Netzwelt-Ticker: Neuer Firefox durchgesickert - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Neuer Firefox durchgesickert

Eigentlich sollte die Firefox-Version 2 erst morgen verfügbar sein - zum Zorn der Entwickler gibt es sie aber schon heute. Außerdem im Überblick: Bloggen in China jetzt nur noch mit Ausweis, IBM verklagt Amazon, Bloggen im Sudan kann zum Rauswurf führen, auch für Uno-Offizielle - und noch mehr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Firefox 2 frühzeitig veröffentlicht

Der offizielle Release des neuen Firefox 2 war eigentlich erst für den Mittwoch festgelegt. Aber seit gestern schwirren Links zur finalen Version des Mozilla-Browsers durch Foren und News. Sehr zum Grimm der Entwickler, wie sich jetzt herausgestellt hat. In einem längeren Brief an Webseiten-Betreiber, den ein Firefox-Entwickler in seinem Mozilla-Weblog veröffentlichte , wird die Lage nun erklärt: Dass frühzeitig Programmversionen im Netz auftauchen und das von den Entwicklern auch gewollt ist, bedeutet nicht, dass Websites, gerade so gut besuchte wie Digg.com, Direktlinks zu .exe-Dateien setzen sollen.

Erstens kostet das den Hosts der Datei enorm viel Bandbreite, zweitens können User nicht davon ausgehen, auch wirklich eine neue, gute Version herunterzuladen und drittens stört das auch den normalen Betrieb, sobald Firefox 2 auch offiziell veröffentlicht wird.

Vor allem aber könnten Inkompatibilitäten, Kundendienst-Stille und schlicht fehlende Onlinefeatures unerfahrenere User enttäuschen. Und die IT-Abteilung könnte sauer werden. Und niemand will eine saure IT-Abteilung …

China: Ausweispflicht für Blogger

Die Internetgesellschaft von China hat einem Bericht von Reuters zufolge  der chinesischen Regierung vorgeschlagen, dass Blogger zukünftig ihren echten Namen angeben müssen, wenn sie ein Blog eröffnen wollen. Die Internetgesellschaft, die mit dem Ministerium für Informationsindustrie verbandelt ist, denkt, ein "Realnamen-System" sei unausweichlich, wenn China die Blogindustrie "standardisieren und weiterentwickeln will".

In China werden bereits weite Teile der Internets von Vorschriften, Zensursoftware und Aufpassern kontrolliert. Erst kürzlich wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Verbreitung von Gerüchten über das Internet unter Strafe stellt. Blogger, die anonym "unwahre Informationen" über das Internet verbreiten, hätten einen schlechten Einfluss auf die Gesellschaft, so der Originalbericht der Nachrichtenagentur Xinhua.

Das neue Gesetz würde Blogger dazu zwingen, bei der Registrierung eines Blogs ihren echten Namen anzugeben. Schreiben dürften sie jedoch weiter unter Pseudonym – ein schwacher Trost …

"Berührungslose" Kreditkarte geknackt

Chips, die berührungslos, also aus der Entfernung abgetastet werden können, gelten als Wundermittel für ein breites Anwendungsfeld – von Logistik über Identitätsnachweis bis hin zum schlichten Einkauf. Als nächstes wollen Kreditkartenfirmen berührungslos lesbare, also mit einem RFID-Chip ausgerüstete Kreditkarten im großen Rahmen verteilen. Eine 128-Bit-Verschlüsselung schütze dabei die Daten vor unerwünschten Ausleseversuchen. Doch Forscher der Universität von Massachusetts gießen nun Öl ins Feuer der RFID-Kritiker. Denn sie haben bei einem Test herausgefunden, dass von den zwanzig untersuchten neuartigen Kreditkarten der Kundenname und andere Informationen ungeschützt in "Plain Text" übertragen wurden. Das käme einer Veröffentlichung der eigenen Kreditkartendaten auf dem eigenen T-Shirt gleich. Zudem, so der Artikel der New York Times weiter , könnte praktisch jedermann, der ein 50 bis 150 Dollar teures Gerät im Hobbykeller zusammenlöten kann, leicht an die Daten kommen. Allerdings, so die Kreditkartenfirmen, schützen auch andere Mechanismen den Kunden – zwar nicht vor Datendiebstahl, jedoch vor der ungewollten Nutzung der Informationen. Doch, so haben die Forscher herausgefunden: Nicht alle RFID-Kreditkarten nutzen diese Möglichkeiten …

IBM verklagt Amazon wegen eCommerce-Patent

Das sind die Wunder der weiten Patentwelt: IBM hat Amazon in zwei Fällen wegen Patentverletzung verklagt – weil Amazon im Internet macht, was Firmen im Internet eben machen: Dinge online verkaufen.

Doch IBM ist Inhaber der Patente auf das "Anbieten von Anwendungen in einem interaktiven Dienst" (zum Beispiel der "Zum Einkaufswagen hinzufügen"-Button bei Amazon), "Speichern von Daten in einem interaktiven Netzwerk" (zum Beispiel das Speichern von Session-Daten eines Users), "Anzeigen von Werbung in interaktiven Diensten", "Anpassen von Hypertext-Links mit gewichteten User Goals und Aktivitäten" (zum Beispiel die Vorschläge, die auf Basis der bereits erworbenen Produkte automatisch ausgewählt werden) und "Waren mittels eines elektronischen Katalogs bestellen".

Seit vier Jahren, so die Pressemitteilung von IBM , streite man nun schon mit Amazon um eine Lösung des Streits durch Lizenzgebühren; ohne Ergebnis. Für Kritiker des Patentsystems sind Fälle wie dieser Paradebeispiele wie überkommen das System ist. Aber Peer-Reviews und andere Schutzmechanismen sollen zukünftig zumindest in Amerika kleine Firmen und Verbraucher vor unsinnigen und entwicklungshemmenden – aber gewinnversprechenden – Patentsammlungen schützen.

Blog: Sudan wirft Sonderbeauftragten raus

Jan Pronk ist ein niederländischer Politiker und Blogger  – aber neben all dem war er der Sonderbeauftragte des Uno-Generalsekretärs Kofi Annan für den Sudan. Doch seine Backstage-Blogeinträge über sein Amt als Kopf des Uno-Einsatzes haben ihm nun den Job gekostet. Nachdem er über die sinkende Moral der sudanesischen Armee berichtete, setzte ihn die lokale Regierung förmlich vor die Tür. Noch vor der Abreisefrist diesen Mittwoch, hat ihn Kofi Annan aber bereits zu "Konsultationen" in sein Büro gerufen.

Wie die BBC erfahren hat , wurde Pronk bereits mehrmals von Kollegen darauf hingewiesen, dass er es doch bitte unterlassen solle, über seinen Job und Darfur zu bloggen.

Träume und Albträume

Der Hammer, das Rad, die produktivitätssteigernde Desktopblume; wenn es um die nächste Killeranwendung geht, geht Kreativität erst einmal über alles. Viele Möchtegern-Erfinder sind dem Aufruf auf mydreamapp.com  gefolgt und haben ihre guten Ideen für eine Superanwendung eingeschickt. Eine hochrangig besetzte Jury (darunter Steve "Apple" Wozniak) hat die Einsendungen nun auf 24 Finalisten eingedampft, morgen wird der Gewinner präsentiert. 24 Finalisten sind 24 wirklich tolle Software-Ideen, die in der Entwicklerszene hoffentlich etwas anstoßen. Denn leider wird nur der Vorschlag des Gewinners mit Hilfe professioneller Unterstützung als Shareware umgesetzt und veröffentlicht.

Vielleicht ebenso kreativ sind da die Großprojekte, in die Staaten verschwenderisch viel Geld investieren - und die sich später als völliger Blödsinn herausstellen. Neatorama  hat einige weniger bekannte vorgestellt: Zum Beispiel die Anti-Goth-Initiative in Missouri (141.000 Dollar), den Weißes-Meer-Ostsee-Kanal (101 Millionen Rubel und unzählige Leben) oder die italienische Bimboschule (1 Millionen Euro nur für schöne Menschen).

Ebenso albtraumhaft sind da die selbstmörderischen Amateur-Installationen, die in der Website der amerikanischen HäuslebauerShow "This Old House" in zwei Galerien ( 1 & 2 ) vorgestellt werden.

Wer jetzt auf den Geschmack nach ein wenig, nun, kreativer Freizügigkeit gekommen ist, kann das mit seinem Spieltrieb kombinieren und das nette Onlinespiel Drawplay  in den nächsten Mittagspausen bis zur Erschöpfung spielen, in dem man der Spielfigur den Weg zum Levelausgang eigenhändig – malt!

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