Neue Chip-Technologien: Intel macht Acht - DER SPIEGEL
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Neue Chip-Technologien Intel macht Acht

Mehr Kerne, mehr Gigahertz, mehr Funktionen. Beim Intel-Entwicklertreffen in Peking geizten die Top-Manager nicht mit Superlativen, protzen statt mit niedrigen Stromverbrauch erstmals wieder mit hohen Taktfrequenzen - und geben dem UMPC eine zweite Chance.
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Beim diesjährigen Intel-Entwicklertreffen bricht Intel mit alten Traditionen und lässt alte wieder aufleben. Chinas Hauptstadt Peking wurde als Veranstaltungsort gewählt. Ein absolutes Novum, denn bisher konnten die Mehrzahl der Teilnehmer, die überwiegend aus dem Silicon Valley kommen, mit dem eigenen Auto nach San Francisco fahren, wohin Intel bisher einlud.

Schwerer wiegt jedoch, dass Intels Vizepräsident Pat Gelsinger erstmals wieder mit hohen Taktfrequenzen prahlte. Im Rahmen seiner Keynote führte er stolz den Prototypen eines mit 3,33 Gigahertz getakteten Vierkern-Prozessors vor. Der solle, so Gelsinger, beispielsweise Spiele bis zu 40 Prozent schneller vorantreiben als Intels aktuelles Topmodell, der Core 2 Extreme QX6800. Angaben zum Stromverbrauch oder der "Leistung pro Watt" - Faktoren die Intel seit der Abkehr vom Gigahertz-Wahn stets betonte - blieb Gelsinger allerdings schuldig.

Mit Produktion und Verkauf der unter dem Codenamen "Penryn" entwickelten Chips will Intel noch in diesem Jahr beginnen.

Bis zu 80 Kerne

Auch sein Kollege Eric Kim von Intels Digital Home Group ging bei seiner Präsentation wenig auf Energieeffizienz ein. Stattdessen kündigte er eine neue Plattform für Hardcore-Gamer an. PCs auf Basis der als "Skulltrail" bezeichneten Plattform sollen über acht Kerne gebieten können, indem sie den Einsatz von zwei parallel arbeitenden Vierkernprozessoren ermöglichen. Dieser geballten Rechenleistung kann der geneigte Spieler bis zu vier Grafikkarten zur Seite stellen. Dass dürfte selbst die anspruchsvollsten 3D-Spiele butterweich beschleunigen.

Allerdings dürfte ein derart aufgemotztes System enormen Kühlungsbedarf haben und dementsprechend für eine deutlich vernehmbare Geräuschkulisse sorgen.

Doch damit nicht genug. Intels Technik-Chef Justin Rattner zeigte während seiner Auftaktrede den Prototypen eines Chips mit 80 Rechenkernen. Eingepflanzt in einen Experimentalrechner erreichte dieser Multikern-Bolide eine Leistung von zwei Teraflop/s, schafft also zwei Billionen Fließkommaberechnungen pro Sekunde. Zum Vergleich: Ein Pentium 4-PC kommt laut Wikipedia auf einen Wert von etwa zehn Gigaflop/s.

Interessant dabei ist aber eigentlich, dass Der 80-Kern-Prototyp von Intels Forschern unter anderem genutzt wird, um neue Möglichkeiten zu entwickeln, Energie zu sparen. So benötigte die Test-CPU nur vergleichsweise bescheidene 190 Watt. Für die Endversion streben die Entwickler einen Verbrauch von 65 Watt pro Teraflop/s an.

Ein Chip für alles

Neben dieser Leistungsschau zeigte Intel in Peking aber auch praxisnähere Entwicklungen. Besonders vielversprechend ist der "Intel CE 2110 Media Prozessor". Mit diesem Chip verwirklicht Intel das Prinzip vom "System-on-a-Chip", vereint also alle für einen Computer notwendigen Funktionen in einem einzigen Baustein. Mit diesem Chip versucht Intel sich Herstellern von Unterhaltungselektronik anzudienen. Denen soll das Einchip-System die Entwicklung multimedialer Unterhaltungs- und Kommunikationsgeräte erleichtern. Denkbar wäre beispielsweise eine Verwendung des CE 2110 in Settop-Boxen wie der Apple TV, die derzeit noch von einem Pentium M-Notebook-Prozessor angetrieben wird.

Ein weiteres Beispiel für Intels Bestreben, immer mehr Funktion auf einzelnen Chips zu bündeln war einen Ankündigung des Intel-Forschungschefs Kevin Kahn. Er versprach, bis 2009 werde Intel in der Lage sein, Chips herzustellen, auf denen die wichtigsten aktuellen und zukünftigen Kommunikationstechnologien zusammengefasst würden. Laut Kahn gehören dazu UMTS, Wlan, Wimax und UWB (Ultra-Breitband). Einen Prototypen, auf dem zumindest schon Wlan und Wimax vereint seien, habe Intel bereits im Labor entwickelt. Eine Demonstration blieb Kahn jedoch schuldig.

UMPC, zweiter Versuch

Nach dem etwas glücklosen Start der UMPC-Plattform, (Ultra Mobile PC) im vergangenen Jahr, will Intel der Idee kleiner tragbarer aber dennoch vollwertiger Rechner neues Leben einhauchen. Für den Sommer kündigte das Unternehmen Die "Intel Ultra Mobile Plattform" an.

Mehrere Firmen, so Intel-Manager Anand Chandrasekher, werden pünktlich zum Marktstart neue UMPCs verkaufsfertig haben. gegenüber ihren Vorgängern sollen die Geräte deutlich kleiner ausfallen. Vor allem aber soll einer der größten UMPC-Schwachpunkte, der zu hohe Stromverbrauch, beseitigt worden sein. Die netzunabhängige Laufzeit habe sich dadurch verdoppelt.

Das ist auch nötig, wenn UMPC-Nutzer ihre Geräte künftig so nutzen, wie Chandrasekher es sich vorstellt, nämlich um aktiv an sozialen Netzwerken teilzunehmen und beispielweise unterwegs aufgenommen Videos bei YouTube einzustellen oder Fotos auf flickr hochzuladen.

Das sei jedoch erst der Anfang, so Chandrasekher. So richtig in Fahrt werde das Konzept kleiner, mobiler, vernetzter PCs 2008 kommen, glaubt der Intel-Mann. Dann soll "Menlow" auf den Markt kommen, eine UMPC-Plattform, die inklusive Prozessor auf die Fläche einer Spielkarte passt. Spätestens dann sollen UMPCs auch mit Linux-Betriebsystem erhältlich sein, was den Preis nochmals deutlich drücken dürfte.

Wenn er damit Recht behält und ausgerechnet Linux den UMPCs zum Durchbruch verhelfen würden, wäre das allerdings eine fette Schlappe für Microsoft. Schließlich hatte der Windows-Konzern die Einführung der Mini-Rechner im vergangenen Jahr mit einer großangelegten viralen Werbekampagne begleitet und dem Konzept einen großen Teil seines Cebit-Auftritts gewidmet.

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