Netzwelt-Ticker Jagd auf Casino-Köpfe
Peter Dicks, Chef von Sportingbet, wurde am späten Mittwochabend auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy verhaftet. Der Haftbefehl kam aus Lousiana und wurde bereits im Mai ausgestellt.
Nicht nur die auf stolze zwölf Milliarden Umsatz geschätzte Internet-Wett- und Casinobranche reagierte nervös auf die Verhaftung. Auch an den Börsen krümelten die Kurse entsprechender Unternehmen teils um bis zu fast 20 Prozent: Die Branche verlor in den USA über Nacht satte 1,5 Milliarden Dollar an Wert.
Dahinter stehen Befürchtungen, die US-Justiz könne gezielt versuchen, Wettfirmen durch Verhaftung ihrer Köpfe zu destabilisieren. Erst im Juli klickten in Texas für David Carruthers, Chef von BetOnSports, die Handschellen. Seine in Costa Rica gemeldete Firma hat mittlerweile angekündigt, ihr US-Geschäft einstellen zu wollen. Carruthers sieht sich mit Betrugsvorwürfen konfrontiert, gegen die er mit nicht schuldig plädierte. Der Prozess wird in Kürze erwartet. So oder so geht das lukrative Geschäft mit den Wetten im Web in den USA mittelfristig wohl seinem Ende entgegen: Eine Gesetzesvorlage gegen Wetten hat die erste Hürde genommen, liegt derzeit aber noch blockiert im Senat.
Dell, der verhinderte Daddler
Ungewohnte Worte von Michael Dell: Während einer Rede auf der Austin Game Conference outete sich der Gründer des weltgrößten PC-Herstellers als Möchtegern-Gamer. "Die Wahrheit ist, dass ich nicht so viel Zeit zum Spielen habe, wie ich gerne hätte," sagte der Firmenlenker.
Seine Firma empfindet er jedoch als bestens aufgestellt, um Spieler zu erfreuen. Schließlich habe Dell nicht nur die XPS Gamer-PCs im Programm, sondern durch den Zukauf der Firma Alienware auch eine eigene Fertigung von Highend-Spieler-PCs im Portfolio. Zudem biete die Firma seit kurzem auch Rechner mit den vor allem unter Spielern beliebten AMD-Prozessoren an. Dem Gerücht über eine Spielkonsole aus seinem Hause erteilte Dell dagegen eine Absage. Die könnte man zwar prinzipiell auch bauen, es sei jedoch sinnvoller, sich auf eine Plattform zu konzentrieren, statt auf zwei Hochzeiten zu tanzen. Glück gehabt, Microsoft, Sony und Nintendo: Anderenfalls hätte es noch enger werden können auf eurem übervollen Markt.
Vista RC1
Bereits seit dem 1. September können Microsoft-Partner und technische Beta-Tester sich den Windows Vista Release Candidate (RC) 1, die letzte Vorab-Version vor der Endfassung, auf ihre Rechner ziehen. Wie "Microsoft Watch" nun schreibt , steht der Download ab jetzt auch allen Teilnehmern des Vista Customer Preview Program, also jenen, die schon die Beta 2 herunter geladen haben, zur Verfügung. Insgesamt sechs Millionen Kopien des neuen Betriebssystems will Microsoft an willige Tester verteilen.
"CNet" befürchtet sogleich , das Internet könnte unter dieser Belastung zusammenbrechen. Das jedoch nicht aufgrund der vielen umfangreichen Downloads, schließlich ist Vistas RC1 rund 2,5 Gigabyte schwer. Sorgen machen dem von "CNet" interviewten Paul Mockapetris, dem Erfinder des Domain Name Systems (DNS), vielmehr Neuerungen in Vistas Umgang mit Internet-Adressen.
Neben dem althergebrachten IPv4-Standard beherrscht Vista nämlich auch das neue IPv6-System. Letzteres wurde eingeführt, da das alte System bereits am Anschlag seiner Möglichkeiten arbeitet. Vista, so fürchtet Mockapetris, werde nun die DNS-Server, welche beispielsweise die Adresse www.spiegel.de in eine computerkonforme IP-Adresse wie 123.456.789.255 umwandeln, überlasten.
Alles halb so schlimm, heißt es dagegen bei Microsoft. Natürlich werden die DNS-Server durch Vista stärker belastet. Das sei aber bei weitem nicht so dramatisch wie von Mockapetris befürchtet. Dieser Sichtweise schließt sich auch "ars technica" an , die dem Thema einen ausführlichen Artikel widmen. Sie sehen in Mockapetris einen Internet-Technologen der frühen Tage, der ein wenig überreagiert und zu sehr schwarz sieht. Statt zusammenzubrechen, so glaubt man bei "ars technica" wird sich das Internet einfach anpassen. Genauso, wie es schon etliche Male geschehen ist, wenn eine neue Technologie die Belastung erhöhte.
Ohnehin könnte es aber noch einen Weile dauern, bis die Belastung des Netzes merklich ansteigt. Wie "Bink.nu" meldet , seien Microsoft die Lizenzschlüssel für Windows Vista ausgegangen. Ohne die jedoch geht bei der Vista-Installation gar nichts.
Microsoft droht mit Europa-Verspätung
Ganz unverhohlen droht Microsoft übrigens damit, Windows Vista in Europa später auszuliefern als im Rest der Welt. Als Begründung gibt das Unternehmen an, es habe bisher noch keine Antwort der EU auf die Frage bekommen, ob an Vista noch Änderungen vorgenommen werden müssen, um mit dem europäischen Kartellrecht konform zu gehen.
Offenbar sei dies eine kruder PR-Trick, auf den auch die EU-Kommission angemessen reagierte, heißt es dagegen bei "The Register". Die habe erst einmal klargestellt, es sei "irreführend" anzudeuten, sie sei für etwaige Verzögerungen bei der Auslieferung von Vista in Europa verantwortlich. Schließlich, so "The Register", habe es ähnliche Differenzen schon 2001 gegeben, als Microsoft mit der US-Regierung über die Integration von Windows-XP-Komponenten wie dem Windows Media Player stritt. Damals hatte das Unternehmen seinen geplanten Liefertermin eingehalten und erst ein Jahr später einen Patch veröffentlicht, der die geforderten Änderungen enthielt.
Billig-Xbox für Japan
Bisher war der Microsoft-Spielkonsole XBox 360 im Land der aufgehenden Sonne kein sonderlich großer Erfolg beschieden. Von weltweit fünf Millionen verkauften Geräten fanden laut "Associated Press" nur lausige 158.000 Stück Abnehmer in Japan. Das soll sich nun ändern. Am 2. November, kurz vor dem Verkaufsstart des Konkurrenzmodells Playstation 3, will Microsoft eine Billig-Variante der Xbox auf den japanischen Markt bringen, bei der Festplatte und ein paar Zubehörteile eingespart werden. Dafür wird sie dann 67 Euro billiger angeboten als das Standard-Modell.
In den USA und Europa war dieses als Xbox 360 Core bezeichnete System ein Flop. Weshalb Microsoft dennoch versucht, ausgerechnet mit diesem Modell in Japan Erfolg zu haben, erklärt uns "joystiq" . Nach deren Ansicht steckt hinter dem Plan eine besonders ausgefuchste Microsoft-Logik: Wenn sich nämlich überall die xBox 360 gut und deren Billig-Ableger schlecht verkauft, müsste das "Core"-Modell in Japan, wo die Standard-Version schlecht läuft, doch ein Kassenschlager werden. Im Klartext: In Japan sei immer alles irgendwie andersrum. Zumindest die Vermarkter von UMTS-Diensten werden da heftig nicken.
Festplatten als Tsunami-Warnsystem
Eine interessante Lowcost-Variante eines Tsunami-Warnsystems wurde laut "Network World" Anfang der Woche auf der Ars Electronica-Ausstellung im österreichischen Linz vorgestellt. Statt teurer Spezialsensoren nutzt der Entwickler, Michael Stadler, dabei Festplatten als Messgeräte. Er nutzt die Eigenschaft, dass viele neue Harddisks über einen Beschleunigungssensor verfügen, der plötzliche Erschütterungen erkennt, um vor allem bei Notebooks die Platte gegebenenfalls vor Beschädigungen zu schützen. Stadlers Idee ist es, ein Peer-to-Peer-Netzwerk aus PCs aufzubauen, die mithilfe solcher Datenspeicher seismische Anomalien aufdecken, die auf einen möglichen Tsunami hinweisen. Noch, so gibt es selber an, sei das Projekt aber alles andere als ausgereift. Eine prima Idee ist es aber trotzdem - solange man Leute ausschließt, die neben Schnellstraßen oder Bahngleisen wohnen.
682 Firefox-Fehler
Unglaublich. Sage und schreibe 611 Fehler und 71 potentielle Sicherheitslücken hat der Programmierer Adam Harrsion gefunden , als er mit einem automatischen Analyse-Tool den Sourcecode des Browsers Firefox durchforstete. Trotzdem bescheinigt er der Software, sie sei sehr gut geschrieben und von hoher Qualität. Seine Ergebnisse übergab er dem Entwicklerteam. Klar, dass seine Verlautbarungen nicht kommentarlos von der Firefox-Gemeinde geschluckt werden. Und so lohnt es sich, die Kommentare zu seiner Meldung zu lesen.
Darunter ist nämlich auch ein Alec Flett, der sich als ehemaliger Entwickler des Mozilla-Projekts zu erkennen gibt. Er traut der automatischen Analyse gar nicht und wirft der verwendeten Software vor, zu viele nichtige Fehler identifiziert zu haben. Sicher gebe es das eine oder andere Speicher-Leck in der Software, doch für eine umfassende und korrekte Analyse des Programmcodes ist nach seiner Ansicht immer noch echter menschlicher Gehirnschmalz nötig. Gut zu wissen, das die Maschinen noch nicht alles alleine können.
Händler virtueller Waffen vor Gericht
Das hat man lange nicht gehört: laut "ars technica" stehen in China drei Männer wegen Urheberrechtsverletzungen vor Gericht . Einer der Beschuldigten hatte an seinem Arbeitsplatz bei der Software-Firma Shanda Network Development Kopien leistungsfähiger virtueller Waffen für das Multiplayer-Rollenspiel Legend of Mir 2 angefertigt. Gemeinsam mit seinen Komplizen betrieb er damit über ein Jahr lang einen florierenden Handel, indem er die für erfahrene Spieler vorgesehenen Software-Waffen an Gamer niedriger Ränge verkaufte.
Insgesamt sollen die drei Diebe auf diese Weise rund zwei Millionen Yuan (200.000 Euro) eingenommen haben. Hätten sie sich mit einer geringeren Summer zufrieden gegeben, wäre wahrscheinlich nichts passiert. Doch als sich die virtuelle Spielwelt durch die massiven Waffenkäufe immer mehr destabilisierte begann die Betreiberfirma Nachforschungen anzustellen und kam dem Trio auf die Schliche.