Netzwelt-Ticker: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

...in der Welt weggeschenkter Musik. Heute im Nachrichtenüberblick: Microsoft halbiert PCs, wackelige AOL-Passwörter, Comix für den iPod, russische Plattenläden und Platten zum laden.
Von Sönke Jahn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das ist kein verspäteter Aprilscherz: Um die Zahl der Computerplätze zu verdoppeln, will Microsoft den PC halbieren. Die "Discovery News"  zitieren Projektleiter Udai Singh Pawar aus dem Microsoft-Entwicklungszentrum im indischen Bangalore, der so die PC-Anschaffungskosten etwa in Entwicklungsländern verringern helfen will.

Eine zusätzliche Softwarekomponente soll es dann zum Beispiel in Schulen zwei Schülern ermöglichen, zugleich an einem Windows-Computer arbeiten zu können, ohne sich dabei in die Quere zu kommen. Die Rechenleistung des Prozessors teilen sie sich dazu ebenso wie den Bildschirm. Der Monitor zeigt links und rechts je einen eigenen Windows-Desktop an, auf dem die User unabhängig voneinander arbeiten oder spielen können.

Der Prototyp liefe bereits auf einem 19-Zoll-Monitor. Man müsse nur eine zweite Maus und eine weitere Tastatur anschließen und könne sogar Dateien einfach mit der Maus aus der einen Hälfte in die andere verschieben. Ungewiss bleibt, ob für dieses Teamwork dann eine weitere Windows-Lizenz fällig würde oder ob sich zwei Nutzer zugleich auf derselben Windows-Version - und ob Anwendungssoftware dann doppelt vorhanden sein müsste.

Passwortschutz à la AOL

Mittlerweile hat es sich herum gesprochen: Passwörter sollen lang sein, damit sie nicht einfach zu knacken sind. Sie sollen auch nicht in Wörterbüchern vorkommen, damit man sie nicht durch endloses Ausprobieren erraten kann. Und sie sollen möglichst Sonderzeichen enthalten. Also "Muttispasswort&T$L?4711" oder so ähnlich. Dann sind es nach der landläufigen Auffassung hinreichend sichere Passwörter.

Außer für AOL-User. Denn wie wir nun der "Washington Post"  entnehmen konnten, bringt es beim AOL-Zugang absolut gar nichts, sich nach allen Regeln der Kunst lange, komplizierte Passwörter auszudenken. Weil die Zugangsserver des Onlinedienstes sowieso nur acht Zeichen erkennen können, wird der Rest vom Kennwort einfach ignoriert. AOL USA wollte dazu noch keine Stellung nehmen, will die Angelegenheit erst prüfen - respektive prüfen, wie man auf so etwas antwortet?.

iPod-Comix

Das Playlist-Magazin  ist komplett aus dem Häuschen: Demnächst soll die Grafiknovelle "The Many Worlds of Jonas Moore" veröffentlicht werden, die man sich auf dem Video iPod anschauen kann. Damit würden die Autoren sogar den Comic neu erfinden, jubeln die Kollegen. Einmal wegen des neuen Mediums und weil es schon einige durchaus beeindruckende Beispiele auf der Entwickler-Webseite  zu sehen gibt.

Der Protagonist ist ein Schauspieler, er wurde gefilmt und fotografiert; es gibt Animationen und Videocollagen, die Sprechblasen werden vertont, 3D-Elemente werden eingesetzt und auch alles andere mehr, was der Computer dem Zeichenbrett noch so voraus haben könnte. Dennoch entstand kein Videoclip, denn wie es sich für das Medium Comic gehört findet alles in Bilderstreifen hintereinander liegender Panels statt. Und interaktiv ist auch noch. Die künftigen Leser sollen sich Material herunter laden und eigene Jonas Moore-Comics nach der eigenen Fasson zusammen stellen.

Russischer Plattenladen

Der Infodienst intern.de berichtet über das angebliche Versteckspiel des umstrittenen russischen Online-Musikverkäufers AllofMP3 hinter neuen Webadressen. Der Bezahldienst berechnet kopiergeschützte Musikdateien nicht pro Stück, sondern gleich in Megabytes. Man will nun beobachtet haben, dass der Downloaddienst diverse neue URLs ausprobiert und vermutet, dass dieser damit mögliche Strafverfolger  narren will.

Es könnte aber auch sein, dass man durch solche Umfirmierungen darauf hofft, wieder per Kreditkarte bezahlt werden zu können; denn an AllofMP3 sollen die Kartenunternehmen seit geraumer Zeit die Überweisungen eingestellt haben. Der weltweit eifrig genutzte Musikhändler ist nach Ansicht der US-Regierung eine der berüchtigsten Piraten-Websites und ein Hemmnis für den Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO ( SPIEGEL ONLINE berichtete).

Platten laden

Die Teilnahmebedingungen beim dritten OpenMusic-Contest des Marburger Uni-AStA waren einmal mehr: Die Stücke müssen unter einer Creative Commons License stehen, wodurch deren Verbreitung gezielt erlaubt wird, und die Musiker dürfen nicht Mitglieder der GEMA sein.

Und wie vom ersten und vom zweiten Contest konnte man so auch die diesjährigen Beiträge  online stellen: 37 Musikstücke dürfen wieder völlig frei aus dem Internet auf den Rechner kopiert werden. Entweder einzeln oder komplett als Sampler (inklusive Booklet) unter dem seltsamen Namen "By Perseverance the Snail reached Art" – frei übersetzt etwa: "Beharrlichkeit bringt die Schnecke zur Kunst". Für den Sampler des vierten Wettbewerbs schlagen wir hier deshalb schon einmal den nächsten Titel vor: "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen".

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