Netzwelt-Ticker: Google bedauert Zensur in China - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Google bedauert Zensur in China

Google bereut und ist auch für eine Ente gut, Bill Gates schaut in die TV-Zukunft, Vox schafft Nachrichtensprecher ab, YouTube kassiert wieder einmal eine Klage. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Google: Zensur in China war wirtschaftlicher Fehler

Die Google-PR-Abteilung war in den letzten Tagen wohl noch im Winterschlaf. So ergab sich eine unerwartete Stunde der Wahrheit für Google-Gründer Sergej Brin auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, wo sich der Unternehmer zu den Aktivitäten des Suchmaschinenbetreibers in China äußerte. Als man im Jahr 2005 auf den chinesischen Markt ging, wurden umstrittene Stichwörter wie "Falun Gong" oder "Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens" blockiert. Ausgerechnet jene, die einst unter dem Motto "Don't be evil" angetreten waren, sahen sich nun in problematische Berichte über Zensur und Folter verstrickt.

Auf die Frage, ob er das bedaure, gab Brin am Wochenende zu: "Wirtschaftlich gesehen, war die Entscheidung zu zensieren ein Fehler", wie der "Guardian" zitierte . Das Unternehmen habe aufgrund der eingetretenen Rufschädigung vor allem in Europa und den USA Schaden genommen. Noch im letzten Jahr hatte es geheißen, man habe auf chinesischen Druck so entscheiden müssen. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Google seine Strategie in näherer Zeit ändern wird. Mitgründer Larry Page stellte klar: "Wir als Unternehmen sollten Entscheidungen nicht von unserem Bild in der Öffentlichkeit abhängig machen." Wer so spricht, weiß, dass er als Quasi-Monopolist handelt.

Bill Gates: Internet revolutioniert TV in nächsten fünf Jahren

Die zunehmende Zahl im Internet verfügbarer Onlinevideos wird das Fernsehen revolutionieren - davon ist Microsoft-Chef Bill Gates überzeugt. "Ich wundere mich, dass die Leute nicht erkennen, wie sie in fünf Jahren über das lachen werden, was sie im Fernsehen hatten", meinte er auf dem Weltwirtschaftsforum. Immer mehr Breitbandverbindungen ins Internet und populäre Onlinevideo-Plattformen wie YouTube würden zu einer deutlichen Abnahme des TV-Konsums führen, so die Reuters-Meldung bei news.com . Fernsehen sei zu starr, dem Konsumenten werde vorgeschrieben, was er wann zu sehen habe. Feste Sendepläne seien aber im Zeitalter von rund um die Uhr verfügbaren Videos aller Art ein Anachronismus. "Ereignisse wie Wahlen oder Olympische Spiele zeigen, wie schrecklich Fernsehen ist. Du musst erst auf den Typen warten, der die Dinge erzählt, die dich interessieren." Allerdings würden die Bereiche Internet und TV in Zukunft mehr und mehr verschmelzen, zum Beispiel durch die Präsentation von Onlinevideos im Fernsehen wie umgekehrt die Verbreitung von TV-Inhalten im Internet.

Vox schafft Nachrichtensprecher ab

In Köln scheint man ähnliche Gedankengänge angestellt zu haben und versucht, erste Konsequenzen zu ziehen. Der Fernsehsender Vox verzichtet ab Februar bei der Präsentation seiner Nachrichten auf einen sichtbaren Sprecher. Auf dem Fernsehschirm gibt es dann nur noch einen Splitscreen zu sehen, rechts die Schlagzeilen, links die entsprechenden Bilder. Der Nachrichtentext selbst wird nicht mehr von einem Moderator vorgetragen, sondern kommt dann aus dem Off. Man tue dies nicht aus Kostengründen, so die Vox-Pressestelle, "sondern weil wir diese Form der Nachrichten für innovativ halten und es eine gute Darstellungsweise für ein Fünf-Minuten-Format  ist". Die Nachrichten werden nicht von Vox selbst produziert, sondern von RTL und n-tv übernommen.

Fox verklagt YouTube

Dass man bei der Übernahme geistigen Eigentums fremder Leute vorsichtig sein muss, erfährt gerade das Videoportal YouTube. Nachdem auf der Seite bisher noch nicht ausgestrahlte Episoden der Serien "24" und "Die Simpsons" aufgetaucht waren, klagte 20th Century Fox. YouTube, so verlangt das Produktionsunternehmen, solle Informationen zur Identifizierung der Person herausgeben, die die fraglichen Episoden online gestellt habe. Bereits zuvor hatte Fox wegen der gleichen Angelegenheit LiveDigital, eine andere Videoplattform, verklagt, die das strittige Material aber umgehend entfernt habe. Bislang hat YouTube sich noch nicht geäußert, wie der "Sydney Morning Herald"  berichtet. Für Fox sind die Ereignisse besonders ärgerlich, weil der Beginn der neuen, sechsten Staffel von "24" Herzstück der Januar-Planung war. Die vier Folgen zum Staffelstart waren allerdings sämtlich bereits vor der Premiere online zu haben. Ähnlich verhielt es sich mit zwölf Folgen der "Simpsons", die ebenfalls vor ihrer Erstausstrahlung zugänglich waren.

Phishing & Spam bei MySpace

Phishing ist wahrlich keine neue Bedrohung mehr, die meisten Internet-Nutzer sind mittlerweile auch entsprechend vorsichtig geworden. Was aber, wenn Spam und Betrug von vermeintlichen Freunden drohen? So geschieht es derzeit bei MySpace, wo anscheinend schon 1,4 Millionen Nutzer Buddies haben, deren Nutzeraccounts und Passwörter frei zugänglich sind und damit für Spam & Co. offen stehen. Die neueste Betrugsmasche ist ein Dienst namens Stalkertrack, mit dem es angeblich möglich sein soll, Besucher des eigenen MySpace-Profils zu identifizieren. Das fanden viele Nutzer so verlockend, dass sie sich auch nicht daran störten, bei der Anmeldung beim vorgeblichen Trackerdienst ihre persönlichen MySpace-Zugangsdaten angeben zu müssen, wie Gulli berichtet . Und nun können Spammer diesen Account benutzen, um für den Trackerdienst ordentlich die Werbetrommel zu rühren. Die Freunde des so geöffneten Accounts sind arglos - die Nachricht ist ja schließlich nicht anonym. Das Erstaunlichste: Die Spammer von Stalkertrack verbergen ihre Absichten nicht einmal. Bei der Anmeldung wird der Nutzer extra darauf hingewiesen, dass von nun an auch andere auf das eigene Profil zugreifen und und in dessen Namen Nachrichten und Werbung versenden werden.

Zu schön, um wahr zu sein: Google TV beta

Bekanntlich traut man Google (fast) alles zu, also auch den Start einer eigenen TV-Plattform, Google TV. Auf YouTube demonstrieren zwei Videos, wie man mittels einer "geheimen Testeinladung" zur Betaversion des demnächst öffentlichen Google TV gelangt. Man müsse sich nur ein paar hundert Mal bei seinem Gmail-Account ein- und wieder ausloggen. Irgendwann erschiene dann ein kleines TV-Icon im Gmail-Logo. Der Erfinder der Ente produzierte auch gleich ein zweites Video, um etwaigen Klagen vorzubauen: Das Login sei nun schwieriger geworden, da Google die Anforderungen "wesentlich" erhöht habe. In den Kommentaren beim entsprechenden Beitrag bei Techcrunch  findet man die Berichte manch gutgläubiger Zeitgenossen, der von mehreren hundert Loginversuchen berichtet.

Einzelheiten über Google TV selbst bleiben natürlich weiter geheim. Loggen Sie sich doch einfach ein!

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