Neue Chip-Technologie Motorola will den Markt aufräumen
Wenn man den Motorola-Verantwortlichen Glauben schenkt, dann wäre es klug, mit dem Kauf des neuen DVD-Spielers noch zu warten. Nun gehört Trommeln ja zum Geschäft, doch angeblich werde Motorolas neue Chip-Technologie den Markt für Computer-, Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik aufmischen - Preisrutsch nicht ausgeschlossen.
Oder, wie das Dennis Robertson, Chefentwickler bei Motorola, gar nicht schüchtern ausdrückt: "Wir haben es geschafft, das Fundament der gesamten Hightech-Industrie zu verändern."
Solche Töne kennt man und weiß, dass sie zum normalen Sprachgebrauch der IT-Branche gehören. Kein IT-Event, bei denen ein Bill Gates, Steve Jobs oder Larry Ellison nicht das Ende der Welt, so wie wir sie kennen, ankündigt. Doch scheint es Motorola tatsächlich gelungen zu sein, etwas wirklich Neues auf die Beine zu stellen: Angeblich hat das Unternehmen einen Weg gefunden, herkömmliche Silizium-Chips mit den Vorteilen von Chips aus Galliumarsenid zu verbinden. Damit könnten optische Steuerungselemente gebaut werden, die wesentlich schneller und günstiger wären als herkömmliche Halbleiter.
Silizium, Basis der meisten Computerchips, ist zwar relativ preiswert, im Vergleich zu Galliumarsenid jedoch leistungsschwach, da es Leitungsströme bremst. Galliumarsenid, das häufig in DVD-Spielern eingesetzt wird, ist 40-mal schneller in der Übertragung, dafür aber teurer und empfindlicher als das gegen Wasser und Hitze unempfindliche Silizium.
Robertson: "Wir sind nun in der Lage, die besten Eigenschaften von Silizium mit der Leistungsfähigkeit und optischen Eigenschaften (neuer Materialien) zu verheiraten."
270 Patente angemeldet
Das ist schön, vor allem für Motorola, denen es schon länger nicht mehr gelungen war, sich derart positiv ins Gespräch zu bringen. Jetzt war dem Unternehmen die Neuentwicklung die Anmeldung von satten 270 Patenten auf den neuen Chip wert. Weil das so ist, gehen Analysten davon aus, dass andere Halbleiterhersteller wie Intel, Texas Instruments und Advanced Micro Devices Lizenzen von Motorola kaufen müssen, um ihre Produktion anpassen zu können. Im Klartext: Da dürfte es in der Kasse rappeln.
Robertson erwartet, dass die von Motorola entwickelte Technologie Chips auf Basis von Galliumarsenid ablösen wird. Im Ergebnis könnten zahlreiche elektronische Geräte wie DVD-Spieler günstiger werden. Bereits im kommenden Jahr könne die neue Technologie in Mobiltelefonen zum Einsatz kommen, erklärte Robertson.
Die Welt wird das nicht verändern, das "Fundament der gesamten Hightech-Industrie" wohl auch nicht - aber Motorola dürfte nicht mehr die gleiche Firma sein wie zuvor, wenn die Neuentwicklung hält, was sie verspricht. Dem Aktienkurs dürfte das Ganze jetzt schon gut tun.