Netzwelt-Ticker Zoff um Zensur bei MySpace
Zensur bei MySpace?
Brad Greenspan braucht sich eigentlich nicht zu beschweren: Durch die Übernahme der Networking-Seite MySpace.com durch die News Corp. wurde er auf einen Schlag 47 Millionen Dollar reicher. Greenspan war Geschäftsführer, Aufsichtsratvorsitzender und größter Aktionär von Intermix Media, dem früheren Eigner von MySpace.com. Er bezeichnet sich als "eigentlicher Gründer" der erfolgreichen Seite. Und anscheinend hat er noch eine Rechnung mit Rupert Murdoch offen, dessen News Corp. das soziale Netzwerk inzwischen gehört.
Greenspan überzieht News Corp. mit Klagen der Verkauf von MySpace an News Corp. sei ungültig, es sei Insiderhandel betrieben worden, das Netzwerk sei unter Preis verkauft worden, und jetzt blockiere und zensiere Murdoch in MySpace-Profilen auch noch Links auf die Web-Angebote Vidilife.com und Stickam.com von Greenspans neuer Firma LiveUniverse.
Zumindest das stimmt auf jeden Fall das Community-System ersetzt zum Beispiel die URL vidilife.com (nicht aber einfach nur vidilife) durch zwei Punkte: ".." Das gibt auch News Corp unumwunden zu: Die Universal Music Group (UMG) habe Vidilife.com als beliebten Umschlagplatz für Copyright-Verletzungen von UMG-Inhalten ausgemacht. Und es sei nunmal eine Regel bei MySpace, Links zu Websiten mit nicht jugendfreien Inhalten, Copyright verletztendem Material oder Sicherheitsrisiken zu blockieren.
Das erscheint seltsam, da ähnliche Angebote ( wie YouTube.com) keineswegs geblockt werden und natürlich ebenso oft urheberrechtlich geschütztes Material verbreiten wie jede andere Videoseite. Für Greenspan ist die Sache klar: Da steckt ein persönlicher Rachefeldzug dahinter. Die Zensur sei die Strafe für seine Klagen und Sticheleien gegen MySpace unter anderem auf freemyspace.com und Censorspace.com.
Ein Gericht wird nun darüber entscheiden. Sollte Greenspan dadurch irgendwelche Gelder zugesprochen bekommen, so versprach er, werde er alles wohltätigen Organisationen spenden, die gegen Zensur kämpfen.
Die durchaus vielschichtige Geschichte gibt's komplett beim Sydney Morning Herald.
Mozilla patcht Firefox 1.5
Längst ist der Nachfolger draußen, da patcht Mozilla schnell noch Firefox 1 auf die Version 1.5.0.8. Drei kritische Sicherheitslücken sind nun geschlossen, die erst vor einem Monat in Firefox 2 gestopft wurden. Bis zum 24. April nächsten Jahres will Mozilla Firefox 1.5 noch regelmäßig mit Updates versorgen, dann soll aber endgültig Schluss sein. Laut Techweb seien die Firefox-Entwickler sich nicht sicher, ab wann sich Firefox 1.5 automatisch auf die Version 2 upgraden soll. Wohl ab Dezember, mit der Veröffentlichung des Patches auf die Version 2.0.0.1 soll Firefox 1.5 den User darauf hinweisen, per Knopfdruck und dann automatisch auf die neue Browser-Version umzusatteln. Bis dahin muss Firefox 2 von Hand heruntergeladen und installiert werden.
Zeitgleich zum Firefox-Patch ist außerdem Mozillas E-Mail-Client Thunderbird auf die Version 1.5.0.8 gehoben worden. Drei Bugs, davon jedoch nur ein kritischer, wurden behoben. Die anderen beiden bekamen ein "moderates" Rating, eine Zwei in Mozillas vierstufigem Gefahrenanzeiger.
Vista ist fertig
Nach fünf Jahren hat Microsoft nun verkündet, dass die Arbeiten an Windows Vista abgeschlossen seien und das neue Betriebssystem pünktlich verspätet am 30. Januar den Kunden zum Kauf angeboten werde. Großkunden und OEM-Hersteller sollen schon im November beliefert werden.
Damit geht laut ZDnet eine langwierige Entwicklung zuende, zuletzt geprägt vom größten Betatest in Microsofts Geschichte. Bei früheren Versionen konnten nur registrierte Tester frühe Windows-Versionen ausprobieren und so den Programmierern helfen. Diesmal waren MSDN und TechNet-Kunden mit dabei. Die durften unter anderem die Beta 2 und den ersten Release Canditate, also eine fast fertige Vista-Version, ausgiebig unter die Lupe nehmen.
Google verschickt versehentlich E-Mail-Wurm
Am Dienstag hat Google ungewollt den "Kama Sutra"-Wurm per E-Mail an die 50.000 Abonnenten der "Google Video"-E-Mail-Gruppe verschickt. In drei Postings, die an die Gruppe geschickt wurde, versteckte sich möglicherweise der W32/Kasper.A@mm-Wurm, der sich durch E-Mails massenhaft weiterverbreitet, so ein Eintrag im Blog von Google Video . Google entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, versprach, alles zu unternehmen, damit so etwas nie wieder passiert und forderte die Gruppenmitglieder dazu auf, einen Virenscanner laufen zu lassen. Den Norton AntiVirus gebe es im so genannten "Google Pack" umsonst . So lässt sich dessen Popularität auch erhöhen.
Skype 3 mit neuen Features
Mit einer Pressemeldung informiert Skype über neue Features , die die nun vorgestellte Version 3 der kostenlosen IP-Telefoniesoftware enthält. Da sei zum einen ein Skypecast genannter Service, der eine Art öffentliche Telefonkonferenz mit bis zu hundert Teilnehmern ermöglicht - das könnte man auch Voice-Chat nennen. Click-to-call ermögliche es Skype-Usern, per Klick Telefonnummern anzurufen, die von der Skype-Software in Websites entdeckt werden. Zudem soll die Skype-Oberfläche weiter vereinfacht worden sein. Ab sofort stehe die Beta-Version zum kostenlosen Download bereit. Skype erwehrt sich damit wohl nicht zuletzt der Angriffe von Alternativ-Anbietern wie Jajah, die Click-to-Call schon eine zeitlang anbieten.
IT-Productplacement
Lautes Stöhnen im Kino. Borat hat seinen Zuschauern einiges abverlangt. Und dann das: Der brachiale Auslandsreporter auf Wildenschau kehrt in sein Dorf zurück und sein verhasster Nachbar trägt einen iPod Mini. Borat macht einen halbgaren Scherz und weil das noch nicht Product Placement genug ist, steht auf Borats Schreibtisch, quasi neben der Kuh auch noch ein weiß glänzendes MacBook pünktlich zur PR-Jubelei um die Vorstellung der neuen MacBook-Reihe von Apple und die lauthals bekundete, grenzen-, leider aber auch zahlenlose Freude über das "riesige Interesse" am iPod Mini. Kann man sich schönere Werbung wünschen?
Man kann. Zum Thema Product-Placement in Filmen passt es nur zu absurd, dass Palm das Smartphone Treo damit bewirbt, dass der Treo in Ridley Scotts neuem Film "A good year" eine, äh, tragende Rolle spielen wird. Der Filmheld werde damit tun, so AP , was man mit einem Treo tun kann angeblich ganz ohne Zahlungen von Palm an die Filmemacher für diese publikumsträchtige Zurschaustellung.
Da grenzt schon fast ans Wunderbare, wie Fred Baron, stellvertretender Generaldirektor von Filmproduzent Twentieth Century Fox, in einer Stellungnahme den Treo mit viel Pathos beweihräuchert: "Hin und wieder gibt es eine Requisite, die eine Figur definiert. Und der Treo ist [für eben diese] der zentrale Anker in der Welt, seine Rettungsleine, als er entscheiden muss, ob er sich ganz seinem neuen Leben widmet oder zurück in sein altes geht."
Ja, gehts noch? Liebe Jungs von Century Fox: Wenn Ihr für diese Werbeorgie wirklich nichts kassiert habt, solltet Ihr Euer Marketing zu unseren Öffentlich-Rechtlichen ins Praktikum schicken: Die wissen wenigstens, wie so was geht. Vielleicht könnte man die dann als Gegenleistung zu Euch schicken, damit sie dann noch lernen, wie man coole Blockbuster dreht? Von mir aus sogar mit einem Treo in tragender Rolle.
Vier Sekunden und weg
Lädt eine Website länger als vier Sekunden, ist der Surfer weg und unzufrieden. Sagen Forscher von Akamai und Jupiter Research, die aber natürlich die erzwungene Geduld deutscher DSL-loser Landeier nicht kennen.