Netzwelt-Ticker: Lieber am PC ballern - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Lieber am PC ballern

In Mexiko hat man nichts gegen Killerspiele - solange sie am Computer stattfinden. Deshalb können Feuerwaffen dort künftig gegen Windows-PCs umgetauscht werden. Das und mehr im Nachrichtenüberblick.
Von Sönke Jahn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Killerspiele

Andere Länder, andere Sitten. Während man hierzulande befürchtet, dass immer mehr Jugendliche nach dem Genuss von Killerspielen zur Waffe greifen, hofft man in Mexiko-Stadt, dass dieser Mechanismus genau anders herum funktioniert. Die Einwohner sollen ihre Waffen abgeben, um am Computer daddeln zu dürfen. Bürgermeister Marcelo Ebrard heckte letzte Woche diesen Plan aus - angeblich gemeinsam mit Bill Gates. Ebrard hofft so die Gewalt in der Millionenmetropole einzudämmen. Wer seine Waffe bei der Stadtverwaltung abgibt, bekommt dafür einen Computer inklusive Softwarepaket des US-Konzerns Microsoft. Das Angebot gilt allerdings nur für Waffen mit einem Kaliber von mindestens neun Millimeter. Im Austausch für kleinkalibrige Schusswaffen bietet die Stadt umgerechnet 200 Euro "und einen Fresskorb im Wert von 500 Pesos an", meldete AFP . Das sind dann immerhin etwa 35 Euro in Form von Lebensmitteln obendrauf.

Killerpillen

Eine richtige Schauergeschichte erreicht uns aus Kanada. Die Internetsicherheitsfirma Sophos berichtet von einer 57-jährigen Kanadierin, die Medikamente im Internet kaufte. Man hatte sie ihr zuvor per Spam, also in Werbemails, angepriesen. Ein Angebot für Beruhigungspillen konnte Marcia Bergeron daraufhin nicht ablehnen. Das Ende vom Lied: Erst wurde ihr schummrig, dann fielen ihr die Haare aus, am Ende verstarb sie. In den Billigpillen fanden sich später tödliche Dosen radioaktiver Substanzen von Barium bis Strontium. Die Lehre daraus zieht Graham Cluley, Sophos' Senior Technology Consultant : "Fragen Sie Ihren Arzt, bevor Sie irgendwelche Wundermittel im Internet bestellen." Dem kann ich mich hier natürlich nur anschließen: Schlucken Sie nicht alles, was man Ihnen im Internet auftischt.

Feedback 2.0

Der Internet-Auktionsveranstalter Ebay will ab Mai ein neues Bewertungssystem für seine Kundschaft einführen, wie die ORF futurezone  am Wochenende berichtete. Bekanntlich bewerten sich Anbieter und Käufer nach einer Transaktion entweder "positiv", "negativ" oder "neutral". Zusätzlich haben sie noch 80 Zeichen für eine kurze Beschreibung des getätigten Geschäfts. Dieses Feedback-System sei nun über zehn Jahre alt, im Internet-Zeitalter also quasi ein Dinosaurier, zitiert man einen österreichischen Ebay-Sprecher. Demnächst könne man in Zusatzkategorien ein bis fünf zusätzliche Sterne - von sehr schwach bis sehr gut - für Details der Transaktion vergeben. Wichtig seien neue Bewertungskategorien auch deshalb geworden, weil angeblich immer mehr Ebay-Nutzer aus Angst vor Rachebewertungen ein falsches positives Zeugnis über den Handelspartner abgelegt hätten. Ein simpler Weg, Rachebewertungen künftig effektiv zu verhindern, könnte auch das gleichzeitige Veröffentlichen der Bewertungen von Käufer und Verkäufer sein. Ob dies jedoch in die neue Feedback-Version einfließen wird ist ungeklärt. Ebenso wie die Frage, ob und wann schlechte Bewertungen verjährt sein sollen.

WLAN Schutzanstrich

Manche Meldungen kommen einem sofort vertraut vor, auch wenn es bis zum 1. April noch ein paar Tage dauert. Kinder wurden zum Bäcker geschickt, mit der Aufgabe eine Tüte "Haumichblau" zu kaufen. Und jetzt gibt es auch wieder den Schutzanstrich für's Wireless LAN . Mit dieser Farbe lässt sich sich jedes drahtlose Computernetz ganz einfach gegen unbefugte Surfer sichern. Denn inwändig aufgetragen - Fenster und Türen inbegriffen - wird danach jede komplett lackierte Wohnung und jedes Büro unangreifbar für außenstehende Hacker. Und man selbst wird unanrufbar - wenigstens auf dem Handy. Wenn es denn funktioniert.

Neudiplomierter Gates hält Harvard-Laudatio

Bill Gates, der mit zarten 19 Jahren sein Mathe-Studium in Harvard nach zwei Semestern klugerweise abgebrochen hat, um lieber der reichste Mann der Welt zu werden, bekommt dort nun doch noch ein Diplom überreicht - wenn auch bloß ehrenhalber. Ein schöner PR-Coup für die berühmte Hochschule. Denn Gates gehörte seinerzeit zu den ersten Mathestudenten in Harvard. Zum 30. Jubiläum der Eilite-Uni am 7. Juni soll nun ausgerechnet er die Laudatio auf die neuen Harvard-Abgänger  halten. Was er denen wohl sagen wird? Wahrscheinlich wie wichtig es ist, sein Diplom in der Tasche zu haben.

Keine Flanierwissenschaft in Kassel

Nun gibt es also doch keinen Lehrstuhl für Promenadologie an der Uni in Kassel. Obwohl das Schlendern und Promenieren durchaus gelernt sein will. Allein Google zeigt unter dem Begriff Promenadologie rund 13.000 Treffer an und auch in Wikipedia ist bereits ein Eintrag über die Spaziergangswissenschaft vorhanden. Dennoch: Es handelt sich leider um eine Ente, wie die Pressestelle der Uni  nun mitteilte. Der Begriff stamme von dem mittlerweile verstorbenen Schweizer Stadtplaner und Soziologen Lucius Burckhardt. Der empfahl seinen Studenten hinaus zu gehen und sich die planerischen Objekte in Stadt und Land selbst anzusehen. Richtig sei, dass auf der sogenannten Promenadologie ein zweistündiger Lehrauftrag beruhe, den der Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung seither jedes Semester vergibt. Thema zuletzt "Sind Fußgängerzonen noch zeitgemäß?" Es gebe allerdings keine Professur, wie eine Nachrichtenagentur Anfang März behauptet hatte. Dabei wäre gerade dies eine Berufung für mich gewesen.

Alle Vögel sind schon da

Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer, der erste Storch aber irgendwie den Frühling. Am Samstag, um 11.16 Uhr, sei der erste Adebar, aus Afrika kommend, im sogenannten "Internet-Horst"  gelandet, meldet das Lausitzer Storcheninformationszentrum. Dieser Horst ist ein webcam-überwachtes Storchennest, in das man per Webbrowser hineinschauen kann .

Second life revisited

Aus einem Interview des "Second Life"-Chefs Philip Rosedale in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"  vom Freitag: "Rosedale nennt keine Umsatzzahlen, er nennt aber Schätzungen, wonach der Umsatz von Linden Lab im Jahr 2006 bei weniger als 11 Millionen Dollar lag, 'vernünftig'." Viel ist das wirklich nicht. Auf inquirer.de liest sich das dann so: "Second-Life-Gründer gibt schlappe Umsätze zu". 

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