Netzwelt-Ticker: Fast wahnsinnig vor lauter Liebe - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Fast wahnsinnig vor lauter Liebe

Novell und Microsoft lieben sich so sehr, dass es schon fast peinlich ist, Reporter ohne Grenzen benennt 13 schwarze Schafe im Netz, Adobe hilft Mozilla, ein Online-Werkzeug schneidet Fotos profilgerecht zu. Das und mehr im Überblick
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Love Story

Vorbei die Zeiten, in denen Microsoft das Open-Source-Betriebssystem Linux mit großflächigen Werbeanzeigen verhöhnte und als Laienkram diffamierte. Vor wenigen Tagen durfte das IT-interessierte Publikum mit Staunen vernehmen, dass der Linux-Vertreiber Novell (Suse) und Microsoft ihre Liebe füreinander entdeckt haben. Das, fanden offenbar selbst die Firmenlenker, ist erklärungsbedürftig.

Und so kommen am heutigen Mittwoch die Leser der "Financial Times" in den Genuss einer ganzseitigen Anzeige, in der die Unternehmen einander (und ihren Kunden) ihre Liebe erklären. Unter dem hollywoodesken Titel "Building Bridges" ist eine von Microsoft-Chef Steve Ballmer und Novell-Präside Ronald W. Hovsepian unterzeichnete Textwüste zu erschließen, in der wundervolle sprachliche Blumen blühen.

"Unsere zwei Unternehmen", hebt der Text an, der erst dann so richtig ans Herz geht, wenn man ihn sich von Richard Burton oder Christian Brückner sonor vorgelesen vorstellt, "glauben daran, dass unseren Kunden am besten mit Software-Produkten gedient ist, die reibungslos zusammenarbeiten, egal, auf welcher Basis ('source') sie beruhen."

"Hey!", wirft da ein respektloser Kollege spöttelnd ein, "steht das nicht im Widerspruch zu Microsofts Internet Explorer?"

Microsoft wird ICANN-Mitglied

Die Web-Vögel pfeiffen es seit einiger Zeit von den virtuellen Dächern, und tatsächlich ist Microsoft jetzt ganz offiziell zum Internet-Registrar und Mitglied der Internet-Verwaltung ICANN befördert worden. Wie "Infoworld"  bemerkt, ermöglicht dieser Schritt dem Unternehmen, künftig selbständig Domain-Namen zu vergeben. Bisher musste die Firma dafür die Dienste von Fremdfirmen in Anspruch nehmen und diese entsprechend entlohnen.

Künftig hätte das teuer werden können, denn Anwendern des kommenden Office Live bietet die Firma eine kostenlose Domain an. In das Geschäft mit Internet-Domains will man aber dennoch nicht einsteigen, heißt es offiziell. Das wolle man weiterhin spezialisierten Firmen überlassen, deren Kunde Microsoft auch in Zukunft sein will.

NTP verklagt Palm

Es gibt Geschäftsmodelle, die sind so absurd wie erfolgreich. Die US-Firma NTP hat ein solches entwickelt. Statt selbst produktiv zu sein, Waren herzustellen oder gar Technologien zu entwickeln, sitzt das Unternehmen lediglich auf einem Sack voll Patente. Von den Einnahmen aus der Lizensierung dieser Patente lebt die Firma. Oder etwa nicht?

Weit einträglicher scheint es nämlich zu sein, andere Firmen auf Verletzung eben dieser Patentrechte zu verklagen. Letztes und prominentestes Opfer war der kanadische Blackberry-Hersteller Research In Motion (RIM). Mehr als eine halbe Milliarde Dollar zahlte die Firma an NTP , um ein langwieriges Gerichtsverfahren zu vermeiden. Die Begründung: viele Kunden hätten sich durch NTPs Klage verunsichert von RIM zurückgezogen.

Nun, da die Kriegskasse prall gefüllt ist, hat NTP bereits das nächste Opfer ausgemacht: den Handheld-Hersteller Palm. Dessen Treo, Tungsten und Palm VII-PDAs verletzten NTP-Patente für den drahtlosen E-Mail-Abruf, so der Vorwurf. Laut NTP-Mitgründer Donald Stout stehe man schon seit 2000 in Kontakt mit Palm und bemühe sich um eine gütliche Einigung. Nun sehe man sich jedoch gezwungen, das Verfahren vor Gericht zu bringen.

Palm will sich das freilich nicht gefallen lassen und hat dafür gesorgt, dass die fraglichen Patente derzeit vom US Patent and Trademark Office (PTO) neu bewertet werden. Ohnehin, so eine Pressemitteilung des Unternehmens , beschrieben die Patente Pager-basierte E-Mail-Dienste, die mit Palms Systemen nichts gemeinsam haben. Im Schlusssatz der Mitteilung vermerkt der Handheld-Hersteller zudem, man respektiere zwar berechtigte Ansprüche, setze sich jedoch vehement gegen Versuche zur Wehr, auf dem Rechtsweg Geld für Patente einzutreiben, die eigentlich wertlos sind.

Die dreckigen Dreizehn

Die Vereinigung "Reporter ohne Grenzen" hat klar ausgemacht, wer "die 13 größten Feinde des Internets" sind: Ägypten, China, Iran, Kuba, Myanmar, Nordkorea, Saudi-Arabien, Syrien Tunesien, Turkmenistan, Usbekistan, Vietnam und Weißrussland. Diese Staaten sind nach Ansicht der Organisation "Schwarze Löcher im Internet" , die es zu stopfen gelte. Websurfer aus aller Welt konnten dabei helfen, indem sie sich per Mausklick gegen die Zensur in einem dieser Länder aussprachen ( SPIEGEL ONLINE berichtete).

Bis heute morgen hatten sich bereits mehr als 15.000 Internet-Nutzer an der 24 Stunden dauernden Aktion beteiligt. Weit vorn in der Abneigung des Publikums lag bis dahin die asiatische Militärdiktatur Myanmar, gegen deren Zensurbemühungen sich mehr als 4000 Menschen aussprachen. Darüber hinaus ruft "Reporter ohne Grenzen" Websurfer dazu auf, eine Nachricht für den Yahoo-Mitgründer Jerry Yang zu verfassen und sich gegen Yahoos Zusammenarbeit mit der chinesischen Polizei auszusprechen.

Adobe hilft Mozilla

Dieses Beispiel sollte Schule machen: Der Software-Konzern Adobe hat Teile seines Quellcodes für die ActionScript Virtual Machine unter OpenSource-Lizenz freigegeben. Wie "ars technica"  schreibt, will der Photoshop-Hersteller mit dieser Geste die Entwicklung des OpenSource-Browsers Firefox vorantreiben. Die freigegebene Software ist Bestandteil des Flash-Players, mit dessen Hilfe viele Programmierer Animationen und interaktive Elemente in ihre Websites einbauen. Unter dem Titel "Tamarin Project" wollen nun Adobe-Mitarbeiter und Mozilla-Programmierer gemeinsam eine eigene Variante der Adobe-Software für Firefox entwickeln. Damit soll vor allem die Verarbeitung von JavaScript in Firefox verbessert werden. Bis das Projekt angeschlossen ist, wird es allerdings noch etwas dauern. Erst 2008 soll Tamarin in Firefox integriert werden.

WiMAX gewinnt an Fahrt ...

... zumindest im Heathrow Express. Der Schnellzug, welcher den Londoner Großflughafen Heathrow mit der Innenstadt verbindet, soll ab Anfang 2007 über ein WiMAX-Netzwerk ans Internet angebunden werden. Das, so heißt es bei "TechDigest" , ist viel schneller als gewöhnliche drahtlose Netzwerke. Muss auch so sein, denn die Fahrt dauert nur 15 Minuten. Da es aber noch kaum WiMAX-fähige Endgeräte gibt, wird der Betreiber, T-Mobile, wohl noch ein normales WLan zwischenschalten. So kommt man dann wieder auf das gewohnte Geschwindigkeits-Niveau zurück, während am Fenster Londons Vorstädte vorbeiziehen.

Mach mir ein Bild

Keine Frage: Soziale Netzwerke heben gerade richtig ab. Und eines haben alle gemeinsam, ganz gleich ob flickr, MySpace oder OpenBC: Man muss sich peppig präsentieren, um dort Erfolg zu haben und wirklich Teil der Community zu werden. Ein gutes Foto hilft dabei. Nur das Zurechtschnippeln eines solchen Selbst-Porträts nervt manchmal. Schließlich erklärt jedes Portal seine ganz persönliche Bildgröße zum Standard. Für Leute, die sich nicht mit solchen Details abplagen wollen, gibt es Abhilfe. Auf der Webseite "mypictr"  kann man sich online ein passendes Bild aus einem beliebigen Digitalfoto zurechtschneiden. Und das Beste daran: Das Web-Tool weiß auswendig, dass ein Foto bei YouTube 130 x 100 Pixel groß sein soll, während flickr bloß läppische 48 x 48 Bildpunkte erlaubt. Ausprobieren!

Michael-Morphing

Wer sich ein Bild von den Möglichkeiten der modernen Gesichts-Chirurgie machen möchte, sollte einen Blick auf die bebilderte Geschichte von Michael Jacksons Gesicht  riskieren. Die Bildqualität ist zwar grausig - aber das ist das Motiv mit zunehmender Veränderung auch. Armer Kerl.

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