Netzwerke: Internet aus der Steckdose - DER SPIEGEL
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Netzwerke Internet aus der Steckdose

Wer im privaten Haushalt das DSL-Modem mit dem Rechner verbinden will, sieht sich nicht selten mit massiven Hindernissen konfrontiert: Einerseits Wände, andererseits Ehepartner mit Allergien gegen Kabelverlängerungen. Zum Glück gibt es Alternativen, die alle glücklich machen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Einer der bemerkenswertesten Unterschiede zwischen Mann und Frau ist verbaler Natur: Er macht sich fest am Wörtchen "Kabel". Die ansonsten eher unauffällige Vokabel besitzt die seltene Fähigkeit zur semantischen Metamorphose und ändert ihre Bedeutung je nach Situation und Geschlecht des Sprechers.

Stellen Sie sich vor, Sie renovierten einen Altbau oder machten einen Neubau bezugsfähig. Abhängig von Ihrem Geschlecht steht das Wort nun in völlig anderen semantischen Kontexten:

Für Männer klingen beim Wort "Kabel" Vokabeln wie "Planung", "dringend", "Vorarbeit", "Wand aufschlitzen", "Verputzen" oder "Kein Handschlag mehr, bis das getan ist" mit.

Für Frauen klingt "Kabel" nach "nicht so wichtig", "kann man später machen", "boah, nervt der wieder!" oder "was will der immer mit seinen Kabeln, wenn ich gerade über Fliesen nachdenke?".

Steigern lässt sich dieses Konfliktpotenzial noch, wenn es nicht um Strom-, sondern um Fernseh- oder Netzwerkkabel geht. Die stehen bei Ihrer Göttergattin natürlich gaaaanz weit unten auf der Prioritätenliste, weil Sie ja offensichtlich schon wieder an Freizeit denken, während sie mit ernsthaften Arbeiten beschäftigt ist.

Der aufgeklärte, emanzipierte Mann hält da den Mund.

Vier Monate später fällt auf, dass ihr Haus

    a) über keinen Fernsehsanschluss verfügt
    b) immer dann, wenn jemand ins Internet will, kreuz und quer von 15 Meter langen Verlängerungsschnüren durchzogen wird.

Und das ist natürlich Ihre Schuld, völlig unverzeihlich, ein nicht zu tolerierender Zustand, umgehend zu beheben und Grund für den Erwerb eines DVB-T-Receivers sowie eines WLan. Vor allem um letztere soll es nun übergangsweise gehen.

Das WLan, das unbekannte Wesen

Ein drahtloses Netzwerk-Set, mit dem sich Rechner und DSL-Modem verbinden lassen, bekommt man heute in Angeboten ab knapp 60 Euro. Die Technik ist fast narrensicher und - wenn man nicht gerade das Superbillig-Schnäppchen vom Wühltisch kauft - auch mit anständiger Installations-Software zu haben. Jetzt gibt es nur noch ein klitzekleines Hindernis zwischen WLan, ihrem Rechner und den Freuden des drahtlosen Internetzugangs: ihr Haus.

"Wieso klappt das wieder nicht?" fragt Sarah arg indigniert, als der Rechner zum vierten Mal in zehn Minuten aus dem Netzwerk fliegt - "Drahtloses Netzwerk nicht verfügbar".

Und das, obwohl wir schon den günstigsten Ort für den kleinen USB-Empfänger gefunden haben: Die Wand über dem Rechner, in circa 1,70 Höhe. Sieht zugegebenermaßen ganz anders als in der Werbung und ziemlich bescheuert aus: "Dieses verdammte Mistding! Oben war das viel besser!"

Das stimmt.

Ursprünglich standen Rechner und WLan-Empfänger im ersten Stock, und wir surften DSL wie in der Werbung: schnell und zuverlässig. Ein Stockwerk tiefer und dem WLan-Sender rund acht Meter näher jedoch klappt gar nichts mehr.

"Das liegt an den Wänden", erkläre ich geduldig. "Oben lag keine tragende dazwischen, unten schon. Dafür", füge ich tröstend hinzu, "hast Du sogar im Garten noch einen klasse Empfang!"

Das findet sie auch ganz prickelnd und verleiht schon ihrer Vorfreude auf das nächste Frühjahr Ausdruck. "Nur", fragt sie, "was mache ich bis dahin?"

Ich weiß, dass sie damit mich meint. Was mache ich bis dahin? Quatsch! Was mache ich umgehend, jetzt, sofort, um dieses Problem zu lösen?

"Na", fragt sie, die Arme vor der Brust verschränkt, "fällt Dir was ein?"

Das Ende des Übergangs

Das tut es. Ich besorge mir ein "MicroLink dLan Highspeed Starter Kit" aus zwei "HomePlug-Adaptern".

Das klingt beängstigend, ist aber ganz einfach: Dabei geht es um zwei blaue, leicht bullige Stecker für die Steckdose, an die man ein Netzwerkkabel anschließen kann. Nach Installation der Software soll das Ganze sich wie von Zauberhand zu einem Heim-Netzwerk verbinden - oder den Rechner mit dem DSL-Modem. Als Netzwerkkabel dient das ganz normale Stromkabel.

Und zwar sofort, verspricht Hersteller devolo , in seinem Marktsegment Quasi-Monopolist von microsoftigem Gewicht. Mit Allnet  (mit einem 200 Mbit-Plug derzeit "schnellster" Anbieter), Netgear  und Lindy  gibt es zwar noch drei Konkurrenten, die vergleichbare Technik bieten. Die irgendwo im Handel zu finden, ist allerdings eine Leistung, für die man den Ehrentitel "Sherlock des Jahres" verliehen bekommt.

Für die Preise ist das nicht gut: "Powerline"-Netzwerkadapter, die auf dem "Homeplug"-Standard der so genannten Powerline Alliance  beruhen, sind teurer als WLan-Lösungen. Wer vorhat, mehr als nur zwei "Stationen" miteinander zu verbinden, muss ganz schön tief in die Tasche greifen (mehr dazu unten).

Weiter im zweiten Teil...

Dafür sind sie außerordentlich schnell und zuverlässig: Mein Testset verbindet zwei Testrechner mit bis zu 85 Mbit pro Sekunde, sagt der Hersteller. In der Praxis muss man mit zunehmendem Abstand der Rechner Abstriche machen, aber das fällt im normalen Gebrauch nicht auf: Selbst zwischen Keller und Dachgeschoss "funken" die Rechner noch mit über 60 Mbit/s. Bis zu 200 Meter Kabelweg, behauptet der Hersteller, könne so überbrückt werden.

Den großen Stolperstein, an dem solche Stromleitungs-Netzwerke scheitern können, muss ich im eigenen Haus nicht erleben: dLans funktionieren nur innerhalb miteinander verbundener Stromkreise. Im Klartext: Spätestens am Stromzähler ist Schluss. Der Zähler wird so zur "Firewall" für das Heimnetzwerk. Klagen über eingeschränkte Funktionstüchtigkeit gibt es in Userforen auch, wenn es um sehr alte, marode Stromvernetzungen geht. Das soll von langsamen Datendurchsatzraten bis zu alternativen Funktionen wie "Lampe an, Netzwerk aus" reichen.

Das Testnetz: Das Haus wurde 1958 verkabelt, die Verkabelung seitdem druch "Schleifen" und Einziehen zusätzlicher Stromkreise ausgebaut. Im Test per dLan überbrückte Kabelwege: bis zu circa 30 Meter. Probleme: keine.

Doch langsam: Vor dem Netzwerk steht schließlich die Installation.

Die gestaltet sich problemlos. CD ins Laufwerk, Treiber aufgespielt. Rechner runter-, Rechner hochgefahren, Netzwerkadapter in die Steckdose - fast fertig.

Beim ersten Versuch beißt sich der Homeplug mit meinem Router, weil beide sich im Netzwerk unter der gleichen IP (ein Problem, das nur auftritt, wenn man den Plug über einen Router in ein bestehendes Hausnetzwerk "einpasst"). Repariert ist das per Mausklick - und die Verbindung steht. Schnell noch ein Passwort erfunden, um die 256 Bit-Verschlüsselung zu aktivieren, fix die Austausch-Ordner benannt, auf die beide Rechner Zugang haben sollen - und nach noch nicht einmal zehn Minuten steht das Heimnetzwerk.

Zweiter Versuch: Verbindung Rechner/DSL-Modem

Die Einrichtung eines Netzwerkes kann man sich hier sparen, die Sache gerät zum reinen Plug-and-Play. Verbindet man den zweiten Homeplug direkt mit dem DSL-Modem, geht es auch direkt ab ins Netz. Die Geschwindigkeit des dLan-Netzes mit seinen Top-Speeds von über 80 Mbit macht hier natürlich keinerlei Sinn: So viel braucht zu diesem Zweck kein Mensch. Aber dafür gibt es auch noch kleinere Lösungen (siehe unten).

Hat die Sache Nachteile?

Auffällig ist, dass die Adapter-Stecker relativ warm werden. Ältere dLan-Geräte der ersten Baureihe (2002/2003) sollen damit im Dauerbetrieb Probleme entwickelt haben (bis zum Durchbrennen). devolo: "Dieses Kondensator-Problem ist inzwischen behoben."

Die Geräte der neueren Generation laufen dagegen weitestgehend Beschwerdefrei. Auch der Vorwurf des Dauer-Stromverbrauches ist bei einer Leistungsaufnahme von nur vier Watt im Ruhezustand überzogen. Trotzdem: Braucht man ein Gerät nicht, schaltet man es eben aus. Eine Steckerleiste mit Abschaltknopf löst das elegant.

Probleme kann die Powerline-Technik auch bei unabgeschirmten Stromnetzen machen, bei denen es im näheren Umkreis zu Störungen von Mittelwellen- und Kurzwellenempfang kommen kann. Im Extremfall könnte das dazu führen, dass der Betrieb des Powerline-Heimnetzes untersagt wird.

Inhouse-Netze wie das hier beschriebene sind allerdings weit unproblematischer als der "große Bruder" der Powerline-Technik, die Einspeisung von Internet über das öffentliche Stromnetz, bei dem weit stärkere Störungen verursacht werden. Auf eine Anfrage, ob es in Bezug auf Powerline-basierte Heimnetze hierzulande schon Probleme oder gar Stilllegungen gegeben hat, liegt von Seiten der zuständigen Bundesnetzagentur noch keine Antwort vor.

Ein Nachteil ist mit Sicherheit der Preis.

Das schnelle Starter-Kit mit 85 Mbit kostet satte 190 Euro (unverbindliche Preisempfehlung). Kauft man einzelne Adapter hinzu, sollen diese mit stolzen 99,90 Euro zu Buche schlagen: Teurer kann man sein Heimnetzwerk kaum aufbauen. Im Handel sehen die Preise zwar teils anders aus. Hier kann man für das Starter-Kit bis zu 30 Euro abrechnen. Trotzdem: Powerline-Adapter sind nicht nur zuverlässige Technik, sondern im Vergleich zu Kabel- und Funk-Alternativen auch ein Stück cooler Luxus.

Wer allerdings nur einen oder zwei Rechner mit der DSL-Buchse verbinden und absolut keine Kabel verlegen will oder kann, dem bietet sich auch das kleinere dLan-Set mit "nur" 14 Mbit/s an: Das soll zwar rund 140 Euro kosten, ist in Angeboten aber jederzeit für rund 90 Euro zu haben (Einzel-Plugs halber Preis) und kann so durchaus mit WLan-Lösungen konkurrieren (die allerdings schneller sind).

Die Technik ist längst nicht ausgereizt. Recht neu im Angebot sind "Audio"-Plugs, mit denen man Stereoanlagen mit Rechnern oder DSL-Zugängen vernetzen kann. Die Flexibilität und Geschwindigkeit der Technik prädestiniert sie für solche "Media-Vernetzung" bis hin zur Videoübertragung (Allnet bietet das schon an). Mein Fazit: nicht billig, aber empfehlenswert.

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