Netzwelt-Ticker: Schweden liegt im Second Life - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Schweden liegt im Second Life

... zumindest bald: Bisher gibt es dort zwar erst eine Botschaft, aber mittelfristig dürfte eine ganze Insel folgen - als Werbeplattform für das echte Schweden. Außerdem: Viren im TomTom, erneut Debatte um Handy-Strahlung, Haftstrafe für Produktpirat und mehr.
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Navigation: Virus im TomTom

Gleich zwei Viren haben sich auf der Festplatte einiger "GO 910"-Navigationsgeräte der Firma TomTom breitgemacht. Die zwischen September und November 2006 hergestellten Modelle wurden mitsamt dem hartnäckigen win32.Perlovga.A-Trojaner und dem Virendropper TR/Drop.Small.qp ausgeliefert. Erste Berichte eines Virenbefalls des "GO 910" machten bereits Ende letzten Jahres die Runde, doch gab TomTom erst jetzt in einer Pressemeldung  die Verseuchung "einiger weniger Geräte" zu.

Auffällig wird der Befall durch seltsame Fehlermeldungen um die Dateien copy.exe oder host.exe beim Anschluss des GO 910 an einen Rechner. Wer bisher keinen Virenscanner einsetzt, sollte spätestens jetzt eine Antivir-Software installieren.

Drei Jahre Knast für türkischen Pirat

Microsoft demonstriert im Umgang mit Händlern von falschen Softwarelizenzen wenig Toleranz. Das Landgericht Bochum hat am 18. Januar einen 42-jährigen türkischen Softwarehändler wegen schweren Betruges zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 11 Monaten verurteilt, heißt es in einer Pressemeldung des Unternehmens . Der Mann saß seit letztem Jahr in Untersuchungshaft, nach acht Verhandlungstagen gab er vor Gericht zu, dass er mindestens 18.555 falsche Lizenzen an gewerbliche Händler weiterverkauft hat.

Passend zum Erfolg vor Gericht kündigte Microsoft laut PCAdvisor.co.uk auch an , zunächst in England eine härtere Gangart gegenüber mittelgroßen Unternehmen einzuschlagen, die unlizenzierte Kopien von Microsoftprodukten einsetzen.

Bisher nahm Microsoft nur telefonisch oder per E-Mail Kontakt mit auffällig gewordenen Unternehmen auf und schlug eine Besichtigung der Rechner vor Ort vor. Diese Strategie ging wohl auch in 97 Prozent der Fälle auf. Der Rest soll nun zukünftig mittels dreier zunehmend schärfer formulierter Briefe, die eine Strafverfolgung durch die British Software Alliance androhen, überzeugt werden.

Schweden wollen Botschaft in Second Life eröffnen

Schweden wird als erstes Land eine diplomatische Vertretung in der Online-Welt Second Life eröffnen. "Wir wollen die schwedische Botschaft vor allem als Informations-Portal über Schweden aufziehen," so Olle Wästberg vom Schwedischen Institut (SI) gegenüber AFP. Statt Visa wird es dort jedoch nur Anleitungen zum Visum-Erwerb geben.

Wästberg will schon bald die Botschaft eröffnen – und später eine ganze Insel für Schweden kaufen. Ganz billig ist dieser Plan jedoch nicht. Kommerzielle Anbieter zahlen 1.675 US-Dollar für 65.536 Quadratmeter plus 295 Dollar monatliche Unterhaltskosten, Non-profit-Organisationen oder Bildungsinstitutionen zahlen immer noch 980 Dollar plus 150 Dollar im Monat. Hinzu kommen Entwicklungskosten für die Architektur und das sonstige Angebot der virtuellen Schweden-Botschaft.

Treffen der Musikindustrie

In der Musik-Industrie geht das F-Wort um, erregt Schrecken und Furcht und kalte Versteinerung. F, so spottet AP  steht für free, für kostenlos. Und das sei bei Midem, der größten Branchenmesse der Musikindustrie in Cannes das große Thema gewesen sein: Herkömmlicher Musikvertrieb kann gegen kostenlose Musikdownloads nicht konkurrieren. Wir sind alle verdammt und nur digitales Rechtemanagement – DRM – kann uns retten. Selbst, wenn DRM für "manche Leute wie Polonium ist", wie der Kopf der IFPI, der Internationalen Vereinigung der Plattenindustrie, eingesteht. Aber der Markt lasse ihnen ja keine Chance.

Da dürfte David Pakman nur lachen. Er ist Chef von eMusic – des nach iTunes zweitgrößten Onlineshops für Musik. Dort verkauft man Musik ohne lästigen Kopierschutz ganz einfach im üblichen MP3-Format. Erfolgreich, wie man sieht – aber scheinbar kein Vorbild für den Rest der Branche. Laut Ken Fischer von Ars Technica auch kein Wunder. Bei DRM, so seine Theorie, geht es gar nicht um die Musik. Es geht um die künstliche Verknappung von ansonsten quasi unendlichen Ressourcen. Oder wie er es ausdrückt: Der einzige Zweck von DRM ist, Gewinne zu maximieren, indem man deine Rechte minimiert, damit man sie dir wieder zurückverkaufen kann .

Handys: Jetzt doch Tumor am Ohr?

Eine neue Studie könnte Hinweise enthalten, dass langjährige Handy-Benutzung doch krebserregend sein könnte – wohl gemerkt: könnte!

Denn beweiskräftig ist das Ergebnis der Studie keineswegs, gibt sogar ein Verantwortlicher der Studie zu: Obwohl insgesamt fast 5000 Menschen untersucht wurden, konnten die Forscher die Verbindung zwischen Handy-Nutzung und einer speziellen Art von Hirntumoren nur bei einer viel kleineren, eingeengten Stichprobe feststellen.

Nur die, die schon über zehn Jahre ein Mobiltelefon regelmäßig benutzen, hatten eine 40 (?!?) Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, einen speziellen Tumor auszubilden. Unkontrollierte Drittvariablen können sich bei diesem Vorgehen en masse einschleichen. Wer vor zehn Jahren ein Handy hatte, repräsentiert eh nicht irgendeinen Durchschnittsmenschen. Zumal die Harmlosigkeit von Mobiltelefonen – zumindest in dem recht kurzen Zeitraum zwischen der ersten Einführung und heute – durch viele andere Untersuchungen gestützt wird. Aber, so die Forscher: Wenn diese Studie auch nicht beweiskräftig sei, so kann sie trotzdem als Aufforderung für besser durchgeführte Studien in die Richtung "Langjährige Benutzung von Mobiltelefonen und der Zusammenhang mit bestimmten Hirntumoren" angesehen werden.

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