Netzwelt-Ticker: Es kriselt in der Winux-Allianz - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Es kriselt in der Winux-Allianz

Miteinander leben muss erst einmal gelernt sein. Das müssen auch die Turteltäubchen Microsoft und Novell feststellen: Kurz nach der öffentlichen Verlobung von Windows und Suse Linux knistert die Luft. Außerdem: Koran-Klingeltöne sind nicht koscher, die PS3 kann man auch zerlegen und mehr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Novell und Microsoft: Einig über Uneinigkeit

Zumindest darin, dass sie sich nicht in allem einig sind, sind sich Microsoft und Novell einig. Vor wenigen Wochen hatten die beiden Unternehmen angekündigt, künftig enger zusammen arbeiten zu wollen, um die Interoperabilität zwischen Microsofts Windows und Novells Suse Linux zu verbessern. Doch jetzt scheint es schon wieder vorbei zu sein mit "Friede, Freude, Eierkuchen."

So berichtet "Red Herring"  davon, Microsoft-CEO Steve Ballmer habe auf einer Konferenz in Seattle zum besten gegeben, man sei die Partnerschaft mit Novell nur eingegangen, weil Linux Microsofts geistiges Eigentum nutzt und man davon endlich angemessen profitieren wolle. Darüber hinaus sagte Ballmer, dass jeder, der ein anderes als das Suse Linux verwendet, automatisch Microsoft-Patente verletzt.

Novells CEO Ron Hovsepian reagierte, indem er in einem offenen Brief klarstellte, mit Ballmers Aussagen nicht übereinzustimmen. Zudem verweist Novell darauf, "dass Linux oder irgendein anderes Novell-Angebot" in keiner Weise "Microsofts geistiges Eigentum verletzt." Das war wohl der Augenblick, in dem sich die Presseabteilungen beider Firmen genötigt sahen, Krisen-PR zu betreiben und zur Deeskalation beizutragen. Das Resultat ist eine gemeinsame Pressemeldung, aus der "TGdaily"  genüsslich zitiert: "Microsoft und Novell sind sich einig, nicht darin einig zu sein, ob gewisse Open-Source-Angebote Microsofts Patente verletzten und ob gewisse Microsoft-Angebote Novell-Patente verletzten." Na, dann ist ja alles klar. Auf die Freundschaft!

Keine Koran-Klingeltöne

Bei indischen Moslems sind Klingeltöne aus dem Koran hoch beliebt. "Immer wenn mein Handy klingelt, höre ich diese Verse, die den Wert harter Arbeit und Ehrlichkeit betonen", sagte der Bankangestellte Faiz Siddaqui gegenüber Associated Press . Dadurch, so Siddaqui, fühle er sich seiner Religion näher. Muslimischen Geistlichen hingegen ist diese, vor allem unter 40- bis 50-jährigen weit verbreitete Praxis ein Dorn im Auge. Sie fordern ihre Glaubensbrüder auf, davon abzulassen. Schließlich, so Mohammed Asumin Qazmi, sei der Koran nicht zur Unterhaltung gedacht.

Er besteht darauf, dass jeder, der "darauf besteht, diese Klingeltöne zu nutzen, von der Gesellschaft geächtet werden sollte." Dem stimmt auch der Mufti Badru-Hasan zu. Nach seiner Meinung sollten die Verse des Koran nur als Ganzes und am besten fromm und in Ruhe gehört werden. Wer sie als Klingelton nutzt ist dagegen gezwungen, einen Anruf anzunehmen und den Vers dadurch abzuschneiden. "Das ist un-islamisch," so Badru-Hasan.

Icann-Boss warnt vor internationalisierten Domain-Namen

Das Internet ist englisch – zumindest was Domain-Namen angeht. Das DNS-System, mit dessen Hilfe kryptische Internet-Adressen wie 195.71.11.67 in leicht zu merkende Klarnamen wie www.spiegel.de umgesetzt werden, ist auf 37 Zeichen beschränkt. Länder, in denen andere Schriftzeichen üblich sind, etwa chinesische oder arabische, fühlen sich davon natürlich benachteiligt.

Doch damit soll es bald vorbei sein, versprach der Chef der Internet-Verwaltung Icann, Paul Twomey, gegenüber dem "Sydney Morning Herald."  Bereits seit drei Jahren arbeite die Organisation an einem System, mit dem dem Internet rund 50.000 zusätzliche Schriftsymbole beigebracht werden sollen. Allerdings warnt er vor übereilten Schritten. Das Internet sei wie ein "15-stöckiges Gebäude, dessen Fundament wir mit der Einführung internationaler Domain Namen umbauen," so Twomey. Dabei müsse man sichergehen, dass der Rest unbehelligt von den Änderungen weiterhin funktioniert.

Genau das scheint alles andere als trivial zu sein. Besonders vertrackt wird es, wenn ähnlich oder sogar identisch aussehende Buchstaben in verschiedenen Sprachen unterschiedliche Bedeutungen haben. Das, so fürchtet der Autor des Artikels, könnte von Kriminellen ausgenutzt werden, um Phishing-Sites aufzubauen, die sich hinter Namen verbergen, die denen ihrer Original-Vorbilder täuschend ähnlich sehen. Erste Labortests des neuen Systems sollen noch in diesem Jahr beginnen. Mit seiner Einführung rechnet Twomey gegen Ende 2007.

Mehr virtuelle, weniger reale Server

So haben sich die großen Hardware-Hersteller das wohl nicht gedacht. Einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Gartner zufolge lassen die Steigerungsraten beim Verkauf von Servern stark zu wünschen übrig.

"In der Vergangenheit konnten wir zweistellige Steigerungsraten beobachten," so Gartners Forschungsdirektor Jeff Hewitt gegenüber "Infoworld" . Damit jedoch sei es nun vorbei. In den letzten beiden Quartalen stiegen die Umsätze nur noch um 4,4 beziehungsweise 2,5 Prozent. Den Grund für diese Verlangsamung des Wachstums hat man bei Gartner auch schon ausgemacht: Virtualisierung. Diese Technologie ermöglicht es Firmen, auf einem Hardware-Server mehre virtuelle Server in Form von Software zu installieren. Das Resultat: die Hardware wird besser ausgelastet, man braucht also weniger "echte" Rechner. Schade, dass Virtualisierung im Heimbereich noch keine Rolle spielt.

Ewiges Leben durch Computer

Ray Kurzweil ist für furiose Zukunftsvisionen ebenso bekannt wie für reale Hightech-Projekte. Insbesondere mit seinen Synthesizern sicherte er sich einen festen Platz in der Ruhmeshalle der Musik. Nun hat sich der MIT-Absolvent und Spezialist für künstliche Intelligenz weit vorgewagt. Bereits in 15 bis 30 Jahren, so zitiert die "Information Week"  Kurzweil, werden Menschen mit Hilfe von Computern ewig leben können. Der "menschliche Körper 1.0" soll dann von Nano-Robotern von den Zeichen der Alterung befreit werden. Defekte Einzelteile könne man einfach ersetzen.

Hört sich prima an. In der Praxis für die meisten von uns viel wichtiger aber wäre es, wenn seine Vision von einer Heilmethode gegen Schnupfen tatsächlich bald Realität wäre. Schließlich steht der nächste Winter gerade vor der Tür.

Spaß mit der PS3

Offenbar gibt es immer noch viel zu viele Exemplare der Playstation 3. Und zu billig scheint sie auch zu sein. Wie sonst könnte man sich erklären, dass die Jungs von SmashMyPs3.com ihre aus Spenden finanzierte und frisch erworbene Spielkonsole der nächsten Generation zum Entsetzen aller PS3-Fans gleich nach dem Kauf kameragerecht mit einem Vorschlaghammer zerlegten ?

Dass muss wohl mit übersteigertem Geltungsbedürfnis zusammenhängen. Da halte ich es doch lieber mit James Kingham und Brendan Foley. Die schlachteten ihre brandneue Playstation 3 wenigstens nicht ohne Sinn und Verstand aus, sondern rüsteten sie zum Gartengrill um . Da hat man wenigstens etwas davon.

Ich wette, das teure Innenleben haben die beiden längst in irgendeinem Standard-PC-Gehäuse untergebracht. Finanziell zumindest war die Grill-Aktion bisher ein Desaster. Von den angestrebten 250 US-Dollar an Spenden konnten die beiden bisher erst 55 auf ihrem Konto entgegen nehmen.

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