Netzwelt-Ticker Verleger gegen Google News
Google-Sperre
Dass Google sich die Artikel von Zeitungen und anderen Newsangeboten greift und zu einer eigenen Nachrichtenseite montiert, finden längst nicht alle Verleger und Nachrichtenproduzenten prickelnd. In der Vergangenheit war es schon zu Scharmützeln zwischen Google und Nachrichtenagenturen gekommen (mit AP steht Google noch immer vor Gericht), in der letzten Woche verbot ein belgisches Gericht dem Suchmaschinenriesen, die Artikel diverser belgischer Zeitungen und Magazine in seinen Index aufzunehmen.
Während lange Zeit gerade kleinere Verlage Google als Möglichkeit sahen, auch einmal überregionale Aufmerksamkeit zu ernten, scheint es nun einen einsetzenden Trend zu geben, seine Produkte nicht mehr an die Suchmaschine verschenken zu wollen. Der Widerstand einer wachsenden Anzahl von Verlegern organisiert sich unter dem Dach des Weltverbandes der Zeitungen (World Association of Newspapers, kurz WAN), des Verlegerverbandes European Publishers Council, des Zeitungsverlegerverbandes European Newspaper Publishers Association und des internationalen Verlegerverbandes International Publishers Association.
Die vier Partner planen, mit technischen Maßnahmen das Abschöpfen frischer Infos durch die Crawler von Google zu verhindern. Zumindest aber sollen die Verlage die Bedingungen selbst bestimmen können, unter denen manche Inhalte weiter gegeben, andere blockiert werden. Das "Automated Content Access Protocol" (kurz "Acap") genannte Programm soll auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden.
Vista: RC1 die Zweite auch tonlos
Microsoft bemüht sich einmal mehr, möglichst viele Fehler aus Windows Vista zu entfernen, bevor die Massenproduktion anläuft. Zudem unterstreicht das Unternehmen, dass ein Release Candidate eben nur eine erste Vorabversion ist. Und die kann man ja noch ändern. Entsprechend ging in den vergangenen Tagen eine Einladung an registrierte Entwickler sowie eine vergleichsweise kleine Schar von 100.000 Beta-Testern raus, sich doch bitte eine neue Vista-Version auf den Rechner zu laden.
Die, so weiß es "bink.nu" , enthielt nicht nur die üblichen Leistungsverbesserungen und Fehlerbereinigungen. Wichtigstes Feature scheint vielmehr die Möglichkeit zu sein, den Start-Ton, mit dem Vista seinen Anwender begrüßt, abschalten zu können. Diese Option sollte es ursprünglich nicht geben, was einen Sturm der Entrüstung entfachte. Schließlich sei es gerade unterwegs oder in großen Büros absolut nervig, ständig mit Vistas Startmelodie berieselt zu werden. Dem Druck der Massen nachgebend hat das Vista-Team das Ton-Kontrollfeld nun wieder um einen Abschaltknopf erweitert, so dass Neustarts auch künftig tonlos erfolgen können.
Kampagne gegen Vorratsdatenspeicherung
In letzter Minute möchte der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, ein bundesweiter Zusammenschluss von Bürgerrechtlern, Datenschützern und Internetnutzern, noch das von der Regierungskoalition geplante Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verhindern. Der Gesetzesentwurf wird derzeit vorbereitet und dürfte den Volksvertretern bald vorgelegt werden.
Damit die dann schon mal wissen, wie die Bürger dazu stehen, versucht der Arbeitskreis, diese zum Briefe schreiben zu animieren. Was man da so argumentativ alles reinschreiben könnte, dafür bietet eine zu diesem Zweck eingerichtete Webseite Einblick in zahlreiche Briefe an Bundestagsabgeordnete. "Seinen" Abgeordneten erreicht der Bürger mit seiner E-Mail garantiert, denn die Briefmaske verteilt die Mail an alle 448 Abgeordneten des Deutschen Bundestages.
Deutschland folgt mit der anstehenden Regelung zur Vorratsdatenspeicherung einer EU-Richtlinie, die in nationales Gesetz überführt werden muss. Gegner der Richtlinie befürchten massive Eingriffe in die Privatsphäre der EU-Bürger, und das nicht nur durch die Behörden des eigenen Landes: Einem Bundestagsbeschluss vom Februar 2006 zufolge soll ab Mitte 2007 zur verbesserten Strafverfolgung über einen Zeitraum von sechs Monaten nachvollziehbar werden, wer mit wem per Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden hat. Bei Handy-Telefonaten und SMS soll auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten werden. Neben Polizei und Staatsanwaltschaften hätten auch die Geheimdienste Zugriff auf die Daten. Schon jetzt scheint auch klar, dass beispielsweise den Behörden und Geheimdiensten der USA Zugang zu den Informationen gewährt wird.
Selbstzerstörende Nachrichten
So wie in Agentenfilmen Tonbänder nach dem Anhören in Flammen aufgehen, Briefe von Säure zerfressen oder gar geheime Kommunikationskoffer explodieren, soll es auch bald elektronischen Nachrichten ergehen. Zumindest hofft das US-amerikanische Startup-Unternehmen VaporStream darauf. Nur Rauch und Explosionen soll es keine geben. Stattdessen will die Firma vertrauliche Chat-Mitteilungen über gesicherte Verbindungen und die eigenen Server umleiten und so nicht nur vor ungebetenen Mithörern, sondern in gewisser Weise auch von den Teilnehmern des Chats verbergen. Sobald nämlich eine Nachricht gelesen wurde, wird sie nicht nur aus dem Speicher des VaporStream-Servers, sondern auch aus dem PC des Lesers gelöscht. Da muss man sich selber merken, was der Chat-Partner gerade geschrieben hat, denn ein Protokoll gibt es nicht. Selbst die Adressen der Chat-Partner sollen im Verborgenen bleiben. Mit einer Jahresgebühr in Höhe von 40 US-Dollar will sich das Unternehmen diesen Dienst entlohnen lassen, berichtet Associated Press .
Am Erfolg dieses Systems gibt es allerdings noch erheblich Zweifel. So gibt Matt Brown von Forrester Research zu bedenken, dass zu ihm noch kein Kunde mit dem Wunsch nach einem Nachrichtensystem, das sämtliche Spuren seiner Kommunikation löscht, gekommen sei. Im Finanzbereich sei so etwas aufgrund gesetzlicher Regelungen ohnehin undenkbar, während andere Firmen darauf Wert legen, die Kommunikation ihrer Mitarbeiter nachvollziehen zu können. Laut Nancy Flynn vom ePolicy Institute bliebe höchstens noch ein erzieherischer Faktor als Argument. Schließlich könnten Firmen das System nutzen, um ihre Angestellten zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit E-Mail zu erziehen. Ob das allerdings ausreichen wird, um das VaporStream-Konzept zu tragen, dürfte fraglich sein.
Keiner will das Doppelpack
Für Highend-Gamer können Grafikkarten bekanntlich nie schnell genug und schon gar nicht zu schnell sein. Kaum ist das neueste Modell vorgestellt, japsen die Frame-Freaks schon nach dem nächsten Update. Die Grafikkarten-Hersteller antworteten auf diesen Performance-Wahn mit der Einführung von Grafikkarten-Doppelpacks. Statt einer sollten nun zwei Grafikkarten die Pixel-Ausgabe beschleunigen und gemeinsam neue Höhenflüge ermöglichen. Die Industrie erhoffte sich von diesem Prinzip fette Umsatzsteigerungen. Mit wenig Erfolg, wie das Marktforschungsunternehmen Jon Peddie Research jetzt bekannt gab . Während die Grafikkarten-Branche im vergangenen Quartal sagenhafte 5,883 Milliarden US-Dollar umsetzen konnte, entfielen davon nur lächerliche 0,48 Prozent auf Kartendoppel. Da bleibt den Hersteller wohl nichts übrig, als die Leistung weiterhin mit konventionellen Mitteln voran zu treiben.
Respekt
Glaubt man Zahlen des Marktforschungsunternehmens The NPD Group, sind bereits 20 Prozent der Hardcore-PC-Gamer weiblichen Geschlechts . Von einer Randgruppe kann man hier also nicht mehr reden. Das finden auch die spielgewaltigen Damen selbst und drängen zunehmend in den Profi-Bereich. Dass sie dabei anders vorgehen als ihre männlichen Gegner versteht sich von selbst. So hat die 30-jährige Amber Dalton, Chefin des 600 Frauen starken PMS Clan, für sich und ihre Mitstreiterinnen ein striktes Mecker-Verbot eingeführt: wer über ein Mitglied des eigenen Clans lästert, wird abgestraft. Das Resultat: auch unerfahrene Spielerinnen trauen sich, an den Online-Spielen teilzunehmen. Regelmäßiges Training ist allerdings Pflicht. Acht Stunden pro Woche sind das Minimum.
Trotz der Erfolge, die sich bei den weiblichen Clans einstellen, werden sie auf LAN-Partys und bei Wettbewerben immer noch misstrauisch beäugt. Manch männlicher Kollege wird misstrauisch ob der meist attraktiven Spieler-Damen. Doch mit dem Vorurteil, PC-Spieler müssten hässlich, fett und dick-bebrillt sein, will beispielsweise Louise Thomsen vom skandinavischen Clan Les Seules aufräumen. "Das ist heute nicht mehr so", sagt sie. Mit ihren Team-Kameradinnen will sie künftig in einer Reality-TV-Show auftreten und versuchen, auf diese Weise zahlungskräftige Sponsoren zu finden, die ihnen ein Leben als Profi-Gamer ermöglichen. Das es dabei durchaus hilfreich sein kann, niedlich auszusehen, ist den Mädels absolut bewusst. Auch Profis wie Amber Dalton setzen bei ihrer Überzeugungsarbeit nach eigener Aussage auf "die Kraft des Titten-Faktors." Respekt kann man sich damit allerdings kaum erarbeiten.
Alle emulieren
Irgendwie scheint sich kaum noch jemand mit dem ursprünglichen Betriebssystem seiner elektronischen Spielereien zufrieden geben zu wollen. Jüngstes Beispiel: ein japanischer Entwickler hat es geschafft, Spiele, die ursprünglich für die Playstation 1 geschrieben wurden, auf der Playstation Portable zum Laufen zu bringen. Noch ist seine Software zwar im frühen Beta-Stadium, doch erste Screenshots gibt es schon . Während man dieses Unterfangen vielleicht noch nachvollziehen kann, mutet das Projekt an, MS DOS auf Palm-Handhelds zu starten. Schließlich dürfte die Mehrheit moderner PC-Anwender überglücklich sein, das Zeitalter kryptischer Texteingaben hinter sich gelassen zu haben. Dennoch wird bei "TamsPalm" begeistert darüber berichtet, wie es sich anfühlt, Word 5.5 für DOS auf einem Palm zu benutzen. Die Krone der sinnfreien Emulation zeigt jedoch ein YouTube-Video auf dem zu sehen ist, wie jemand das bereits 1998 abgekündigte Apple-Betriebssystem "System 7" auf einem Pocket PC ausführt. Mangels Landscape-Grafik ist dabei stets nur ein kleiner Ausschnitt des Arbeitsbereiches nutzbar. Aber wenns gefällt.