Netzwelt-Ticker: Schwund im Blu-ray-Lager - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Schwund im Blu-ray-Lager

Paramount und Dreamworks bringen ihre Blockbuster nur noch als HD-DVD heraus, Facebook schadet der Wirtschaft, Unbekannter erschießt Internetleitung, infizierte Spiele in P2P-Börsen, endlich Brennsoftware auf Plattdeutsch: Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

HD-DVD gegen Blu-ray: Schlechte Nachrichten für Sony

Die Fronten im Kampf um ein DVD-Nachfolgeformat verhärten sich: Immer mehr Firmen aus Handel und Filmbranche entscheiden sich entweder für Blu-ray  oder HD-DVD , statt beide Standards zu unterstützen. Nun gaben die Filmstudios Paramount und Dreamworks bekannt, keine Filme mehr im Blu-ray-Format herausgeben zu wollen. Das, berichtet die Nachrichtenagentur AP, mache die Wahl des einen oder anderen Standards für die Kundschaft noch komplizierter.

Für die Filmfirmen sieht das anders aus: Beide Standards zu bedienen, ist in Anbetracht der noch immer winzigen Größe des Marktes teuer. Paramount und Dreamworks wollen mit der Entscheidung ein Zeichen setzen, wo sie den Favoriten im sogenannten Formatkrieg sehen. Doch ob die Entscheidung die richtige ist?

Denn einerseits sei es zwar so, argumentieren die beiden Studios, dass in den Vereinigten Staaten mehr Blu-ray-Player in Umlauf seien als HD-DVD-Player. Dabei würden jedoch Sonys PS3-Konsolen mitgezählt - und die würden von deren Besitzern nur selten als Blu-ray-Abspielstation genutzt. Jetzt setzen die beiden Studios darauf, dass die Kundschaft im Weihnachtsgeschäft mit der Brieftasche abstimmen werde - und da hat das HD-DVD-Lager nach den letzten Preissenkungen die Nase vorn.

Zwar hat Sony den Preis für seine günstigsten Player in den USA um die Hälfte auf nun noch rund 500 Dollar gesenkt, aber Toshiba bietet seine Einstiegs-HD-DVD-Player bereits ab 299 Dollar an. Zumindest die Hardware von HD-DVD ist also billiger - dafür ist nach wie vor das Angebot an Filmen kleiner, von denen auch deutlich weniger verkauft werden als Blu-ray-Filme.

Von allen großen Filmstudios bietet nur noch Time Warner seine Produkte in beiden Formaten an. Die US-Filmwirtschaft ist regelrecht zwiegespalten, noch immer allerdings mit leichten Vorteilen im Blu-ray-Lager. Auf der einen Seite stehen Sony, Twentieth Century Fox, Walt Disney und Metro Goldwyn-Mayer zur Blu-ray-Disc. Auf der anderen Seite unterstützen nun Dreamworks, Paramount und Universal die HD-DVD, wissen aber auch weite Teile der IT- und Brennbranche hinter sich: HD-DVDs lassen sich im Gegensatz zu Blu-rays in herkömmlichen DVD-Werken produzieren.

Wie der Kunde zu all dem steht, ist bekannt: Dass Sie zum Beispiel wahrscheinlich niemanden kennen, der einen Blu-ray- oder HD-DVD-Player sein eigen nennt, ist ja kein Zufall.

Verletzliche Infrastruktur: Nicht kugelsicher

Das Internet, heißt es, repariere sich selbst: Gar im Falle eines Krieges suche es sich noch intakte Routen, um die Daten zum Ziel zu bringen. Mag sein. Das heißt aber nicht, dass es dabei nicht ordentlich verlangsamt würde. Web-Nutzer wissen das: Zu den nicht so seltenen Ursachen von Performance-Einbrüchen gehören Bagger, die Leitungen kappen, Erdbeben, die Datenstränge reißen lassen, und Metallsammler, die - wie in Asien schon geschehen - die kostbaren Kabel klauen.

In Ohio kam es in der Nacht zu Montag in und um Cleveland zu empfindlichen Geschwindigkeitseinbrüchen im Internetverkehr. Ein Unbekannter hatte in ein Glasfaserkabel geschossen und dieses dabei weitgehend zerstört.

Und das offenbar nicht versehentlich im Rahmen einer lustigen Freizeit-Ballerei, sondern absichtlich und gründlich: Die Leitung wurde auf einer Länge von knapp über einem Kilometer regelrecht perforiert. Erwischt wurde der Kabel-Killer nicht, sein Motiv liegt ebenfalls im Dunklen: Opfer des Daten-GAU gibt es dermaßen viele, dass man hier die freie Auswahl hat, wen der Anschlag eigentlich treffen sollte.

Geschäftsschädling Facebook

Aber vielleicht war ja das Internet selbst das Ziel? So mancher Arbeitgeber hätte genügend Grund, sauer auf das Mega-Medium zu sein: Weit davon entfernt, wirklich eine Bibliothek des Weltwissens zu sein, eingesetzt zum Wohle aller, ist das Web in unzähligen Büros nicht zuletzt ein Werkzeug zur Arbeitsvermeidung.

In Australien versuchte sich das Unternehmen SurfControl (nomen est omen!) mal an einer kleinen Inventur der volks-, respektive betriebswirtschaftlichen Schäden. Zum Exempel nahm SurfControl die Social-Networking-Seite FaceBook, derzeit eine der weltweit populärsten Zeit-Vertrödelseiten mit Suchtpotential.

Hier die Milchmädchenrechnung von SurfControl: Wenn der durchschnittliche Arbeitnehmer mit Internetanschluss auch nur eine Stunde am Tag bei Facebook verbringe, statt zu arbeiten, entstünde allein der Wirtschaft im gewissermaßen kleinen Australien ein Schaden von umgerechnet rund drei Milliarden Euro im Jahr.

Dass das naiv ist, braucht nicht weiter vertieft zu werden: Welcher moderne Arbeitnehmer beschränkt sich schon auf eine Stunde tägliche Arbeitsvermeidung (siehe Vote)?

Virenverseuchte Spiele-Patches, Software auf Plattdeutsch, 4190 Dollar handy-Rechnung dank iPhone

Fiese Tricks: Verseuchte Spiele

Wenn Gamer in Tauschbörsen Cheats und Patches für Computerspiele herunterladen, fangen sie sich in einem Drittel aller Fälle ein Sicherheitsproblem ein. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des Bochumer Unternehmens G Data.

Für die Untersuchung wurden 969 Spielecheats und Patches heruntergeladen, die in gängigen Tauschbörsen und Download-Foren gefunden wurden. Von diesen waren 325 mit irgendeiner Schadenssoftware infiziert. Dabei handelte es sich in 68,3 Prozent der Fälle um Adware, 22,6 Prozent der Dateien enthielten einen Trojaner. Backdoor-Schädlinge für die Fernsteuerung des Computers wurden in 4,9 Prozent der Fälle gefunden, auf Spyware, Würmer und sonstige Schädlinge entfiel der Rest von 4,2 Prozent.

Die Gamer seien deshalb besonders gefährdet, weil sie im Interesse einer möglichst hohen Spielleistung oft den Virenschutz und die Firewall ausschalteten: "Wenn ein ungeschützter Rechner im Internet steht, wird er innerhalb weniger Sekunden übernommen." Ach ja, G Data bietet justamente eine aktuelle Virenschutz-Suite an, die auf die Sicherheitsbedürfnisse von Gamern zugeschnitten ist. So ein Glück aber auch.

Endlich: Platte Brennsoftware

Auch Deutschland besitzt noch sprachliche Minderheiten, und an die wird viel zu selten gedacht. So hatten Plattdeutsch-Sprecher, die des Hochdeutschen nicht mächtig sind (zugegebenermaßen eine überschaubare Zielgruppe) bisher Probleme, ihre selbst gesungenen Seemannslieder auf CD zu brennen (Raubkopien sind ja eh verboten).

Jetzt springt das Softwareunternehmen Ashampoo in die Bresche und ändert das: Die Brennsoftware "Burning Studio 7" gibt es endlich auch als "Brann-Stuuv 7". 

"Wat wullt Du doon?", wird der auf CDs brennende Nutzer nun gefragt, "Dateien un Örners brannen?"

Wer nach Kauf der 40-Euro-Software entdeckt, dass die Plattdeutschkenntnisse dafür doch nicht ausreichen, kann einfach auf Hochdeutsch umschalten. Ein Schelm, wer da denkt, dass Ashampoo genau darauf hoffe: Trommeln gehört zum Geschäft, irgendwie muss man auf sich aufmerksam machen - und sicher war die Übersetzungshilfe des Plattdütskbüro Aurich  kostengünstiger als eine Werbekampagne.

Webtipp: Die iPhone-Rechnung

Humor ist, wenn man's öffentlich macht: Den Schock, den er nach Erhalt seiner iPhone-Telefonrechnung erhielt, verdaute Apple-Fan Pierre, indem er die schmerzliche Erfahrung in Form einer kleinen Apple-Werbevideo-Parodie verarbeitete. In dem Filmchen zeigt er, was sein iPhönchen alles kann - und was das alles kostet, wenn man es nicht in den heimischen USA tut, sondern unter Roaming-Konditionen auf einer Europareise.

Ganz unschuldig sei Pierre zwar nicht an seiner Misere, unkt das Verbraucher-Blog "The Consumerist", denn grundsätzlich könne und solle man sich schon vorab über Roamingkosten erkundigen. Im Falle iPhone und AT&T sei es allerdings auch grundsätzlich zu bemängeln, dass deren Konditionen außerordentlich schlecht seien. Was Pierre da auf seinem iPhone getan habe, sei schon für eine Pauschale von 70 Dollar zu haben. Pierre erhielt übrigens eine Rechnung von 4190 Dollar. Das Unternehmen bewies jedoch Kulanz und reduzierte die Rechnung auf 900 Dollar. Anschauen: Das ist lustig und lehrreich. 

mit AP/AFP/rts

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