Netzwelt-Ticker Europa liebt den Feuerfuchs
Firefox-Markanteile steigen kräftig
Firefox nimmt immer weiter an Beliebtheit zu, wie die französischen Marktforscher von Xiti Monitor feststellten . In Europa liegt der durchschnittliche Marktanteil mittlerweile bei über 20 Prozent. An der Spitze liegt Slowenien (39 Prozent), gefolgt von Finnland, wo immerhin 35,4 Prozent der Internetsurfer auf die Alternative zum Internet Explorer setzen. Auch in Deutschland wurde mittlerweile die 30-Prozent-Marke geknackt - bei den Lesern von SPIEGEL ONLINE ist der Anteil sogar noch größer. Die Bewohner Großbritanniens dagegen verweigern sich einmal mehr einem europäischen Trend: Auf der Insel konnten sich bislang nur 12,4 Prozent für Firefox entscheiden. Interessant auch die Steigerung der Firefox-Nutzung an den Wochenenden, wenn vermehrt vom heimischen PC aus gesurft wird.
Die von Xiti vorgelegten Zahlen markieren einen deutlichen Gewinn für den Open-Source Browser, hatten die Werte im vergangenen Jahr europaweit doch noch bei 14,1 Prozent gelegen (Deutschland: 25,1 Prozent).
Firefox 3.0 kommt
Damit diese Anteile weiter steigen, ruht das Entwickler-Team bei Mozilla nicht. Gerade noch haben sie Firefox 2.0 auf den Weg gebracht, da gibt es schon erste Neuigkeiten über Firefox 3.0. Die Veränderungen sind nicht so sehr optischer Natur, sondern mehr auf das Innere des Browsers bezogen. Es wird eine neue Rendering-Engine geben und das neue Lesezeichen-Feature "Places" soll implementiert werden. Derzeit trägt das Projekt noch den Code-Namen "Gran Paradiso" und braucht voraussichtlich noch ein Jahr bis zur endgültigen Veröffentlichung, wird Entwicklungsleiter Mike Schöpfer zitiert.
Die Alpha-Version steht ab sofort zum Download bereit , allerdings betonen die Entwickler, diese Testversion sei auf keinen Fall für den Otto Normalsurfer gedacht.
Kartellamt: Glücklich auch ohne Online-Lotto
Zu den Glücksspiel-Plänen der staatlichen Wettanbieter hat sich nun auch das Kartellamt geäußert. Bisher hatten die Lottogesellschaften ihre Online-Angebote nicht für Spieler aus allen Bundesländern geöffnet, die Aufforderung des Kartellamts, dies zu tun, führte zum Ende der meisten Online-Spiele. Kartellamts-Chef Ulf Böge will die Lottogesellschaften dazu auch nicht zwingen. Die Wirtschaftswoche zitiert ihn: "Wir haben auch nichts Unmögliches verlangt, sondern nur gefordert, dass beispielsweise ein Spieler aus Hessen online auch bei der Brandenburger Lottogesellschaft tippen kann. Wenn die Gesellschaften lieber auf die Einnahmen verzichten, statt das Angebot einfach zu öffnen, wird eben die private Konkurrenz diese Lücke füllen."
Den Vorwurf, er verhindere die Bekämpfung der Spielsucht, lässt Böge nicht gelten: "Wenn der Gesetzgeber eine wirkliche Gefahr sieht und etwas tun will, könnte er die Angebote ganz vom Markt nehmen."
USA: Verbindungsdatenklau nun strafbar
Illegales Ausspähen von Telefondaten ist in den Vereinigten Staaten nun eine Straftat, berichtet "Cnet news" . Der US-Senat billigte einstimmig ein Gesetz, demzufolge bei Beschaffung privater Gesprächsdaten durch Täuschung der Telefongesellschaft zukünftig Strafen von bis zu 250.000 US-Dollar oder bis zu zehn Jahren Gefängnis drohen.
Das Gesetzesvorhaben erfuhr im Gefolge des Abhörskandals bei Hewlett-Packard starken Auftrieb. Das Unternehmen hatte auf Firmenangestellte und Journalisten Privatdetektive angesetzt. Diese hatten sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Verbindungsdaten der Beobachteten erschlichen.
LKA Baden-Württemberg bietet Hausdurchsuchung an
Harte Zeiten für die Freunde des gepflegten Ballerspiels. Geht es nach den Plänen verschiedenster Politiker, stehen sie mit einem Bein schon im Gefängnis. Da wartet manche Behörde gar nicht erst auf die gesetzlichen Beschlüsse und wird schon jetzt aktiv: Nach der Ankündigung eines Amoklaufs in einer Schule in Baden-Württemberg hat das zuständige LKA laut heise online vom Betreiber eines Counter-Strike-Servers die Herausgabe nicht nur der Nutzerdaten hinter bestimmten IP-Adressen verlangt. Die Landespolizisten wollten außerdem auch gleich die kompletten Serverlogs der letzten zwei Wochen haben. Und die Beamten machten Druck. Der Betreiber berichtet, ihm wurde "bei dem Gespräch ... auch eine Hausdurchsuchung angeboten", falls er das Datenmaterial nicht freiwillig herausgebe.
Das Material wird nun nach Chatprotokollen durchsucht, die Verbindungen zum angekündigten Amoklauf offenbaren könnten.
Michael Glos: Mobiltelefonieren ins Ausland muss billig werden!
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sorgt sich um die schmale Geldbörse von Handy-Telefonierern, berichtet das Handelsblatt (leider nicht online). Derzeit beraten die zuständigen Fachminister einen Vorschlag der EU-Kommission zur Senkung der teilweise saftigen Roaming-Gebühren, die beim Telefonieren ins Ausland anfallen. Glos will noch deutlichere Senkungen erreichen: Ein Auslands-Telefonat solle nicht mehr als 50 bis 60 Cent pro Minute kosten anstatt wie bisher ein bis drei Euro.
Im Unterschied zur bisherigen Haltung befürwortet Glos nun eine direkte Festlegung der Endverbraucherpreise, die Bundesregierung hatte das zuvor mit Hinweis auf den freien Wettbewerb abgelehnt. Glos hatte schon vor einigen Wochen einen ähnlichen Vorstoß gemacht.
Bald Schluss mit Telefon-Spam?
Und noch eine gute Nachricht aus Berlin: Bald könnte Schluss mit nervtötenden "Sie haben gewonnen"-Anrufen sein. Peter Paziorek (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Verbraucherministerium, sieht Handlungsbedarf: Anscheinend werde die Privatwirtschaft mit dem Problem nicht von allein fertig, "die Zweifel daran sind im Augenblick groß", so Paziorek im Handelsblatt . Also müsse die Regierung aktiv werden. Zwar ist das sogenannte Cold calling seit 2004 verboten, aber nicht nur vielen Werbeunternehmen ist das offensichtlich egal. Erst im letzten Jahr musste sich sogar die Deutsche Telekom vom Oberlandesgericht Köln verbieten lassen, ihre Kunden mit ungebetene Anrufen zum Tarifwechsel zu belästigen. Da bis zum nächsten Jahr eine EU-Richtlinie zum Wettbewerbsrecht in nationales Recht umgesetzt werden muss, bietet sich die Überarbeitung des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb sowieso an. Die von der Richtlinie geforderten "abschreckenden und wirksamen Sanktionen" könnten nach Ansicht Pazioreks in Bußgeldern für kommerziellen Telefonterror bestehen.