Netzwelt-Ticker: Draht ade, es werde Licht - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Draht ade, es werde Licht

Weit mehr Geschwindigkeit als herkömmliche Chips versprechen die Laser-Chips, die Intel und die UCSB jetzt vorlegen: Redet man künftig von Terabit statt Gigahertz? Außerdem im Überblick: Rekord-Festplatten, DVDs mit RFID-Chips, Zweifel an Zune und mehr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Forscher legen Laser-Chip vor

Fortschreitende Miniaturisierung bei ständig steigenden Geschwindigkeiten führen die Computerentwickler heran an die Grenzen des Machbaren. Endlos lässt sich die Entwicklung kaum weiter treiben. Der Schlüssel zu noch höheren Leistungen ist da wohl Licht: Werden Informationen in Rechnern und Netzwerken nicht mehr per Kupferleiter übertragen, sondern per Glasfaser und Laserimpuls, könnte das den nächsten, riesigen Innovationsschub einleiten.

Jetzt sieht es aus, als ob Forscher von Intel und der University of California (UCSB) den Weg dahin wieder ein Stück geebnet haben. Was sie nun als Prototypen vorlegen, sind Laserchips, wie man sie noch vor kurzem nicht fertigen konnte: Nicht nur, dass es gelungen ist, die "Hybrid-Laser" erstmals mit den Methoden der Halbleiter-Fertigung zu produzieren (was die Produktion erst denkbar, weil in Massen bezahlbar macht), es sollen sich so auch bis zu 25 Laserquellen auf einem Chip bündeln lassen. Das wiederum verspricht Datendurchsätze, die heute allenfalls in Science-Fiction-Filmen durchgehen würden: Bis zu einem Terabit Information soll so ein einzelner Chip pro Sekunde verarbeiten können.

Wie das Verfahren ganz genau funktioniert, verschweigt Intel wohlweislich. Die Amerikaner sind gebrannte Kinder, hatten ihre technologische Führerschaft bei der Entwicklung von Chips für einige Jahre heftig wanken sehen. Erst vor kurzer Zeit war es Intel mit den Core-2-Duo-Chips gelungen, in Sachen Performance zum Dauerkonkurrenten AMD aufzuschließen und diesen wieder zu überholen.

Mit der neuen Chip-Technologie könnte Intel nun eine Dominanz in einem verwandten Bereich aufbauen: In der Datenkommunikation. Denn viel eher als in normalen PCs dürfte die neue Technik in der Netzwerkkommunikation - von Firmen- bis zu Telekommunikationsnetzen - zur Anwendung kommen. Markt- und Serienreif soll sie laut Intel und UCSB schon bis spätestens 2010 sein. Marktanalysten trauen der Technik zu, IT- wie Kommunikationsbusiness ordentlich zu erschüttern: In Halbleitertechnik gefertigt würden die Hybrid-Laser die in Moores Law beschriebenen Zuwachspotenziale auf den Bereich der Kommunikationstechnik ausweiten. Nicht zuletzt ließen sich mit der neuen Silizium-basierten Technologie optische Transceiver für die Informationsübermittlung in Glasfasernetzen ersetzen - und so Tausende Euro teure Geräte durch Chipsätze für wenige Hundert Euro austauschen.

YouTube: Warner kuschelt, Universal klagt

Da sag noch einer, die Filmindustrie sei gleichgeschaltet. Associated Press meldet , dass sich die Warner Music Group mit der Video-Website YouTube darauf geeinigt hat, künftig Tausende Musikvideos und Interviews über YouTube anzubieten. Darüberhinaus gewährt Warner Music den YouTube-Anwendern das Recht, Musik aus dem Warner-Katalog kostenlos zur Untermalung ihrer Videos zu nutzen. Über Details zur Verteilung der dabei fließenden Gelder gaben die Firmen nichts bekannt. Einnahmen erhoffen sich die Partner durch Werbeeinblendungen in den Musikvideos beziehungsweise den mit Warner-Musik vertonten Amateurvideos.

Universal-CEO Doug Morris könnte sich mit einem derartigen Geschäftmodell wohl kaum anfreunden. Nach seiner Ansicht schulden YouTube und MySpace.com seiner Firma bereits etliche Millionen an Lizenzgebühren , weshalb er derzeit rechtliche Schritte gegen die beiden Websites prüfen lässt.

Mit RFID gegen Piraten

Der taiwanesische Elektronik-Hersteller Ritek ist drauf und dran, die schlimmsten Alpträume der RFID-Gegner wahr werden zu lassen. Die Firma plant, DVDs mit einem eingebetteten Funkchip herzustellen. Dieser Chip soll es ermöglichen, das Medium von der Fabrik über den Transportweg bis hin zum Konsumenten zu verfolgen. Vor allem aber soll der Chip über die korrekte Nutzung der Inhalte wachen. "Engadget" etwa berichtet , per RFID geschütze DVDs könnten den längst überwunden geglaubten Regionalcode wiederbeleben. Vor allem aber sollen durch ihn Raubkopien verhindert werden. Das alles klappt aber nur, wenn sich die Anwender entsprechend ausgerüstete Player in ihr Wohnzimmer stellen.

Genau das aber hält man bei "ars technica"  für ausgesprochen unwahrscheinlich. Schließlich dürfte es noch eine Weile dauern, bis zumindest einige wenige DVD-Player Riteks RFID-Kopierschutz unterstützen. Zudem stehen bereits HD DVD und Blu-ray Disc in den Startlöchern. Die allerdings bringen bereits ihren eigenen AACS-Kopierschutz mit und sind nicht auf ein weiteres System angewiesen. Zudem, so "ars technica", ticke bereits die Uhr. So plant Ritek, erst jetzt ein Pilotprojekt im fernen Australien zu starten. Dieses soll die Tauglichkeit der Funkchips aufzeigen, Raubkopien innerhalb der Logistik, also auf den Transportwegen, zu unterbinden. Erst danach will man erste Versuche mit Herstellern von DVD-Playern wagen. Bis das alles abgeschlossen ist, so das Credo, dürfte es für die neue Technologie längst zu spät sein, um noch signifikanten Einfluss als Kopierschutz zu erlangen.

13 Millionen kaputte Kopien

Im Bemühen, nicht nur guten Willen, sondern auch handfeste Ergebnisse zu zeigen, scheinen chinesische Gesetzeshüter jetzt ernst zu machen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua wurden in der ersten Jahreshälfte bereits 13 Millionen CDs und DVDs vernichtet, die illegal kopierte Software und Filme enthielten, berichtet Associated Press . Im Rahmen einer 100-tägigen landesweiten Kampagne sollen zudem 8907 Ladengeschäfte und Straßenhändler sowie 481 Vertriebsfirmen und 942 illegale Websites geschlossen worden sein. Das Zentrum der Content-Piraten wurde in Guangdong, nahe Hongkong, ausgemacht.

Zune schützt alles, kann aber nicht alles

Bei Microsofts AV-Player Zune steht es schlecht um den von Microsoft propagierten "Plays For Sure"-Standard, heißt es bei "WinFuture ". Dort ist zu lesen "dass es gar nicht so sicher ist, dass DRM-geschützte Dateien abgespielt werden können." Der Autor fürchtet gar, man müsse seine gesamte, beispielsweise bei Napster erworbene Musiksammlung neu anlegen. Da kann man nur hoffen, dass er das Kleingedruckte des von Microsoft veröffentlichten "Fact Sheet" falsch interpretiert. Dort heißt es nämlich tatsächlich, die Zune-Software könne ausschließlich ungeschützte Musik importieren. Damit wären beispielsweise Musicload-Kunden dumm dran.

Zu der Idee, mit dem Zune Apples iPod-Konzept möglichst genau zu kopieren, würde diese Einschränkung freilich passen. Genau wie iPod-Kunden sich ausschließlich in Apples iTunes Store mit kopiergeschützter Musik versorgen können, sollen Zune-Käufer sich künftig bei in Microsofts Zune Marketplace mit den neuesten Tracks eindecken – Konkurrenz ausgeschlossen.

Andererseits weist der Microsoft-Mitarbeiter Cesar Menendez in seinem Blog  darauf hin, dass der Zune jegliche Musik, die man per WLAN auf einen anderen Zune überträgt, in einen Kopierschutz wickelt. Derart verpackt kann der Song nur dreimal binnen drei Tagen abgespielt werden. Damit, so sagt Kirk Biglione von Medialoper , wäre das "Killer-Feature" der drahtlosen Übertragung ziemlich zahnlos. Vor allem aber, würde Microsoft sich mit dieser Technologie Künstler zum Feind machen, die ihre Musik unter der Creative Commons-Lizenz (CC) vertreiben. Die untersagt ausdrücklich das Anbringen eines Kopierschutzes an per CC geschützten Titeln.

Mehr PCs, aber geringere Einnahmen

Die Zahl der weltweit verkauften PCs werde im laufenden Jahr um 10,5 Prozent auf 233,7 Millionen Exemplare steigen, hat das Marktforschungsunternehmen Gartner errechnet . Dennoch müssen die Hersteller mit Umsatzeinbußen in Höhe von 2,5 Prozent, bezogen auf 2005, rechnen. Dieses Auseinanderdriften von Stückzahlen und Einnahmen sei auf den steilen Preisverfall sowie das andauernde Gerangel zwischen AMD und Intel zurückzuführen, so Gartner. Vor allem in jungen Märkten mit geringer Marktdurchdringung werde das kräftige Wachstum weiter anhalten, während der Absatz in den hochindustrialisierten Ländern künftig weniger stark steigen wird. Die Einführung von Windows Vista, so glaubt Gartner-Analyst Mikako Kitagawa, werde keinen deutlich spürbaren Einfluss auf die Absatzzahlen haben.

Seagate meldet Speicherrekord

Das Ende der Kapazitäten ist bei magnetischen Speichermedien noch längst nicht erreicht. Während heutzutage Festplatten mit 750 GB Kapazität die Krone der Schöpfung darstellen, könnten Highend-Modelle zukünftig in Terabyte gemessen werden. Enorme 421 Gigabit pro Quadrat-Zoll konnten die Forscher des Festplatten-Herstellers Seagate nun auf eine Platte quetschen – neuer Weltrekord. Eventuelle Kaufabsichten sollte man ob dieser Meldung jedoch nicht aufschieben, die Wartezeit könnte lang werden. Unternehmenssprecher David Szabados rechnet erst 2009 mit entsprechenden Harddisks . Deren Kapazität würde dann aber bei bis zu 2,5 Terabyte, 2500 Gigabyte, liegen.

Feuerschutz für Notebooks

Die Kollegen bei "engadget"  sind sich nicht sicher, wozu genau die feuerabweisenden Notebook-Hüllen von Wrappers  dienen sollen. Dazu, das Laptop bei einem Feuer zu schützen, oder dazu, die Folgen eines Akku-Brandes zu minimieren. Wer meint, so etwas gebrauchen zu können, profitiert vom weltweiten Lieferservice der Firma. Vorerst gibt es die kuscheligen Schonbezüge allerdings ausschließlich für Apples MacBook-Serie.

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