Netzwelt-Ticker: Widgets fürs Web von Google - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Widgets fürs Web von Google

Zum Aufpeppen von Webseiten hält Google ab sofort Widgets bereit. Nokia bastelt am Bluetooth-Nachfolger, Sonys Playstation 3 läuft heiß und in Norwegen ist Video nicht gleich Video. Und außerdem gibt's bald einen Minesweeper ohne Minen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Google: Progrämmchen für Homepages

Die Idee ist so gut wie längst überfällig: Google springt auf den Widget-Zug auf und veröffentlicht die kleinen Programm-Helferlein, die man sonst vor allem von Apple und Yahoo kennt, nun auch für Websites. Wer eine Internet-Seite betreibt, kann aus einem Repertoire aus aktuell 1220 Mini-Tools wählen  und diese in seine Homepage einbinden. Bisher konnten die Google Gadgets nur auf der personalisierten Google-Suchseite oder über die Google-Toolbar für den Desktop eingesetzt werden, berichtet Reuters. 

Damit bringt Google sich nun abseits von AdSense und Suchfeldern auch in richtiger Funktionalität auf wohl unzähligen privaten Websites unter - und geht damit auch einen kleinen Schritt in Richtung Virtual Desktop: Die Online-Widgets verwischen die Grenze zwischen Website und Applikation und dürften recht schnell im ganzen Netz Verwendung finden. Zu Lasten der anderen Service-Websites.

Norwegen: Und tschüss, Netzwerk-Neutralität?

Was in Amerika gerade für großen Aufruhr in der Netz-Szene und bei Bürgerrechtsaktivisten sorgt, scheint in Norwegen bereits bittere Wahrheit. Die Netzneutralität, also die Gleichbehandlung von Inhaltsanbietern durch Netzbetreiber, ist durch "einen der größten Breitband-Anbieter in Norwegen", so Eirik Solheim in seinem Blog , gebrochen worden. Der beschränkt die Download-Bandbreite des Onlineangebots der norwegischen Rundfunkanstalten. Netzvideos und andere Onlineinhalte können dadurch nur in geringerer Qualität übertragen werden, als vom Seitenbetreiber vorgesehen. Wie Morgen Ågnes, der Geschäftsführer von NextGenTel gegenüber der norwegischen Zeitung Aftenposten bereitwillig zugibt, bekommen Seitenbetreiber, die für höhere Bandbreite zahlen, einen besseren Service.

Was sich anhört wie gewöhnliche Vorgänge im freien Markt, führt jedoch dazu, so Befürworter von Netzneutralität, dass Kunden zum einen weniger Bandbreite haben und womöglich doppelt bezahlen: für den Internet-Zugang und Website-Angebote, die kostenpflichtig werden. Zum anderen sind gerade unabhängige Nachrichtenseiten und Breitband-Angebote empfindlich beeinträchtigt, wenn sie nicht mehr Onlinevideos und -radios betreiben können, da ihnen das Geld für angemessene Bandbreiten vom Netzbetreiber fehlt. Oder wie es Eirik Solheim beschreibt: "Oh, du willst also Videos von der bekannten Indie-Website herunterladen? Tut uns leid, Warner zahlt uns mehr, weswegen du statt der Indie-Website doch lieber die Warner-Angebote nutzen solltest."

Nokia: Alternative zu Bluetooth

Abseits von Handy-Headsets hat sich Bluetooth nie so richtig durchsetzen können. Nun wagt Nokia mit dem sogenannten Wibree Funksystem, einem inoffiziellen Nachfolger des Bluetooth-Funks, einen neuen Versuch. Das drahtlose System soll nicht nur Handys mit Rechnern verbinden, sondern auch Uhren, ferngesteuertes Spielzeug und spezielle Sportausrüstung zusammenbringen. Da Wibree angeblich nur ein Bruchteil der Energie von Bluetooth oder anderen Wireless-Geräten benötigt, könnte ein ganzer Schwung neuer, kleinerer und günstigerer Geräte - Smart Hardware - in naher Zukunft erscheinen.

Wibree habe mit circa zehn Metern die gleiche Reichweite und mit einem Megabit pro Sekunde die gleiche Bandbreite wie Bluetooth und nutze zudem sogar die gleiche Funkfrequenz. Der Hauptunterschied sei die Ausrichtung auf kleine Geräte, die wenig elektrische Energie benötigen. Außerdem sei die neue Technik nicht dazu gedacht, Daten-intensive Anwendungen wie Sprachübertragung oder digitale Musik oder Videos zu handhaben. Eine typische Anwendung sei zum Beispiel ein Sportgerät, das den Herzschlag, Blutdruck oder die zurückgelegte Distanz eines Joggers verarbeitet, so Jani Tierala, Forscher bei Nokia, gegenüber Newsfactor.com . Wibree soll Mitte nächsten Jahres erscheinen.

PS3: Zu heiß, Aktien fallen

Es ist ein annus horribilis für Sony, schreibt AP , ein schreckliches Jahr. Eine ganze Reihe peinlicher Fehler vermiese Sonys Ruf als Produzent von guter Qualität. Nach dem Batterie-Desaster sorgen nun Berichte über Ausfälle der PS3 auf der Tokyo Games Show für miese Stimmung an der Börse. Ein Analyst von Macquarie Equities schrieb in einem Report, dass auf der wichtigen Computerspiel-Messe die Konsole "erratisch arbeitete" und wiederholt neu gestartet werden musste. Der Grund dürften ausgerechnet Überhitzungsprobleme sein - was so nah am Releasetermin (Japan: 11. November, USA: 17. November, Europa: frühestens März) kein gutes Zeichen sei. Sony hat den Marktstart der Konsole wegen technischer Probleme bereits zweimal verschoben.

Fast gleichzeitig gab Sony bekannt, Probleme bei der Fertigung eines neuen digitalen Walkmans zu haben. Obendrein leidet auch die Flachbildschirm-Sparte unter der starken Konkurrenz von Samsung. Seit April sind die Sony-Aktien um 20 Prozent gefallen.

Sony plant nach wie vor 2 Millionen PS3-Einheiten bis zum Ende des Jahres und 6 Millionen Einheiten bis Ende März 2007 zu verkaufen. Konsumenten könnten die vermuteten Hitzeprobleme auf der Tokyo Games Show vergessen, im Wohnzimmer spiele das keine Rolle, hieß es...

Wal-Mart: Ende für The Hub

Bereits kurz nach dem Start sorgte der MySpace-Klon der Supermarktkette Wal-Mart für Spott und Hohn. Arg plump, pseudo-cool und von Nutzungsbeschränkungen verstopft, wollte niemand die Community benutzen. Wal-Mart führte derweil ein eigenes Profil beim Konkurrenten MySpace und bekam von dort auch einen guten Teil des Website-Traffics zugeleitet. Jetzt musste auch der umstrittene Marktriese den Misserfolg einsehen und nahm gerade einmal zehn Wochen nach dem Start die Seite aus dem Netz. Statt der Seite, wo Jugendliche zum Upload von Bildern und Videos und ihrer persönlichen Wal-Mart-Einkaufszettel (!) aufgerufen wurden, prangt jetzt die lakonische Nachricht: "Tschuldigung, die School-your-way-Promotion ist zu Ende." Forbes.com spekuliert derweil , dass Wal-Mart möglicherweise längst das Aus der Seite für das Ende der Schulferien plante, aber wegen des offensichtlichen Misserfolgs dem peinlichen Treiben ein Ende machte.

Windows Vista: Blumen statt Minen

Wer hätte daran gedacht, dass ausgerechnet der Überklassiker der in Windows vorinstallierten Spiele einmal politisch brisant werden könnte? Aber Minesweeper, das simple, suchterregende Spiel um das Umgehen von Landminen, stößt in Ländern, die mit einem Landminenproblem zu kämpfen haben, selbstverständlich auf wenig Verständnis. Und deswegen beschloss man bei Microsoft, nach einer Alternative für diese Länder zu suchen. Blumengarten statt Minenfeld war die simple Lösung, die aber einigen Aufwand bei der Implementierung erforderte, wie einer der Entwickler in seinem Blog erklärt , über das Ars Technica schreibt . Eine prima Mini-Lektion in Sachen Komplexität, wo man keine erwartet. Oder: Windows-Entwickler ringen mit den gleichen prinzipiellen Problemen, wie alle Computeranwender ...

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