Netzwelt-Ticker: YouTube XXL und Word-Virus - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker YouTube XXL und Word-Virus

Microsoft warnt vor einem Word-Virus - und rät dazu, einfach keine Dokumente mehr zu öffnen. Früher Feierabend für Viele heute also. Außerdem im Überblick: Ein Bittorrent-basierter Videodienst serviert Filme in High Definition, das Internet ist längst nicht barrierefrei, Musikmanager verpfeift seine Kinder. Und mehr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Barrierefreies Internet? Von wegen

Man sollte meinen, das Internet böte Menschen mit Behinderung reichlich Möglichkeiten, sich trotz körperlicher Einschränkungen zumindest im virtuellen Raum frei zu bewegen. Nicht zuletzt, weil das World Wide Web Consortium (W3C)  bereits 1999 Richtlinien festgelegt hat, die helfen sollen, Web-Inhalte behindertengerecht zu gestalten (und die auch auf deutsch nachzulesen  sind). Doch weit gefehlt. Einer Studie des britischen Nomensa-Instituts  zufolge erfüllen gerade mal drei Prozent der untersuchten Internet-Angebote die Bedingungen für barrierefreies Webdesign. Zugegeben, mit einer Stichprobe von nur 100 untersuchten Websites ist die von den UN finanzierte Studie nicht gerade repräsentativ für die Gesamtheit des World Wide Web. Einen deutlichen Trend lassen die Zahlen aber dennoch ablesen. Kaum verwunderlich: die einzigen Web-Angebote, die den Richtlinien entsprechen sind die Website der deutschen Bundeskanzlerin , das Online-Portal der spanischen Regierung sowie die Homepage des britischen Premier-Ministers.

Beim Betrachten der detaillierten Untersuchungsergebnisse fällt allerdings auf, dass Webdesigner auch Normal-Surfern das Leben nicht leicht machen. Demnach halten sich 98 Prozent bei der Programmierung ihrer Webseiten nicht an aktuelle Industrie-Standards und 97 Prozent verhindern, dass man ihre Angebote auf beliebige Bildschirmgrößen skalieren kann, indem sie fixe Maßeinheiten vorgeben.

YouTube XXL

Unter dem Titel Zudeo geht ein neuer Video-Downloaddienst an den Start. Dessen wichtigstes Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Vorbild: Anwender können Videos beliebiger Größe hochladen, auch HD-Material. Ein erster Rundgang auf der Website zeigt, dass tatsächlich auch schon einige HD-Filme bereitliegen. Logischerweise kann es die breite des Angebots aber noch nicht mit YouTube aufnehmen. Ist ja auch noch im Beta-Stadium. Im Gegensatz zum Bierdeckel-Fernsehen im Netz soll Zudeo allerdings künftig eine Art Verteilungsplattform für aufstrebende Independent-Filmer werden.

Damit das überhaupt geht, setzt man auf eine P2P-Plattform: Zudeo ist gewissermaßen die professionalisierte Variante des Bittorrent-Clients Azureus, den man sich denn auch erstmal installieren muss, um die Plattform nutzen zu können. Der ist auch nötig, um die Filme betrachten zu können, im Browserfenster läuft nichts. Da bleibt abzuwarten, ob die Verheißung hochauflösender Videos genügend Anwender dazu verleiten kann, sich diese Mühe zu machen, oder ob die Mehrheit doch nicht weiterhin dem Platzhirschen und seinen Mini-Video-Häppchen treu bleibt. Interessant ist, dass die Azureus-Macher mit ihrer Plattform gewissermaßen Skype-Gründer Niklas Zennström und dessen "Project Venice" ausgestochen haben - das soll auf ähnliche Weise TV-Inhalte verteilen, ist aber noch nicht im Netz. Bei Zudeo dagegen sind dank "Wired"  und Slashdot schon über eine Million User online.

OpenOffice-org wird kompatibler, Office nicht

So langsam zeichnet sich ab, welche konkreten Vorteile man als Anwender von der noch jungen Freundschaft zwischen Novell und Microsoft haben wird. So gab Novell bekannt, man arbeite gemeinsam mit Microsoft an Tools, die einen problemlosen Austausch von Texten, Tabellen und Präsentationen zwischen dem kostenlosen OpenOffice.org und Microsofts Office Suite ermöglichen sollen. Den Anfang soll im Januar ein Plug-In für die OpenOffice-Textverarbeitung machen. Darüber hinaus will Novell das von Microsoft in Office 2007 genutzte XML-Format in OpenOffice-org integrieren, so dass beispielsweise auch Formatvorlagen und Formeln übertragbar werden, schreibt „TechWeb“ .

Ganz so gut werden es Anwender der Mac- und Pocket-PC-Varianten des Microsoft Office-Pakets nicht haben. Bei „cNet“  heißt es, die Mac-Community müsse noch mindestens bis März/April warten, bis entsprechende Konverter für sie verfügbar werden. PocketPC- und Smartphone-Nutzer werden gar bis zur Jahresmitte vertröstet. Bis es soweit ist, so lautet Microsofts inoffizieller Tipp, sollen Kollegen mit Office 2007 ihre Dokumente doch bitte weiterhin im alten Format für Office 97-2003 abspeichern.

Microsoft schickt Word-Nutzer nach Hause

Microsoft warnt vor einem neuen Computer-Schädling, der sich des Textverarbeitungsprogramms Word als Vehikel zur Ausbreitung bedient. Wie es bei „eWeek“  heißt, genügt es schon, ein infiziertes Word-Dokument zu öffnen, um dem Schädling Tür und Tor zu öffnen. Betroffen sind etliche Word-Varianten, angefangen bei Word 2000 über Word für den Mac, Microsoft Works, den Word-Viewer und natürlich alle Office-Suiten, die Word enthalten. Solange noch kein entsprechender Patch verfügbar ist rät Microsoft lapidar zu besonderer Vorsicht im Umgang mit Word-Dokumenten. Selbst Dokumente, die man aus scheinbar vertrauenswürdigen Quellen erhält, solle man weder öffnen noch sichern. Na, dann können viele von uns ja heute früher Feierabend machen.

MySpace will Sexualstraftäter aussperren

In den USA kam die Community-Website MySpace regelmäßig aufgrund sexueller Belästigungen ins Gerede. Damit soll jetzt Schluss sein. Oder, besser gesagt, bald. Wenn alles klappt. Hoffentlich. Um das zu schaffen wurde die Sentinel Tech Holding Corp. engagiert, eine Firma die auf das Durchleuchten persönlicher Daten spezialisiert ist. Gemeinsam mit dieser Firma will MySpace innerhalb der kommenden 30 Tage eine Datenbank aller in den USA registrierten Sexualstraftäter einrichten. Keine triviale Aufgabe angesichts von rund 550.000 Personen, auf die diese Bezeichnung passt. Ist die Datenbank erst einmal befüllt, soll speziell dafür abgestelltes Personal die MySpace-Community gezielt nach den darin gespeicherten Personen durchforsten und diese aus der Gemeinschaft entfernen. Eine rechtliche Grundlage, für dieses Vorgehen fehlt laut „Infoworld“  allerdings noch. So bleibt es unklar, welche Konsequenzen für MySpace aus dem Löschen von Nutzerprofilen erwachsen könnten.

Musikmanager-Kinder klauen Musik

Einen ausgewachsenen Anschiss haben sich die Sprösslinge von Edgar Bronfman, dem Chef der Warner Music Group eingefangen. In einem Reuters-Interview  gab der Musik-Manager zu Protokoll, er sei sich ziemlich sicher, dass einige seiner immerhin sieben Zöglinge illegal Musik kopiert haben. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie das getan haben und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie die Konsequenzen zu spüren bekommen haben,“ sagte Bronfman. Welcher Form diese Konsequenzen waren, mochte er jedoch nicht ausführen. Sicher ist jedoch, dass er seine eigenen Kinder nicht angezeigt hat, wie es die Musikindustrie ja sonst gerne mal tut. Stattdessen hielt er ihnen eine Standpauke die er mit griffigen Argumenten wie „Musik zu stehlen bedeutet Musik zu stehlen“ sowie „richtig ist richtig und falsch ist falsch, insbesondere, wenn ein Elternteil mit seinem Kind spricht“, garnierte.

19 iPods pro Zune

Diese etwas merkwürdige Zahl bringt eine Studie der NPD Group zutage, über die „Red Herring" berichtet. Vom 19. bis zum 25. November beobachtete das Marktforschungsunternehmen die vorweihnachtlichen Verkaufszahlen der fünf in den USA beliebtesten MP3-Player. Das Ergebnis: Microsofts klobiger Neueinsteiger erobert sich mühevoll den fünften von fünf Plätzen im Verkaufs-Ranking. In nackte Zahlen umgerechnet bedeutet das laut NPD Group, dass für jeden verkauften Zune 19 iPods über den Ladentresen wandern. Aber Microsoft hat sich ja bereits auf eine lange Durststrecke eingestellt. Also: es gibt viel zu tun, Zune!

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