit 1,25 Prozent beteiligt ist. Im so genannten Postage-Point, einer Art digitaler Portokasse im Netz, kann der Kunde künftig die digitalen Marken erwerben. Hierzu richtet er sich zunächst ein Guthaben-Konto zwischen 30 und 200 Euro ein. Die Post bucht den Betrag dann vom Konto ab. Danach kann man nach Lust und Laune Etiketten und Briefumschläge mit den entsprechenden Portobeträgen versehen, die über eine Online-Verbindung vom Postage-Point abgerufen werden.
Jedes Mal wird dann eine neue elektronischen Briefmarke generiert. In einem so genannten Matrix-Barcode enthält sie eine Vielzahl von Informationen, anhand derer das zuständige Briefcenter später die Echtheit der Marke überprüfen kann. So werden Absenderdaten wie die Serienummer in der Self-Made-Marke gespeichert, aber auch Teile aus der Empfängeranschrift.
Vorerst nur bei nationalen Sendungen
Die so erstellte Briefmarke wird nun vom Post-Server an den User geschickt und kann im Anschluss ausgedruckt werden. Vorerst geht das jedoch nur bei nationalen Briefsendungen. Päckchen und internationale Post sollen erst im November folgen.
Wer Umschläge mit Sichtfenstern benutzt, kann die elektronische Marke auch direkt auf den Brief drucken. Das ist bislang aber nur über ein Plug-in möglich, das ausschließlich Microsoft Word unterstützt (ab Version 95). Weil rund achtzig Prozent aller Standardbriefe in Fenster-Umschlägen verschickt werden, war es nach Angaben der Post notwendig, die Marke mit 16 mal 16 Millimetern möglichst klein zu halten.
Bei umfangreichen Empfängerangaben kann es aber dennoch zu Platzproblemen kommen. Wer eine neue elektronische Briefmarke drucken muss, weil die erste beispielsweise nicht mehr im Sichtfenster zu erkennen war, kann sein Geld aber von der Post erstattet bekommen. Das Unternehmen hat versprochen, das Porto für falsch frankierte oder nicht verschickte Sendungen zu erstatten. Dazu werden der Software Rückumschläge beigelegt, mit denen der Kunde seine Fehldrucke an den Geschäftskundenservice senden kann.
BSI hält das Verfahren für sicher
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte der Post im November 2000 grünes Licht für das elektronische Frankiersystem gegeben. "Die eingesetzten kryptografischen Maßnahmen sind jeweils für den vorgesehen Zweck geeignet und können entscheidend zur Sicherheit und zur logischen Funktionalität beitragen", hieß es in sperrigem Behördendeutsch. Mit anderen Worten: Das BSI hält die eingesetzte Technologie für sicher. Ob dies tatsächlich so ist, dürfte freilich erst der breite Praxistest zeigen. Eine zusätzliche Herausforderung für Hacker dürfte sicherlich sein, dass sich die Post mit genauen Informationen zum Aufbau der elektronischen Marken ziemlich bedeckt hält.
Seit April hatte das Unternehmen gemeinsam mit 48 Pilotkunden - hauptsächlich Unternehmen aus dem Mittelstand - die elektronische Briefmarke ausprobiert. Die Tester waren überwiegend zufrieden - so auch Kornelia Klepper, die im Raum Frankfurt einen Messeservice betreibt. Die Geschäftsfrau betont, dass es anfangs noch einige Probleme beim Verbindungsaufbau zum Post-Server gegeben habe. Die seien aber schnell behoben worden.
Wirkliche Schwierigkeiten hatte sie nur in der örtlichen Postfiliale. "Als ich einen selbst frankierten Brief am Schalter abgab, verlangte die Angestellte Geld fürs Porto von mir. Sie hatte von der technischen Neuerung noch nichts mitbekommen."