Netzwelt-Ticker: Drahtloses Wechselgeld - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Drahtloses Wechselgeld

Gefunkter Kleingeldersatz, wieder ein Hack für Zune, Neues vom Konsolenkrieg, Australier verkaufen brennbare Filme übers Netz - und die Rückkehr eines Zombies der Dot.com-Blase. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gefunkter Kleingeldersatz

Das berührungslose Bezahlen ist ja schon an verschiedenen Orten in Testdurchläufen erprobt worden, ein weiterer Feldversuch wird im September 2007 in London beginnen. Das schon vorhandene "contactless system" des Kreditkartenunternehmens Visa soll erweitert werden. Kunden sollen damit einfach durch Vorbeibewegen der Karte an der Kasse beziehungsweise am Empfängergerät bezahlen können .

Das klingt ganz nach einer Einladung für Diebe, die eine RFID-Karte klauen und mit ihr einkaufen gehen könnten. Um dieses Risiko klein zu halten, wird der mit der Karte bezahlbare Höchstbetrag auf umgerechnet 15 Euro beschränkt. Ist die Summe höher oder wird eine bestimmte Anzahl von Bezahlvorgängen überschritten, muss eine PIN eingegeben werden. Und es wird geklotzt: Visa rüstet gleich 4000 Kartenlesegeräte in der britischen Hauptstadt auf, eine halbe Million Karten sollen ausgegeben werden. Wenn die üblichen zu erwartenden Kinderkrankheiten ausgestanden sind, will man das System im nächsten Schritt, ab 2008, in ganz Großbritannien einführen.

Zune-Hack plays for sure

Der iPod-Konkurrent Zune wartet bekanntlich mit strengen Regeln für via Wlan geladene mp3-Titel auf. Dreimal angehört und die Freude hat ein Ende, dann greift das DRM des Gerätes unerbittlich. Dabei ist es völlig egal, ob der gespielte Titel tatsächlich urheberrechtlich geschützt ist oder unter Creative Commons Lizenz herausgekommen ist. Nach dem dritten Mal schließt Zune ab und wirft den Schlüssel weg. Selbst wenn es der Mitschnitt der letzten Vorlesung an der Uni war.

Gizmodo zeigt  nun, wie sich das Problem leicht umgehen lässt. Zunächst muss man beim Gerät den Datenträgermodus aktivieren , dann ändert man bei den zu überspielenden Musikstücken die Dateierweiterung einfach auf ein Bildformat wie z.B. *.jpg, überspielt alles und verwandelt das Material anschließend wirder zurück nach *.mp3: alles funktioniert, und diesmal ohne Einschränkungen. Microsoft sollte seinen Werbespruch "plays for sure" besser noch einmal überdenken.

Staatliche Pharisäer

Seit längerem schon wogt der Streit um private Wettanbieter. Das staatliche Monopol sei nur dann begründet, wenn es der Einschränkung der Spielsucht dient, so jedenfalls urteilte das Bundesverfassungsgericht vor einem halben Jahr. Der geplante Lottostaatsvertrag sieht denn auch das Verbot von Online-Glücksspielen selbst ausländischer Anbieter vor, beinhaltet allerdings weitreichende Ausnahmen. Um so erstaunlicher trotzdem, dass die Spielbank Niedersachsen noch in diesem Jahr ein Online-Casino eröffnen will. Die Genehmigung durch den Landesfinanzminister soll nur noch reine Formsache sein, so berichtet die "Wirtschaftswoche"  in ihrer heutigen Ausgabe.

Xbox: Film bezahlt, nichts bekommen

Die Xbox 360 kommt nicht aus den Schlagzeilen – allerdings anders, als von Microsoft geplant: letzten Mittwoch wurde die Videoplattform "Xbox Live Video Marketplace" für Kunden in den USA eröffnet, von der aus der Download hochaufgelöster TV- und Kinofilme möglich ist. Anscheinend war der Andrang so groß, dass das Herunterladen für viele Kunden nur äußerst schleppend oder gar nicht möglich war. Zu gut Deutsch: viele Kunden hatten zwar bezahlt, aber die erworbene Ware bekamen sie nicht. Was im Normalfall nicht weiter problematisch gewesen wäre, nämlich das "Hängenbleiben" diverser Dowloads, führte nun zu großem Ärger. Im Normalfall versucht man es eben später mit einem Neustart, allerdings gestattet der Microsoft-Service nur zwei weitere Versuche, danach gilt der Vorgang als gescheitert und so mussten sich die frustrierten Kunden telefonisch an den Support wenden – der aber war völlig überlastet. Larry Hryb, Xbox Live Director of Programming bei Microsoft, hat inzwischen Besserung gelobt . Betroffene Kunden sollten den Support kontaktieren, danach würden sie eine Erstattung erhalten.

IBM gewinnt auf jeden Fall im Konsolenkrieg

Wii, Playstation 3 oder Xbox 360: es wogt der Kampf der Konsolen hin und her, doch der Sieger steht schon fest: IBM. Denn in allen Geräten steckt ein Prozessorkern von Big Blue. Die Bilanz ist entsprechend. Obwohl IBM mit Apple einen seiner Hauptkunden im Chipgeschäft an Intel verlor, steht das Unternehmen glänzend da. Die Baltimore Sun berichtet  von einem diesjährigen IBM-Umsatz von 3,7 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung um 800 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr. Eine erstaunliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Analysten noch vor wenigen Jahren empfahlen, IBM solle seine Chip-Sparte wegen hoher Verluste verkaufen

Noch ein Downloadservice

In Australien ist ein weiterer Versuch zu besichtigen, mit urheberrechtlich geschützten Filmen Geld zu verdienen. Das australische Unternehmen Reeltime.tv will diesen Mittwoch einen Downloadservice namens "DTO"  (für "download-to-own") starten. Doch es gibt von Anfang an eine Reihe von Einschränkungen. Der Service wird nur für Windows-basierte Plattformen angeboten, Mac-User haben Pech. Es wird Filme nur von einem großen Studio, nämlich Universal im Angebot geben. Jedes Video wird in drei unterschiedlichen Dateiversionen angeboten: zweimal als *.wmv, um den Film am heimischen Computer anzuschauen oder auf einem tragbaren Gerät. Dabei soll "plays for sure"-Technik zum Einsatz kommen. Eine Datei soll man auf DVD brennen können - das allerdings auch nur innerhalb von 30 Tagen nach Erwerb. Dabei muss zum Entpacken und Brennen eine spezielle, nur bei Reeltime erhältliche Software benutzt werden. Und als ob dies noch nicht kompliziert genug wäre, ist auch der Preis von umgerechnet 20 Euro pro Film ziemlich happig. Man muss kein Prophet sein, um der Aktion keine allzugroße Zukunft vorherzusagen.

Boo.com 2.0

Wer erinnert sich noch an Boo.com? Das Unternehmen, das 1999 in wenigen Monaten 120 Millionen US-Dollar verbrannte und im Mai 2000 Pleite ging, soll Anfang nächsten Jahres wiederbelebt werden, berichtet TechCrunch . War die Internetseite des Unternehmens seinerzeit berüchtigt für ihre langsamen Reaktionszeiten und die eher ungewöhlichen Flash-Elemente, soll diesmal der Online-Bekleidungsverkauf ohne Probleme vonstatten gehen. Ein Analyst wird mit einer positiven Einschätzung  zitiert: "In diesem zweiten E-Boom sind die Konzepte viel ausgereifter und mittlerweile verkauft sich Kleidung gut im Internet."

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