Netzwelt-Ticker Honigfalle für böse Programme
Schweiz: Kommissar Trojaner
Während die Überwachung von herkömmlichen Telefonleitungen längst Normalität ist, stellt gerade die Telefonie über IP - VoIP - ein Hindernis für Ermittlungsbehörden dar. Wie Heise Online mit Hinweis auf die schweizerische Sonntagszeitung berichtet , soll das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation nun eine Spionagesoftware testen, mit deren Hilfe sich Gespräche über Skype und ähnliche VoIP-Programme abhören lassen sollen, ohne dass die Gesprächspartner Wind davon bekommen.
Zusätzlich soll es angeblich möglich werden, den Raum, in dem sich ein abgehorchter Rechner befindet, über dessen Webcam und Mikrofon bei Betrieb überwachen zu können. Die Software soll laut Hersteller keine Probleme mit Firewalls und Antiviren-Software haben, für's Einschleusen soll der Provider verantwortlich zeichnen.
Doch, wie viele Kommentare zum Artikel hervorheben: Werden hier nicht einfach nur große Töne gespuckt? Schon vor Jahren konnte man mit dem Programm Back Orifice fremde Webcams und Mikrofone anzapfen. Wer ein exotisches VoIP-Programm oder gar Verschlüsselung verwendet, dem ist schwer beizukommen.
Aber wie ebenfalls oft kommentiert wird: Prinzipiell sind Firewalls und Antiviren-Software kein Problem - da die Mehrzahl der User ganz auf die essentiellen Sicherheitsmaßnahmen verzichtet, also sowieso nichts unternimmt, um den Computer gegen ungewollte Eindringlinge zu verteidigen. Wie leicht ein ungeschützter Computer unter feindliches Feuer gerät, zeigt zum Beispiel folgender Test der BBC.
BBC stellt Honigtopf auf
Phase Eins des BBC-Experiments ist ganz einfach : Windows XP Home auf einem PC installieren, den Rechner ans Netz anschließen und schauen, was passiert. Der BBC-Rechner ist ein sogenannter Honeypot, ein Honigtopf, der Hacker, Viren und Trojaner anlocken soll. Ohne dass der Angreifer es merkt, werden alle Versuche, den Honeypot zu missbrauchen, von Spezialsoftware registriert und ausgewertet. Und die BBC-Tester haben nicht schlecht gestaunt: Durchschnittlich alle 15 Minuten kam ein Hack- oder Spam-Angriff. Durchschnittlich jede Stunde war neben den vielen, eher harmlosen Spam-Attacken auch ein wirklich ernst zu nehmender Angriff dabei, der den Rechner entweder unbrauchbar oder zum Teil eines Botnetzes gemacht hätte.
Die Botschaft des Versuchs: Schützt Euren Rechner mit einer Firewall, Antiviren-Software und regelmäßigen Softwareupdates. In Phase Zwei des Experiments soll nun geschaut werden, was passiert, wenn man die Viren und Trojaner und Spionageattacken einfach mal machen lässt.
Support für XP mit Servicepack 1 endet heute
Microsoft wird, wie geplant, den Support von Windows XP mit Service Pack 1 und SP1a heute einstellen. Wer dann noch wichtige Ergänzungen und Patches über das Windows Auto-Update beziehen will, muss zwangsläufig auf Service Pack 2 aufrüsten.
Wie auch ZDnet hervorhebt , gibt es eigentlich kaum einen Grund, nicht eh schon längst auf SP2 umgestiegen zu sein. Es gilt als sicherer und bringt viele Neuerungen, der Download ist mit fast 270 Megabyte allerdings recht groß.
Um herauszufinden, welche Windows-Version man fährt, muss man einfach nur auf "Mein Arbeitsplatz" rechtsklicken und "Einstellungen" auswählen.
Spamhaus soll dicht machen
Im September hat das US-Bezirksgericht von Nord-Illinois das englische Anti-Spam-Projekt Spamhaus.org nach einer Klage des angeblichen Spammers David Linhardt und seiner Firma E360insight zu einer Zahlung von 11 Millionen Dollar verurteilt, nachdem Spamhaus nicht zum Prozess erschienen war und sich nicht verteidigt hatte. Spamhaus begründete das Nicht-Erscheinen damit, dass amerikanisches Recht nicht im Vereinigten Königreich gelte und Spammen in England eindeutig illegal sei. Wenn Linhardt klagen wolle, so bitteschön im Ursprungsland von Spamhaus.
Doch jetzt zeichnet sich eine Wendung ab. Der entscheidende Richter hat die Internet-Domainverwaltung Icann dazu aufgefordert, die Domain von Spamhaus zu löschen - Icann steht auf amerikanischem Boden und müsste der Anordnung Folge leisten. Da die Abhängigkeit der Icann von der US-Regierung aber gerade heftig diskutiert wird, könnte die Icann die Chance nutzen um ihre Unabhängigkeit zu demonstrieren.
Spamhaus ist derweil selbstbewusst: Wir stoppen jeden Tag 50 Milliarden Spam-Mails. Uns abzuschalten wäre eine Katastrophe für das Internet, sagen sie in einer Stellungnahme gegenüber Ars Technica .
Social Networks: Nicht nur für Teens
Eine Studie der Internetforscher von comScore Networks hat ergeben , dass soziale Netzwerke im Internet sich signifikant in der Altersstruktur unterscheiden. "Obwohl von den größten sozialen Netzwerke angenommen wird, dass sie direkt miteinander in Konkurrenz stehen, hat unsere Untersuchung ergeben, dass sie jeweils eine etwas unterschiedliche Nische für sich reklamieren können", so Jack Flanagan von comScore.
So ziehen MySpace.com und Friendster.com, anders als allgemein angenommen, ein eher älteres Publikum an - über die Hälfte der MySpace-Besucher ist über 25 Jahre alt, bei Friendster sind es sogar fast drei Viertel aller Besucher. Das hierzulande wenig populäre Xanga.com zieht mit 20 Prozent überdurchschnittlich viele junge User an und Facebook.com hat sich eine Nische unter College-Schülern eingerichtet.
Das übliche Missverständnis sei, dass diese sozialen Netzwerke ausschließlich von Teenagern gebildet würden, aber die Analyse bestätige, dass Social-Network-Seiten ein viel breiteres Publikum ansprächen.