Netzwelt-Ticker Werben statt Nerven
Einfach nur Klagen und Einschüchtern? Die Musikindustrie kann auch anders. Immer öfters, das hat das Wall Street Journal erfahren , nutzen Plattenfirmen die verhassten Filesharing-Netzwerke, um Promotion für ihre Künstler zu machen. Dabei werden statt Köder-Dateien, die mit Datenschrott oder Übelcode die User nerven, quasi Werbespots unter der Maske von viel gesuchten Liedern und Videoclips versendet.
Wer beispielsweise nach einem Videomitschnitt von Jay-Zs Live-Konzert in der Radio City Music Hall sucht, der wird auch einen finden. Ganz offiziell, mit dem Segen der Plattenfirma. "Jetzt erkennen die Plattenbosse und Künstler, dass die Leute, die ihre Songs illegal herunterladen, oft riesige Musikfans sind und dass es langfristig besser wäre, sie mit Marketing anzusprechen, als sie zu vergraulen." Na, endlich.
Spamhaus schlägt zurück
Schluss mit lustig heißt es ab sofort bei Spamhaus . Zunächst schien die Klage der Firma e360, die mit Werbemails Geld macht, nur eine Farce. Ebenso wie die 11,7 Millionen Dollar Schadensersatz, die Spamhaus an e360 Zahlen sollte, da der Anti-Spam-Service die amerikanische Firma als Spammer in seine Blacklist aufnahm. Spamhaus, da war sich jeder sicher, sei nicht in Gefahr; amerikanische Gerichte haben einer britischen Firma nichts zu sagen.
Doch die drohende Domain-Abschaltung über die in Amerika stationierte Internet-Registrierungsstelle ICANN zwang Spamhaus nun zu einem Gegenschlag. Die Non-Profit-Organisation geht nun obwohl sie das erste Urteil zunächst einfach ignorierte in Berufung und will "den Richterspruch anfechten und es so Spammern ein für alle Mal unmöglich machen, das amerikanische Rechtssystem für ihre Zwecke zu missbrauchen."
E360 ist ein Ein-Mann-Unternehmen, das massenhaft E-Mails verschickt nach eigenen Angaben nur nach Einwilligung der Adressaten. Doch Spamhaus hat angebliche Beweise, dass e360 in Wirklichkeit massenhaft ungewollte E-Mails versendet, was illegal wäre.
Der Fall Spamhaus gegen e360 hat aber noch eine andere Dimension. Sollte es zu einer Abschaltung des Services kommen, würden von einer Stunde auf die nächste Milliarden Spam-Mails weltweit die Server fluten, da Spamhaus nach eigenen Angaben "die Mailboxen von momentan 600 Millionen Usern schützt."
Firmware-Upgrade: Creative schaltet das Zen-Radio aus
Wohl um einem drohenden Rechtsstreit mit der Musikindustrie zu entgehen, hat Soundkarten- und Audioplayer-Hersteller Creative Labs mit einem Firmware-Update die Radio-Funktionalität von verschiedenen portablen Audioplayern abgeschalten. Damit ist es jetzt weder möglich, Radioprogramme aufzunehmen noch überhaupt FM-Funk anzuhören. Betroffen seien laut Engadget.com die Geräte Zen MicroPhoto und Zen Vision: M, manche User berichten auch, dass es die Muvo-Produktlinie und den Inno von Pioneer getroffen habe.
Ob sich ein Firmware-Upgrade, das immerhin auch Verbesserungen mit sich bringt, lohnt, muss man nun abwägen.
Für die GEZ spielt das Ganze übrigens keine Rolle. Der Zen bleibt ein Radio, auch mit der neuen Firmware, so die Gebühreneinzugszentrale gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Wireless-USB kommt
Ein klitzekleines Stückchen Zukunft könnte demnächst mit dem neuen Standard Wireless-USB ins Haus kommen: Das papierlose Büro, totale lokale Vernetztheit. Bis zum Ende des Jahres sollen die ersten drahtlosen USB-Produkte auf den Markt kommen. Die sollen sich über den 480 Mbit schnellen Bus in einem Radius von drei Metern mit kompatiblen Geräten verbinden wer sich weiter vom Sender/Empfänger entfernt, muss mit Einbrüchen in der Übertragungsgeschwindigkeit rechnen. Für Maus und Tastatur ja kein Problem.
Doch Heimanwendungen seien nur der Anfang der Entwicklung, so ein Artikel bei ZDNet Asia . Microsofts portabler Mediaplayer Zune verbindet sich mit anderen Zunes via Wifi, um zum Beispiel Songs zu tauschen. Der neue Standard könnte das jedoch schneller und mit höherer Energieeffizienz. Außerdem sei er einfacher zu handhaben, als zum Beispiel der gescheiterte Bluetooth-Standard.
Visa geht, Allofmp3 verschenkt Alben
Nachdem das Kreditkarteninstitut Visa einem Bericht des International Herald Tribune zufolge , alle Geschäfte mit Allofmp3 aufgibt, wird der russische Online-Musikshop dazu übergehen, seine hunderttausende Alben kostenlos zum Download bereitstellen. Nun, nicht wirklich kostenlos: Das neue Angebot, das ausbleibende Käufe auf Kreditkarte ausgleichen soll, basiert auf Werbung; User müssen sich einen speziellen Musikplayer herunterladen, der die Allofmp3.com-Alben dann mit DRM-Schutz abspielt und das nur auf einem einzigen Computer und mit Werbebannern. Weiterhin können Kunden aber auch über das Xrost-System mit virtuellen Prepaid-Karten bezahlen und die kann man sich weiterhin über Visa kaufen
Seltsame Erfindung: CD im USB-Port
Abteilung wundersame Erfindungen: Ein wenig Schnitz und Klebarbeit und fertig ist die pilzförmige Super-CD mit eingebautem Chip und USB-Stecker!
Ein USB-Stecker auf einer CD? Aladdin, ein amerikanisch-israelisches Unternehmen, meint es ernst. Sie wollen eine CD entwickelt haben, die so dick wie eine herkömmliche Silberscheibe ist, trotzdem einen Chip enthält, auf den man über einen USB-Port, in den man die speziell geformte CD schiebt, zugegriffen werden kann. Damit ließe sich ein sehr guter, wenn auch sehr aufwändiger Kopierschutz quasi in die CD packen: Erst per USB freischalten, dann Software benutzen. So arbeiten bereits teure Software-Pakete, die nur bei Anwesenheit eines Hardware-Dongles funktionieren.
Wer von obskuren Erfindungen nicht genug bekommen kann, sollte auch den New Scientist Tech-Artikel unter dem Text zur USB-CD lesen . Da geht es um parasitäre Handys, die kurz vorm Akkutod noch schnell Warnmeldungen an umstehende Handys schicken