Netzwelt-Ticker: Bombenfaxe über Ashland - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Bombenfaxe über Ashland

Als die Bomben-Grafik aus dem Fax purzelte, zählte die Belegschaft einer Bank-Filiale schon den "Final Countdown". Doch nicht al-Qaida steckte hinter dem vermeintlichen Drohbrief, sondern eine leere Druckerpatrone. Weitere Themen: Flirttipps für Rekruten und Paparazzi bei der Polizei.
Von Sönke Jahn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Flirt-Tipps von der Bundeswehr

Was lernt man eigentlich bei der Bundeswehr? Was studiert man an deren Hochschulen? Vor allem eines: Taktik. Und zwar zum anbandeln und abschleppen. Grundlegendes Wissen zu "Kontaktmöglichkeiten in einer Stadt”, die auch außerhalb jeder Kaserne auf Neugier stoßen. Und deshalb konnte die Münchner Bundeswehr-Uni am Freitag einen schönen Erfolg melden: "Studierende stürmen Podcast Parade” . Der meist geladene iTunes-Podcast im Bereich Wissenschaft sei zurzeit ein mehrteiliger Flirt-Podcast , im dem die örtlichen Bundeswehr-Studenten etwa der Frage nachgehen, ob sich Gegensätze anziehen oder ob sich doch eher Gleich und Gleich gern gesellt. Und vor allem: in welchen Kneipen in München es sich am besten baggern lässt. Wissenschaftlich begleitet wird die Aktion von der Verhaltensbiologin Dr. Barbara Niedner.

Verfaxt und zugenäht

Die folgenden Ereignisse fanden letzte Woche Mittwoch zwischen zehn und dreizehn Uhr statt: Eine in eine Bankfiliale in Ashland, Massachusetts gefaxte Bombendrohung führt zur Räumung des nebenan gelegenen Einkaufszentrums . Der Zweigstellenleiter bekommt einen tüchtigen Schreck, als er die Abbildung der Kugelbombe sieht, an deren Lunte ein brennendes Streichholz gehalten wird. Wie sich später herausstellt, war nur das Faxgerät defekt, hatte zuwenig Tinte im Tank oder der Tonerbehälter war leer, je nachdem. So fehlte auf dem Ausdruck die entscheidende Information: Das Bombenfax war eine Rundsendung der Bank of America. Es sollte Filialen daran erinnern, dass der Countdown für die heute beginnende Neu-England-Kracher-Kredit-Angebotswoche für kleine Gewerbetreibende beginnt. Das Bombenbild war eines von insgesamt fünf Cliparts, mit dem der Verfasser sein Rundschreiben verziert hatte. In anderen Filialen reagierte man dem Vernehmen nach weniger alarmiert.

Deutschland wird deutlicher

Google spendiert seinem Kartenprogramm Google Earth mal wieder frische Fotos. Im Fokus der Frischzellenkur steht neben anderen Ländern auch Deutschland. Regionen, in denen die Landschaft vorher pixelig-klumpiger Kartenmatsch war, sollen nun vor hochauflösenden Satellitenaufnahmen nur so strotzen. Besonders die Gegenden um Greifswald, Trier, Köln, Stuttgart, Bonn, Oldenburg, Rostock, Saarbrücken, Hamburg, Hannover und Ritterhude wurden überarbeitet. Bis auf zehn Zentimeter über dem Boden sollen User ab sofort an Objekte heranzoomen können. "Zwar bietet das Update noch nicht flächendeckend diese Auflösung; in vielen Regionen macht sich die Qualitätssteigerung jedoch schon bemerkbar", meint Pressesprecherin Lena Wagner. Auch farblich habe das Bildmaterial dank einer speziellen Koloriertechnik deutlich an Kontrast gewonnen. Die Webgemeinde gibt sich bislang allerdings pixelblind: "Ich kann von dem Update leider nichts bemerken", schreibt das Google-Watchblog . "Sowohl an den mir bekannten Fotos von Berlin als auch von Wien kann ich absolut keine Änderungen feststellen."

Polizeipaparazzi

Der "Inquirer"  berichtet über die niederländische Softwarefirma Waleli, die im Mitmach-Web ein Verbrechensportal einrichten möchte. Mit dem sollen Besitzer von Fotohandys zu Hilfssheriffs werden: Wer künftig ein Verbrechen beobachtet, ruft nicht mehr die Polizei, sondern knipst Beweisfotos und sendet diese per MMS an eine Datenbank, aus der sich die Strafverfolger dann bedienen können. In Amsterdam habe man dieses Modell bereits erfolgreich getestet - allerdings nur mit Aufnahmen von Polizisten. Ohnehin stellt sich die Frage, ob aus Bürgern je Polizeipaparazzi werden: Erstens begibt man sich selbst in Gefahr, wenn man mit der Kamera Gangster ablichtet; zweitens wird das Verbrechensopfer im Zweifel mehr Wert auf tatkräftige Hilfe legen, als auf einen gelungenen Schnappschuss vom Tathergang.

Die Pest Nationalismus

Dass russische "Regierungsorgane" tatsächlich einen "Cyberwar" gegen Estland vom Zaun brechen, hat Hillar Arelaid, der Leiter der estnischen Organisation für Computersicherheit CERT, bereits vor zwei Wochen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bezweifelt. Jetzt äußern sich laut Heise Security  auch andere Sicherheitsexperten skeptisch: Die vom Netzwerkexperten Arbor Networks gesammelten Daten zeigen, dass die Ausgangspunkte der Angriffe weltweit verstreut waren. Und laut Jose Nazario von Arbor Networks habe es offensichtlich auch keinen Versuch gegeben, außer Webservern noch weitere kritische Regierungsinfrastruktur ins Visier zu nehmen. Nazario sieht den russischen Nationalismus am Werk, aber keine Verbindung zur russischen Regierung: "Keine der von uns analysierten weltweiten Quellen weist auf eine klare Verbindung zwischen Moskau und Talinn hin."

Lass mich dein Bison sein

Wir lernen: Im Viehzüchterstaat Montana ist Knut zurzeit ein Bisonbaby und Buffalo Bill hat kaum noch Freunde. Unter den Digg-Bookmark-Sammlern schon gar nicht. Dafür mögen diese die Paarhuferfreunde der Buffalo Field Campaign (BFC) umso mehr. Letztere haben sich nun bei den Diggern für das massive Verlinken ihrer Kampagnenseite bedankt. Die Link-Lawine soll unter anderem geholfen haben, eine Anordnung des Gouverneurs zu kippen, einige hundert frei laufende Buffalos in Montana abzuschießen. Die Bisons sollten erschossen werden, nachdem sie den Yellowstone Nationalpark verlassen hatten. Von den frei umherziehenden Tieren ging angeblich das Risiko aus, Brucelliose unter dem weidenden Zuchtvieh zu verbreiten - eine äußerst unappetitliche und vor allem geschäftsschädigende Viehkrankheit, die über nicht pasteurisierte Milch und daraus hergestelltem Rohmilchkäse auch auf den Menschen übertragen werden kann .

Mehr lesen über

Verwandte Artikel