Netzwelt-Ticker: Napster vor dem Ausverkauf? - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Napster vor dem Ausverkauf?

Der Abodienst Napster mag ein Modell für die Zukunft sein, in der Gegenwart tut er sich schwer. Jetzt verdichten sich die Gerüchte um einen anstehenden Verkauf. Außerdem im Überblick: Microsoft springt auf fahrenden Video-Zug auf, Google stopft Loch, Piraten scheitern in Schweden und mehr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Napster vor der nächsten Reinkarnation?

Richtig gute Nachrichten hat es über Napster eigentlich nicht gegeben, seit er als legaler Download-Shop mit innovativem Abo-Modell wiedergeboren wurde. Die positivsten Meldungen, die das Unternehmen bisher hinbekam, waren Millionenverluste in langsam sinkender Höhe: Es kostet viel Geld, ein völlig neues Betriebsmodell für Musik auf die Beine zu stellen - zudem eines, dass im Gegensatz zu Geh-hin-und-kauf-dort-ein erklärungsbedürftig ist.

Denn obwohl man bei Napster auch Songs kaufen kann, soll man das eigentlich nicht. Das Geschäftsmodell sieht vor, dass der User gegen einen festen monatlichen Obolus vollen Zugang zu den Musikdatenbanken des Unternehmens bekommt und nach Herzenslust herunterladen kann ("Musik-Flatrate"). Der Haken an der Sache: Die Musik bleibt nur "gültig" und abspielbar, solange man sein Abo bezahlt. Prinzipiell eine feine Sache, wenn man kein Sammler von CD-Hüllen ist und sein Haus weitgehend vernetzt hat - das aber ist in den wenigsten Haushalten der Fall.

So schlug das Abo-Modell bisher nicht nur weniger gut ein als erhofft, der Erfolg ist sogar rückläufig: Im letzten Quartal konnte Napster zwar seine Neuverschuldung gegenüber dem Vorjahr halbieren (9,8 Millionen Dollar frisches Minus, statt 19,9 Millionen im Vorjahreszeitraum) und zugleich seinen noch immer bescheidenen Umsatz (28,1 Millionen Dollar) steigern, verlor aber zugleich auch Abonnenten. Während im vorletzten Quartal noch knapp 600.000 Nutzer treulich zahlten, waren es im letzten noch 512.000. Grund genug für die Betreiber des Unternehmens, über Alternativen nachzudenken: Dabei gelte es, den Shareholder Value des Unternehmens zu verbessern. In Frage kämen zu diesem Zwecke sowohl Kooperationen und Beteiligungen als auch ein Verkauf der Firma, orakelte Napster-Chef Chris Gorog.

Was den Shareholder Value sofort deutlich verbesserte. Napsters Kurs machte an den Börsen einen Freudensprung von elf Prozent: Einen möglichen Ausverkauf des taumelnden Abodienstes halten die Zocker dort offenbar mal für eine richtig gute Nachricht. (pat/rtr)

Google stopft Phishing-Loch

Nachdem es letztes Jahr bereits den Bezahlservice PayPal erwischte, hat nun auch Suchgigant Google ein Sicherheitsloch zugeben müssen , über das Angreifer beliebigen Websitecode unter der Google-Domain platzieren können. Der Blogger Eric Farraro beschrieb in seinem Blog Software.dev , wie die Public Service Search, die eigentlich öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken und Universitäten dazu eine kostenlose Google-Suche gewähren soll, für einen Angriff ausgenutzt werden kann. Eigens dazu entwickelte Farraro ein fiktives "Gmail Plus", das unter der echten Google-URL www.google.com/u/gplus zu erreichen war. Ein Angreifer hätte ohne weiteres Login-Daten zum Beispiel zu Gmail-Konten abfangen können.

Google hat mittlerweile Gegenmaßnahmen getroffen - die Public Service Search ist erstmal für Neuanmeldungen geschlossen, das Problem "temporär" gelöst, an einer permanenten Lösung wird derweil gearbeitet.

Gerettet: Uns alle schützt der Cyber-Zar

Den unglaublichen Bedrohungen aus Cyberia bietet nun endlich ein "Cyber-Czar" der amerikanischen Homeland Security die Stirn. Als Wächter über die amerikanische (und damit unser aller) virtuelle Sicherheit wurde Greg Garcia verpflichtet, der sich offiziell nun "assistant secretary for cybersecurity and telecommunications" schimpfen darf und zudem der amerikanischen National Cyber Security Division vorstehen wird.

Der Job des Cyber-Zaren, der über die Sicherheit der kritischen Infrastrukturen von der Telekommunikation bis zur Absicherung von Stromversorgung und Kraftwerken wachen soll, war im Juli 2005 ausgelobt worden. Den richtigen Bewerber für das Amt auszuwählen, erwies sich dann aber als schwieriger als gedacht: Es gab kaum welche. Der hoch dotierte Beamtenjob bleibt weit hinter den Verdienstmöglichkeiten zurück, die ein entsprechend qualifizierter Fachmann in der freien Wirtschaft hätte.

So musste sich auch die National Cyber Security Division in den letzten Jahren mit einem Leiharbeiter behelfen: Donald "Andy" Purdy Jr. hatte sich die US-Regierung von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh gegen Zahlung ausgeliehen. Ein Deal, der sich auch für Purdys eigentlichen Arbeitgeber gelohnt haben dürfte: Die Uni erhielt von der National Cyber Security Division in den zwei Jahren von Purdys Regentschaft Aufträge mit einem Volumen von rund 19 Millionen Dollar. Public-Privat-Partnership mit reichlichen Geldflüssen: Ein Modell, um qualifiziertes Personal auf Top-Beamtenjobs zu locken? (pat/AP)

Triple-Standard: DVD, Blu-ray und HD-DVD auf einer Scheibe

Die großen Versprechungen und vielen Verzögerungen bei der Entwicklung eines neuen Disk-Standards warfen kein gutes Licht auf die Industrie. Zumal die sich nicht auf einen Standard einigen konnte und stattdessen mit Blu-ray und HD-DVD zwei inkompatible Konkurrenten auf den Markt wirft - die gemeinsam gegen das herkömmliche DVD-Format angehen müssen. Und so wirkt es reichlich absurd, dass Warner am 26. September das erste Filmstudio sein wird, das einen Film ("Lake House") auf drei Disk-Standards gleichzeitig veröffentlichen wird.

Zur gleichen Zeit scheinen aber Warner-Ingenieure drauf und dran zu sein, Blu-ray, HD-DVD und DVD auf einer Disk unterzubringen. Das geht zumindest aus einer Patentanmeldung vor , die Newscientisttech.com ausgegraben hat . Blu-ray- und HD-DVD-Laser arbeiten mit der selben Wellenlänge von 405 Nanometern - aber unterschiedlich tief unter der Disk-Oberfläche. Der Plan ist nun, die Blu-ray-Schicht wie einen Halbspiegel zu benutzen, der gerade genug Licht vom Blu-ray-Laser zurückwirft, um gelesen werden zu können, andererseits genug Laser-Licht durchlässt, um die HD-DVD-Schicht weiter unten abzutasten. Zusätzlich könnte eine dritte, ganz normale DVD-Schicht auf der anderen Seite der Disk untergebracht werden.

Das dürfte in der Produktion alles nicht gerade billig sein, jedoch praktischer als die Drei-Packungs-Lösung, wie sie im Moment der Industrie vorschwebt - und Käufer und Verkäufer verschreckt...

Im zweiten Teil: Microsoft will YouTube Konkurrenz machen +++ Apple und Google machen gemeinsame Sache +++ Piraten scheitern in Schweden +++ Messenger-Wurm baut Bot-Netze. Weiter...

Microsoft startet YouTube-Konkurrenz

Man kennt das: Immer dann, wenn findige Unternehmen sich etwas cooles ausgedacht haben, mit dem man Erfolg, Prestige und/oder Geld verdienen kann, wacht Microsoft irgendwann auf und will es auch. Da es zum Beispiel immer noch nicht genug Videosharing-Seiten wie YouTube gibt, hat nun auch Microsoft beschlossen, mal ein wenig mehr in Richtung Video zu machen - und das Projekt Soapbox aus dem Boden gestampft (alle großen Konkurrenten haben schließlich auch schon solche Dienste). Der Service soll den alten Filmchen-Dienst MSN Video ablösen, der ganz auf vorgefertigte Inhalte und TV-Inhalte setzte und von YouTube und Konsorten förmlich über den Haufen gerannt wurde.

Jetzt will auch Microsoft ein Stück vom Kuchen - der sich aber als hartes Brot herausstellen könnte. Oder wie das Joe Wilcox, Analyst von JupiterResearch gegenüber Reuters formulierte : "Microsoft springt auf den Zug auf; sie wissen nicht genau, wohin es geht. Aber sie denken, mit an Bord sein zu müssen."

Kein Wunder - seit März hat YouTube die monatlichen Website-Besucher beinahe verdreifacht, MySpace hat seine Besucherschaft derweil innerhalb eines Monats auf 17,9 Millionen vervierfacht, während Google Video es im letzten halben Jahr um 70 Prozent auf 13,5 Millionen Besucher schaffte. MSN Video dümpelt nach Unternehmensangaben derweil bei trüben 12 Millionen Usern vor sich hin...

Nochmal Video: Google und Apple reden miteinander

"Newsweek" berichtet, dass sich auch an anderer Front etwas tut in Sachen Video: Apple, die im nächsten Jahr mit ihrer Homeserver-Technik "iTV" Rechner, iTunes und Wohnzimmer endgültig vernetzen wollen, und Google sollen miteinander verhandeln. Dabei geht es offenbar um die Möglichkeit, Google Video als integralen Bestandteil des iTV-Dienstes auf die große Mattscheibe zu bringen.

Toshiba ruft Laptop-Batterien von Sony zurück

Nachdem in den letzten Monaten Computerhersteller Dell und Apple mit sich überhitzenden bis hin zu explodierenden Laptop-Battieren zu kämpfen hatten, ist nun auch Toshiba von mangelhaften Sony-Akkus betroffen. Der Laptop-Hersteller ließ jetzt 340.000 dieser Batterien zurückrufen, da sie plötzlich ihre Ladung verlieren können - ohne dabei aber weiteren Schaden anzurichten, so AP . Allein in den USA seien 100.000 Laptops betroffen, in Japan noch 45.000. Darüber, wie viele Akku-Ausfälle tatsächlich registriert wurden, schweigt man sich bei Toshiba aber aus. Die Probleme beträfen manche Batteriepacks, die von März bis Mai dieses Jahres in Dynabook- und Satellite-Notebooks verbaut worden sind.

In den vergangenen Monaten haben Sony-Akkus immer wieder für Aufsehen gesorgt, nachdem sie übermäßig heiß wurden oder gleich explodierten. Zuletzt hätten einem Bericht vom Sydney Morning Herald zufolge  immer mehr Fluglinien darauf bestanden, den Laptop-Betrieb an Bord nur dann zu gestatten, wenn die Batterien bei Netzteil-Betrieb aus dem Laptop genommen wurden. Auch für Flughäfen stellen die Spreng-Akkus eine Gefahr dar, wie ein von Engadget dokumentierter Fall bezeugt .

Piraten scheitern in Schweden

Schwedens Piratenpartei Piratepartiet  blieb bei den Wahlen am Sonntag weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Um ins schwedische Parlament einzuziehen, ist entweder eine Vier-Prozent-Hürde bei allen Stimmen zu überschreiten oder 12 Prozent der Stimmen in einem Wahlbezirk zu erreichen - die Piratenpartei schaffte es aber mit 4810 Stimmen auf gerade einmal 0,6 Prozent aller gültigen Wahlzettel. In vier Bezirken konnten sie immerhin mehr als ein Prozent der Wähler für sich überzeugen - weit weniger, als die "mindestens fünf Prozent aller Stimmen", die sich die Partei einige Tage vor der Wahl noch in einer Pressemitteilung  ausgemalt hatte.

Nun schiebt die Partei, die vor allem für mehr Bürgerrechte, die "Befreiung der Kultur" und der Eindämmung von Patenten und Monopolen einsteht, die Schuld auf unfaire Wahlbedingungen: Wahlhelfer, die Wähler falsch informieren und abgelegene Wahlkabinen für Außenseiterparteien. Ars Technica geht davon aus , dass nun eine formale Beschwerde und eine offizielle Untersuchung der Wahl folgen werden...

AIM-Wurm: Roundhouse-Kick und Double-Punch

Ein neuartiger Messenger-Wurm greift auf einen Trick zurück, der aus einem Prügelspiel wie Tekken oder Soul Calibur stammen könnte. Mehrere, zunächst voneinander unabhängige Programm-Module können in immer neuen Varianten zusammengeschaltet werden und dadurch unterschiedliche Aufgaben übernehmen - und so gegenüber Antivir-Programmen unverwundbar werden.

Wie Securityfocus.com erklärt , könnte mit dem "AIM Pipeline Wurm" ein robustes Bot-Netz aufgebaut werden, das durch seine Flexibilität verschiedene Aufgaben übernehmen könnte. Typischerweise starten Bot-Netze Spam- und Denial-of-Service-Attacken, indem sie befallene Rechner in hörige Zombies verwandeln, ohne dass der User davon etwas mitbekommt. Erst Ende August wurde ein Bot-Netz-Entwickler zu 37 Monaten Haft verurteilt, nachdem seine Zombiearmee über eine Million Rechner ausmachte, darunter sensibles Gerät zum Beispiel in einem Krankenhaus.

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