Netzwelt-Ticker: Gerüchte ums Google-Phone - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Gerüchte ums Google-Phone

Google will angeblich ein Handy auf den Markt bringen, ein chinesischer Cyberdissident muss ins Gefängnis, eine Software erkennt schöne Frauen, BKA-Chef bekommt Negativ-Preis - das und viel mehr im Überblick.
Von Sönke Jahn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Großes Hallo ums Google Handy

Google-Managerin Isabel Aguilera habe am Freitag bestätigt , dass der Suchmaschinen-Gigant an einem eigenen Handy arbeitet, meldete "CNet", seitdem überschlagen sich die Gerüchteseiten. Denn ob und wann und zu welchem Preis es erhältlich sein wird, bleibt weiter offen. Ebenso, ob Frau Aguilera die Äußerung nur zufällig herausrutschte, und ob man sich nun Sorgen um ihre weitere Karriere machen muss. Bislang gibt es keine weiteren Kommentare aus dem Google-Hauptquartier zu dem vermutlich äußerst günstigen Internethandy, das unter anderem von ehemaligen Apple-Mitarbeitern  entwickelt werden soll. Aber der Nachrichtenagentur Reuters  zufolge behauptet der Londoner Branchenkenner Richard Windsor, dass Google das Gerät hinter verschlossenen Türen bereits auf der Cebit engekündigt habe. Es würde kein High-end-Gerät sein, sondern sich vor allem an eine Klientel richten, die keinen PC besäße. Auf Engadget war Anfang März ein angeblicher Prototyp des sogenannten "Switch"-Apparates  zu sehen. Und in der letzten Woche soll ein weiteres Bild des Google-Handys den Entwicklern entschlüpft sein .

Sechs Jahre Haft für chinesischen Netz-Dissidenten

Ein chinesischer Dissident ist wegen "Diffamierung der Regierung" zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden meldet Associated Press. Zhang Jianhong wurde schuldig gesprochen, subversive Artikel im Internet veröffentlicht zu haben, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag meldete. Er ist der ehemalige Chefredakteur einer Website mit dem Titel "Aiqinhai" (Ägäis).

In der Urteilsbegründung des Gerichts in der ostchinesischen Hafenstadt Ningbo hieß es laut Xinhua, Zhang habe in mehr als 60 Artikeln die Pekinger Regierung sowie das chinesische Sozialsystem verleumdet. Das Gericht habe sich für ein

"relativ mildes Urteil" entschieden, da Zhang sich reumütig gezeigt habe. Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen wurde Zhang im September wegen Subversion angeklagt. Die chinesische Regierung geht in jüngster Zeit verstärkt gegen Netz-Dissidenten vor. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Dutzend Menschen festgenommen.

Who is who im Internet

Mit einer einfachen "Whois"-Abfrage  bekommt jeder Namen und Anschrift desjenigen, der eine Internetadresse registrieren ließ. Und warum auch nicht? Man kann durchaus vermuten, dass jemand die Öffentlichkeit sucht, der eine Webseite betreibt. Nun häufen sich aber die Sorgen, dass sich Spammer und anderes Onlinegesindel hier Daten für dunkle Zwecke herausfischen, die sie anders so leicht nicht erhalten hätten. Was also tun? Zuständig und verantwortlich für dieses Prozedere ist die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), das Straßenverkehrsamt des Internet sozusagen, bei der man sich zur Zeit die Köpfe heißredet darüber, ob man auch künftig wie bisher mit den Anmelderdaten verfahren will. Auf der ORF Futurezone dokumentiert man recht ausführlich den Stand der internen Diskussion darüber, wer wann wieviel Betreiberdaten erfragen darf .

Auszeichnung für BKA-Chef Ziercke

Die Fachzeitschrift "Chip" vergibt auch in diesem Jahr wieder einen Preis, den keiner annehmen will. Dabei hat die "Bremse des Jahres"  absolut nichts zu tun mit einer Pferdefliege, sondern bloß mit Verlangsamung. In diesem Jahr wird ihn wohl der Chef des Bundeskriminalamtes nicht entgegen nehmen. Jörg Ziercke fordere lautstark den Einsatz eines "Bundestrojaners" und bremse dadurch den digitalen Fortschritt, so die "Chip"-Redaktion. Wenn BKA, FBI etcetera zur Terrorfahndung übers Internet jeden Rechner ganz offiziell knacken dürften, wären die Hersteller von Security-Lösungen praktisch per Gesetz verpflichtet, so einem Bundestrojaner eine Hintertür offen zu lassen. Bei Heise.de  sprechen sich deshalb Antiviren-Hersteller Kaspersky, sein Kollege von F-Secure und Microsofts deutscher Firmensprecher einhellig gegen die Unterstützung der stattlichen Schnüffellösung aus.

Alle reden vom Wetter. Wir auch.

Unter der Leitung der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) haben die europäischen Wetterdienste nun ihre Datenbanken gebündelt, berichtet ORF.at . Künftig sollen stets aktualisierte Informationen über Gewitter, starken Regen, Schneefall, extreme Hitze oder Kälte in Europa auf der Website Meteoalarm.eu  abrufbereit gebündelt werden. Erscheint ein Land auf der angezeigten Europakarte grün eingefärbt, bedeutet dies, dass "keine erhöhte Aufmerksamkeit aufgrund des Wetters notwendig" ist. Gelb dagegen weist auf eine "potentiell gefährliche" Wettergemengelage hin, bei der "eine erhöhte Aufmerksamkeit" bei Tätigkeiten angebracht sei, die "meteorologischen Risiken ausgesetzt" sind. Orange wird's draußen gefährlich und sieht man rot, ist es schon sehr gefährlich. Heute morgen neun Uhr war Europa nur in Kärnten knallrot. In Deutschland dominierte gelb. Außer in Hessen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz, da war grün. Erstaunlich auch: Während die Niederlande Nord schon orange anzeigten – man erwartete dort ein "Küstenereignis" –, blieb das benachbarte Niedersachsen souverän gelb. Was beweist: Das Wetter ist vor allem Nervensache.

Fahrkartenkontrolle

Die Deutsche Bahn und Mobilfunknetzbetreiber Vodafone wollen künftig gemeinsam Fahrkarten verkaufen. Per Handy. Einen ersten Praxistest für dieses "Touch & travel"-Projekt will man demnächst auf der ICE-Strecke Berlin-Hannover, einem Teilnetz der Berliner S-Bahn und im gesamten städtischen Nahverkehr der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam veranstalten. Dazu sollen alle Stationen mit so genannten Touchpoints ausgerüstet werden, An- und Abmeldepunkten, an denen sich der Fahrgast bei Fahrtantritt per Handy einbucht und sich nach Erreichen des Reiseziels wieder abmeldet – die Rechnung bekommt man dann später per Post. Die Reisekosten sollen sich so nicht nur Bahnkilometer-genau ermitteln lassen, auch unterschiedliche örtliche Tarifsysteme will man damit unter einen Hut bekommen. Golem.de  hat sich dieses System auf dem Vodafone-Cebitstand angeschaut. Auf Nachfragen zum Datenschutz, lesen wir dort, hatte Vodafone aber noch kein Konzept vorzuweisen. Dies müsse mit den Feldversuchen geklärt werden.

Hot or not

Zwei australische Wissenschaftler, ein Dr. Picardi und eine gewisse Hatice Gunes, wollen eine Software entwickelt haben, die schöne Frauen erkennen kann . Man habe dazu 50 Testpersonen insgesamt 215 Frauenfotos zur Bewertung vorgelegt, unter anderem von Claudia Schiffer, auf denen die beiden Forscher zuvor Stirnbreite, Lippenhöhe und Nasenlänge und so weiter ausgemessen haben. Diese Daten sowie die Meinung der Jury konnte man dann zusammenführen, vergleichen und auswerten. Deshalb könne man nun ziemlich sicher bei jedem Frauenfoto vorhersagen, welche Punktzahl das Gesicht von den 50 Testern bekommen hätte. Grundlagenforschung. Die Wissenschaftler indes warnen davor, dass ihre Arbeit in falsche Hände geraten könnte: Das Selbstbewusstsein heranwachsender Mädchen etwa könne durch die Software zerstört werden.

Spanner-Beratung

Bei Yahoo  lesen wir, dass man sich neulich im New Yorker Kaufhaus Bloomingdales von Spannern beim Einkauf beraten lassen konnte, die sich per Computer in die Umkleidekabine einloggen durften. Es gibt sogar schon einen Namen dafür, das Ganze nennt sich Social Retailing (SM)  und soll schon mal viel mehr sein als nur ein gemeinsamer Einkauf. Möglich macht dies ein neuartiger Kabinenspiegel, der das Spiegelbild nicht nur wie eine Webcam ins Internet überträgt, sondern der zugleich auch als Display für die eingetippten Kommentare der Einkaufsberater an ihren PCs dient. Diese hätten zudem die Möglichkeit, aus einer Kleiderdatenbank des Kaufhauses auszuwählen und Klamottenvorschläge zwecks Anprobe direkt auf den Spiegel zu projizieren.

Der Ball ist rund und die Prognose fifty-fifty

Während der Projektarbeit "Soccertrend"  erstellten Studenten an der Fachhochschule Düsseldorf eine gleichnamige Webseite für die Vorhersage der Ergebnisse des jeweils nächsten Bundesliga-Spieltages – sie wissen schon: Entweder gewinnt der eine oder der andere oder es ist unentschieden. Die Studenten werten für dieses ambitionierte System vor allem – wie wir alle – die Webseite des "Kicker" aus und erreichen bei den Ergebnissen eine Trefferquote von immerhin 49 Prozent. Das ist angeblich besser als bei vergleichbaren Angeboten, aber wetten würde ich darauf trotzdem nicht.

Mehr lesen über