Netzwelt-Ticker Der Papst mag keine Killerspiele
Chinas Regierung will das Netz läutern
Chinas Internetuser sollen noch weiter im Netzzugang eingeschränkt werden. Nach einer Sitzung des chinesischen Politbüros zum Thema schwor Hu Jintao, der Kopf der chinesischen Kommunistischen Partei, öffentlich, das Internet zu läutern. Statt Marx seien chinesische Surfer viel eher an wollüstigen Bildern, blutrünstigen Spielen und politischen Skandalen interessiert, meint Reuters . Das soll jetzt ein Ende haben: Die Kommunistische Partei will "die Verwaltung und die Entwicklung der Internetkultur im Land stärken," so Hu Jintao. Angesichts des rasanten Wachstums 2006 wuchs Chinas Internetuserschaft um 26 Millionen auf 137 Millionen User an müsse die Verwaltung die Hoheit über Meinungsäußerungen im Netz behalten und noch mehr Führungskraft beweisen. Dazu soll der "zivilisierte Umgang mit dem Netz gefördert und die Netz-Landschaft geläutert werden". Im Klartext: Chinas Bevölkerung muss im Netz bald noch mehr Zensur und Überwachung erdulden.
Chinas Regierung hat ein zwiespältiges Verhältnis zum Internet. Zum einen soll die Öffnung des Netzes einen großen Markt anfeuern, zum anderen steht der Regierung die Offenheit und Globalität des Internets im Weg. Selbst mit groß angelegten Zensurmechanismen können sich User immer noch über Proxy-Server, spezielle Tools und unter Ausnutzung aller möglichen Kommunikationswege im Netz austauschen und über Geschehnisse in aller Welt informieren. Ein offenes Internet, das bleibt zu hoffen, ist nicht mit völliger Kontrolle vereinbar und wer die wirtschaftlichen Vorteile des Netzes genießen will, der muss auch dessen prinzipielle Offenheit akzeptieren.
Papst ist gegen Killerspiele
Anlässlich des 41. Welttags der sozialen Kommunikationsmittel hat Papst Benedikt XVI. seine Meinung zu Medien mit gewalttätigem oder sexuell eindeutigem Inhalt kundgetan: Pervers und abstoßend seien sie . Im Wortlaut: "Jeder Trend, Programme einschließlich Filme und Videospiele zu produzieren, die im Namen der Unterhaltung Gewalt verherrlichen und antisoziales Verhalten oder die Banalisierung menschlicher Sexualität darstellen, ist eine Perversion um so abstoßender, wenn diese Programme für Kinder oder Jugendliche gemacht werden."
Viel eher sollten die Verantwortlichen der Medienwirtschaft die Produzenten anleiten und ermutigen, "das Gemeinwohl zu schützen, die Wahrheit zu bekräftigen, die Menschenwürde jedes Einzelnen zu verteidigen und die Achtung vor den Bedürfnissen der Familie zu fördern". Ob der Papst damit etwa "Die Sims" meint?
Studie: Illegale Filmdownloads kein Verbrechen
Die Mehrheit der Amerikaner findet, dass das illegale Herunterladen von Filmen kein ernstes Vergehen ist. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der amerikanischen Solutions Research Group ( als pdf-Datei ), zu der 2600 Amerikaner telefonisch und online befragt wurden. Die meisten Konsumenten hätten das Gefühl, Prominente und Filmstudios seien ja reich, also schade das Herunterladen nicht wirklich. Ein Fünftel der Befragten hat bereits einen Spielfilm heruntergeladen. Der typische User von Tauschbörsen sei 29 Jahre alt und habe 15 Filmtitel auf seinem PC.
Als Konsequenz aus den Studienergebnissen müssten kommerzielle Anbieter von Filmen im Netz mehr auf den User eingehen: Ohne einen flexibleren Gebrauch der Filme (Stichwort: DRM), eine große Auswahl und günstige Preise könnten die Robin-Hood-Downloader kaum zu Käufern konvertiert werden.
Neuer Chip: 2000 Wörter auf einer Blutzelle
AFP berichtet von Forschern des California Institute of Technology (Caltech) und der University of California, Los Angeles (UCLA), die einen Speicherchip entwickelt haben, der so groß wie ein weißes Blutkörperchen ist. Auf ihm können bis zu 160 Kilobit, also etwa 2000 Wörter gespeichert werden. Das entspricht einer Datendichte von 100 Gigabit pro Quadratzentimeter, ein neuer Rekord.
Noch sei die Anwendbarkeit des Chips aber sehr gering: "Das ist so ein Gerät, das Intel vielleicht im Jahr 2020 herstellen würde." Momentan sei das aber nicht so wichtig, vielmehr lerne man eine Menge über die Produktion von elektronischen Schaltkreisen in molekularer Größenordnung.
GEMA verklagt UseNeXT
Scheinbar angefeuert vom Erfolg gegen den Upload-Dienst Rapidshare.de ging die Verwertungsgesellschaft GEMA nun auch gegen die kostenpflichtige Newsgroup-Tauschbörse UseNeXT vor. Vor dem Landgericht Hamburg konnte sie nun eine einstweilige Verfügung gegen deren Betreiber Aviteo Ltd. erwirken. In einer Pressemeldung kündigte dieser nun an, rechtlich gegen die einstweilige Verfügung vorzugehen.
Mit UseNeXT biete Aviteo nur einen unzensierten Eingriff in das gemietete Serversystem quasi als reine Suchmaschine. Wie ein Internetprovider sei das Unternehmen deshalb ja auch nicht rechtlich zu belangen, welche Inhalte die User mit dem System herunterladen. Zumal in den Nutzungsbedingungen auf einen legalen Umgang hingewiesen wird.
In der Vergangenheit ist das UseNeXT-Angebot mehrfach negativ auffällig geworden. Zum einen, da die Betreiberfirma Aviteo auf die Hilfe des Münchner Anwalts Bernhard Syndikus zurückgriff, der einst im Zusammenhang mit dem illegalen Angebot FTPWelt.com festgenommen wurde. UseNeXT-Kunden sahen sich außerdem anscheinend nicht nachvollziehbaren nachvollziehbaren Rechnungen und Mahn-Mail-Wellen ausgesetzt.
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