Netzwelt-Ticker: Klage fürs Petzen - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Klage fürs Petzen

Yahoo kassiert eine Klage für die Zusammenarbeit mit der chinesischen Staatsmacht. Außerdem: Dauerüberwachung in Schweden, Jugendschutz für MySpace, 110 und 112 ohne 115. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dissident in China hinter Gittern: Ehefrau verklagt Yahoo

Immer wieder gerieten Suchmaschinenbetreiber wie Google oder Yahoo wegen ihrer allzu engen Kooperation mit der chinesischen Zensur in die Kritik. So auch im Fall des Dissidenten Wang Xiaoning, der 2003 wegen "subversiver Artikel" im Internet zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Diese Woche nun floh seine Frau Yu Ling in die USA, wo sie eine Schadensersatzklage gegen Yahoo einreichte.

Wie sie gegenüber dem Regierungssender Voice of America (VOA)  sagte, habe ihr Mann seine jetzige Situation der Yahoo-Abteilung in Hongkong zu verdanken, die seinerzeit die Identität ihres Mannes gegenüber chinesischen Ermittlungsbeamten offen legte. Dafür erwarte sie außerdem eine Entschuldigung. VOA-Direktor Dan Austin erklärte: "In den USA schätzen wir den freien Meinungsaustausch im Internet und auch sonst. Unser Interview mit Frau Yu wird weltweit ausgestrahlt werden, auch in Mandarin." Also quasi eine regierungsfinanzierte Ohrfeige für den privatwirtschaftlichen Bückling vor Diktaturen.

Picasa jetzt mit 1 GB Speicher

Googles Bilderdienst erweitert sein Serviceangebot und setzt einige von den Usern sehnlich herbeigequengelte Features  um. Bildersammler haben mit 1 GByte Speicherkapazität jetzt viermal so viel Platz wie bisher und können nun wieder fleißig uploaden. Im Unterschied zu bisher lassen sich nun sämtliche vorhandene öffentliche Galerien durchsuchen, nicht nur die eigenen. Damit sind aber die öffentlich gestellten Bilder auch für eine weltweite Suche zugänglich.

Vielleicht ein bisschen zuviel Publikum für den, der nur seinen Freunden die neuesten Urlaubsfotos zeigen möchte. Was immer noch nicht funktioniert, ist die direkte Darstellung eines Fotos auf einer Website. Nach wie vor kann nur auf die Galerie verlinkt werden, die das gewünschte Bild enthält. Immerhin stehen jetzt vier verschiedene Größen für ein Vorschaufoto zur Verfügung.

Schweden plant Überwachung von Telefon und E-Mail

Mit einer umstrittenen Gesetzesinitiative zur Terrorabwehr ist die schwedische Regierung an die Öffentlichkeit getreten. Sie würde dem militärischen Geheimdienst die Überwachung von Telefonaten und E-Mailverkehr ermöglichen - und zwar ohne vorherige richterliche Anordnung .

Der Inlandsdatenverkehr soll nicht betroffen sein, lediglich Gespräche und E-Mails ins oder aus dem Ausland. Diese sollen sämtlich nach bestimmten Schlüsselwörtern durchsucht werden, eine Maßnahme, die bisher nur bei Verdacht krimineller Handlungen und auf Anordnung eines Richters möglich ist.

Schwedens Verteidigungsminister allerdings ficht das nicht an: "Damit können wir eine der wichtigsten Aufgaben einer Regierung erfüllen, nämlich das Land und seine Bürger zu schützen", wurde er zitiert. Inzwischen hat die Opposition der Grünen und der Linken ihre Ablehnung bekundet, die Sozialdemokraten sind noch unentschieden. Sogar der schwedische Geheimdienst merkte kritisch an, die Gesetzesinitiative verletze die persönliche Integrität der schwedischen Bürger.

Zugang zu MySpace & Co bald nur noch mit Altersnachweis?

Kein Teenie mehr ohne Profil bei Online-Netzwerken wie Myspace oder Facebook, so will es scheinen. Doch vielleicht sind die Zeiten des freien Zugangs für Minderjährige demnächst vorbei, jedenfalls wenn es nach dem Generalstaatsanwalt von Connecticut, Richard Blumenthal, geht.

Der Jurist plant nämlich die Einführung eines Altersnachweises bei der Anmeldung auf Netzwerkseiten, die für Minderjährige nur noch mit der Zustimmung der Eltern  möglich sein soll. Damit hofft er, junge Menschen vor sexueller Belästigung und Missbrauch zu schützen.

In letzter Zeit war MySpace wiederholt in die Schlagzeilen geraten, weil sich ältere Männer über die Seite immer wieder an junge Mädchen herangemacht hatten. Allein in Connecticut gab es im letzten Jahr sechs solche Fälle. Der Vorschlag sieht auch eine Geldstrafe von 5000 US-Dollar für jeden Fall vor, in dem eine Plattform die Anmeldung und Veröffentlichung eines Profils von unter 18-Jährigen ohne die Einwilligung der Eltern zulässt.

MySpace-Sicherheitschef Hemanshu Nigam betonte, man nehme den Schutz von Teenagern sehr ernst. Allerdings zieht das Sozialnetzwerk die untere Altersgrenze zur Erstellung von eigenen Profilen erst bei 14 Jahren, doch eine wirkliche Überprüfung der gemachten Angaben findet nicht statt. Glaubt man den Zahlen des US-Justizministeriums, nach denen jedes siebte Kind während seiner Onlineaktivitäten zu sexuellen Handlungen aufgefordert wird, scheint die Initiative Blumenthals ihre Berechtigung zu haben.

Mit Adobe gegen gefälschte Fotos

Gefälschte Bilder stellen besonders im Fotojournalismus nichts anderes als Betrug dar. Um dem vorzubauen, entwickelt Adobe derzeit einige Tools, mit denen digitale Bilder auf Veränderungen überprüft und sogar der Kamera zugeordnet werden können, mit der sie geschossen wurden . Ab 2008 soll im Bildbearbeitungsprogramm Photoshop ein Plugin zur Foto-Authentifizierung enthalten sein.

Nachdem im vergangenen Jahr ein Fotojournalist dabei erwischt worden war, wie er ein Bild aus dem Libanon "dramatisiert" hatte, wurde der Mann gefeuert und die Regeln zum Gebrauch von Bildbearbeitungssoftware strenger gefasst, die Bildaussage darf nicht mehr verfälscht werden.

Zentrale Behörden-Nr. 115 erst in Jahren

In anderen Ländern häufig schon Standard, in Deutschland aber nur für den Polizei- und Arztnotruf möglich: die zentrale Sammelnummer. Parallel zur 110 und 112 soll irgendwann auch die Behördennummer 115 bundesweit eingeführt werden, aber das kann noch Jahre dauern.

Wie der zuständige Projektleiter des Berliner Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme, Uwe Holzmann-Kaiser, dem Deutschen Depeschendienst sagte, gäbe es dafür aber keine technischen Probleme, sondern eine Reihe von verwaltungstechnischen Hürden. Immerhin müsse die Einführung einer einheitlichen Servicenummer mit sämtlichen Kommunen, Bundesländern und dem Bund abgestimmt werden. Erste Pilotprojekte laufen bereits in Städten wie Köln und Hamburg, wo die Bürger schon jetzt bestimmte Verwaltungsangelegenheiten wie An- oder Ummeldung über ein Callcenter erledigen können.

Englands Tories für Open Source

Selbst auf Großbritanniens Konservative können Softwareriesen wie Microsoft nicht mehr hoffen, denn sie sind zu teuer. Der wirtschaftspolitische Sprecher der britischen Opposition, George Osborne, setzte sich im Unterhaus nachdrücklich für Freie Software ein und drängte auf einen "kulturellen Wandel" im Regierungshandeln. Immerhin könne so jährlich eine Summe von umgerechnet knapp 900 Millionen Euro gespart werden, das wären immerhin fünf Prozent der staatlichen IT-Ausgaben .

Osborne kritisierte, obwohl ein Regierungsbericht bereits 2004 auf die großen Einsparpotenziale bei Verwendung von Open-Source-basierten Programmen hingewiesen habe, seien den Worten keine Taten gefolgt. BBC News zitierte den Politiker "Wenn man die lange Reihe der IT-Projekte betrachtet, die gescheitert sind oder jeden Budgetrahmen gesprengt haben, wird klar, dass ein Milliardenbetrag verschwendet und die Reform des Öffentlichen Dienstes blockiert wurde." ( Via ).

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