Netzwelt-Ticker Wii-Controller fliegen tief
Seit heute steht auch hierzulande Nintendos Lowcost-Spielkonsole Wii in den Läden. Eines ihrer Alleinstellungsmerkmale ist der originelle Spiele-Controller. Er kann, anders als die meisten Konkurrenzprodukte, auch räumliche Bewegungen registrieren.
Etliche Programmierer nutzen diese Fähigkeit rigoros aus, um ihre Spiele realistischer machen. Wer mit der Wii beispielsweise virtuelles Bowling oder Tennis spielen will, muss sich daher wirklich vom Sofa erheben und mit dem Controller wild durch die Luft wirbeln. Ein Sicherungsband um das Handgelenk des Spielers soll dabei verhindern, dass der Controller sich in solchen Situationen selbstständig macht.
Offenbar mit mäßigem Erfolg. Wie das Blog "Wii Damage" dokumentiert, hat es offenbar schon etliche Fälle gegeben, bei denen sich die Sicherung gelöst und der Controller auf einer ballistischen Flugbahn die Hand des Spielers verließ. Oft mit direktem Kurs auf TV-Geräte und Hifi-Anlagen.
Etliche Bilder dokumentieren, dass es dabei zu durchaus ernstzunehmenden Schäden kommen kann. Von diesen Meldungen aufgeschreckt will Nintendo nun der Ursache für das spontane Sicherheitsgurt-Versagen auf den Grund gehen. Wer dass ungewöhnliche Steuergerät solange auf sichere Art und Weise verwenden will, sollte sich entweder das Tool WiinRemote besorgen. Damit soll der Game-Controller zur 3D-PC-Maus mutieren. Mac-Anwender bekommen dieselbe Funktionalität mit der Software DarwiinRemote .
Klage gegen KaZaA
Die P2P-Tauschbörse KaZaA ist mal wieder verklagt worden. Das wäre an sich nichts Neues, wäre die Klägerin nicht eine ehemalige KaZaA-Nutzerin.
Wie "ars technica" berichtet, wurde Catherine Lewan im April dieses Jahres von Sony BMG aufgrund von Urheberrechtsverletzungen verklagt, musste sich auf einen Vergleich einlassen und eine Strafe zahlen. Dieses Geld will sie sich nun offenbar von Sharman Networks, dem Betreiber von KaZaA, zurückholen.
Ihre Begründung: der Hersteller habe die Software vorsätzlich so vermarktet, dass man als Anwender den Eindruck bekommen musste, vollkommen legal zu handeln. Schhießlich würden viele User die Software nutzen, um damit Musik und Videos zu katalogisieren und zu speichern. Darüber, dass diese Daten automatisch über das KaZaA-Netzwerk verteilt werden, sei man nicht hinreichend aufgeklärt worden, so Lewan. Sollte sie mit ihrer Klage Erfolg habe, dürften Sharman Networks eine ganze Welle ähnlich gelagerter Gerichtsverfahren ins Haus stehen.
Open XML auf dem Weg zum Standard
Microsofts Dateiformat Open XML, eine der Grundlagen von Microsoft Office 2007, ist auf dem Weg zur weltweiten Standardisierung. Zumindest die ECMA (European Computer Manufacturers Association) gab dafür gestern grünes Licht. Einer weiteren Zertifizierung durch die ISO (International Organisation for Standardization) steht nun nichts mehr im Weg.
Laut ECMA sei damit der Weg frei für ein neues Dokumenten-Format, das einerseits kompatibel zu bestehenden Formaten ist, andererseits reichlich Möglichkeiten für künftige Funktionen bereithält. Dem schlossen sich auch die Mitglieder der ECMA, darunter Apple, Intel, natürlich Microsoft und Toshiba an. Nur IBM musste rumstänkern und stimmte gegen den Vorschlag.
Schließlich, so begründet der IBM-Manager Rob Sutor die ablehnende Haltung, gibt es mit dem Open Source-Format OpenDocument (ODF) bereits eine dem Microsoft-Standard "weit überlegenes" Format. Schließlich, so Sutor, sei OpenDocument ein wirklich offener Standard, während Open XML nur wieder eine von einem Hersteller diktierte Spezifikation sei. Sutors klares Statement: "Bei ODF geht es um die Zukunft, bei Open XML geht es um die Vergangenheit. Wir haben für die Zukunft gestimmt." Viel helfen wird das nicht.
Leck im Windows Media Player
Kurz nach der jüngsten Sicherheitslücke in Word ist nun auch im Windows Media Player ein neues Leck entdeckt worden. Betroffen sind offenbar die Versionen 9 und 10, während Nutzer des neuen Media Player 11 sich in Sicherheit wiegen können. Laut "WinFuture" ermöglicht der Bug es Angreifern, über eine manipulierte ASX-Playlist-Datei Zugriff auf den Rechner des Opfers zu erlangen. Mit einem einfachen Eingriff, den die Sicherheitsfirma eEye Diigital Security beschreibt , lässt sich die Gefahr einer solchen Attacke allerdings vermindern, bis ein entsprechender Patch vorliegt.
Die Wahrheit über Quelltexte
Wie in vielerlei Hinsicht hat Hollywoods Filmindustrie auch vom Wesen eines Quelltextes ihre ganz eigene Vorstellung. Da wurschteln sich Hacker beim Versuch, in ein fremdes Computersystem einzudringen, durch wild animiert 3D-Welten, huschen unübersichtliche Textwüsten in atemberaubender Geschwindigkeit über den Bildschirm und werden hochkomplizierte Verschlüsselungssysteme von achtjährigen Hornbrillenträgern außer Kraft gesetzt.
Der Programmierer Matthew Inman klärt uns nun auf, dass die wahre Welt der Programmtexte ganz anders aussieht. Aus seiner Top 10-Liste der zehn schlimmsten Fehler, die Hollywood bei der Darstellung von Programmtexten regelmäßig wieder aufkocht lernt man, dass solche Quellcodes tatsächlich auch ohne begleitende "blippity-blip"-Sounds auf dem Bildschirm erscheinen können. Außerdem erfahren wir schockierende Wahrheiten, wie etwa die Tatsache, dass Programmierer nicht wie wilde Derwische auf die Tastatur eindreschen, sondern sich gelegentlich auch der "Space"- und "Enter"-Tasten bedienen. Unglaublich: im wirklichen Leben sollen beim Programmieren sogar Computermäuse zur Anwendung kommen. Ernüchternd hingegen ist die Erkenntnis, dass es nicht möglich ist, auf einem Apple-Laptop Viren zu schreiben, die kompatibel zu Alien-Raumschiffen sind (wie in Roland Emmerichs "Independance Day").
Verflixt. Dann sind wir geliefert.