Neue DVD-Formate: Brennerstreit um Super-Plus und -Minus - DER SPIEGEL
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Neue DVD-Formate Brennerstreit um Super-Plus und -Minus

Kaum hat man kapiert, dass es Plus-, Minus- und RAM-Rohlinge gibt, da stiften die Hersteller schon neue Verwirrung. Dual-Layer-Scheiben mit doppelter Kapazität und neue Formate für hochauflösende Videos machen das Chaos perfekt.
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Älteren kommt das Ganze ziemlich bekannt vor: In den achtziger Jahren konkurrierten Betamax, Video 2000 und VHS auf dem Markt für Videorekorder miteinander. Heute wiederholt sich das Gleiche, wenn auch auf höherem Niveau. Statt Kassetten landen die Filme auf DVDs. Der Standard für DVD-Videos ist zwar eindeutig definiert, bei den Rohlingen herscht aber die altbekannte Formatvielfalt.

Das DVD+RW-Lager, hinter dem HP, Dell und Philips stehen, wetteifert mit den DVD-RW-Jüngern aus den Häusern Toshiba, Panasonic und Pioneer. Plus scheint dabei die Nase vorn zu haben. Selbst Apple, lange ein Unterstützer von -RW, unterstützt mit seinem neuen Betriebssystem Panther auch Plus-Brenner. Bereits abgeschlagen ist das dritte Format im Bunde, DVD-RAM.

Für den Verbraucher ist die Wahl zwischen Plus und Minus theoretisch egal, weil DVD-Player beide Rohlingstypen abspielen sollten. Das stimmt (meist) auch. Aber wer kauft schon gern einen Rekorder, wenn ungewiss ist, ob es in ein, zwei Jahren noch Rohlinge dafür gibt? Oder wenn die mittlerweile exotischen Scheiben nur noch zum Liebhaberpreis zu haben sind?

Standard? Fehlanzeige

Immerhin haben die Hersteller auf die Verunsicherung reagiert und schrauben immer mehr Kombi-Brenner zusammen, die Plus und Minus verstehen. Aber der Widerstreit der Rohlinge ist damit nicht etwa im Konsens beigelegt. Für das Jahr 2004 kommen schon wieder neue Formate auf den Markt - ein branchenübergreifender Standard ist nicht in Sicht, obwohl damit allen geholfen wäre.

Filmkopierer freuen sich aber trotzdem schon auf die ersten Dual-Layer-DVD-Brenner. Diese schreiben doppelt so viele Daten wie bisher auf einen Rohling, weil sie durch unterschiedliche Fokussierung des Laserstrahls zwei Speicherschichten nutzen können. Kommerzielle Film-DVDs sind meist ebenfalls im Dual-Layer-Verfahren hergestellt; für zu Hause gibt es die Technik bislang nicht.

Beim Kopieren von DVDs müssen die Videodaten bisher noch weiter eingedampft werden, damit der Film überhaupt auf einen Single-Layer-Rohling mit 4,3 Gigabyte passt. Dieser Schritt, das Transkodieren, der auch an der Bildqualität kratzt, fällt mit Dual-Brennern weg. Die verlustfreie Eins-zu-Eins-Kopie wird möglich - bei kopiergeschützten DVDs freilich nur unter Zuhilfenahme verbotener Software, das neue Urheberrecht lässt grüßen.

Plus-Brenner für Dual-Layer-Rohlinge mit 8,5 Gigabyte sollen im Frühjahr auf den Markt kommen - zunächst als Einbaugerät für PCs. Für den Sommer sind die ersten Dual-Rekorder angekündigt, die als Standalone-Gerät den Videorekorder ersetzen. Die Minus-Fraktion will ebenfalls 2004 mit den Dual-Layer-Brennern an den Start gehen. Ein Pioneer-Sprecher wollte sich jedoch auf keinen konkreten Termin festlegen.

Was tun? "Ich würde mein Geld in das Plus-Lager stecken", sagte der Analyst Pete Gerr dem amerikanischen Informationsdienst "Cnet". Denn dieses bringe den Dual-Brenner als erster heraus. Auch bei Sony glaubt man, dass die Plus-Brenner beim neuen Format die Nase vorn haben werden, wie der Marketing Manager Robert DeMoulin bestätigte.

Die Doppelschicht-DVD ist aber nur ein Zwischenschritt. Die Industrie bastelt schon länger am Nachfolger der Video-DVD, deren Absatz gerade so richtig boomt. Wenn sich Millionen Filmenthusiasten für viel Geld mit den DVDs ihrer Lieblingsfilme bestückt haben, sollen hochauflösende Videoscheiben für neue Umsatzrekorde sorgen. Das ist zumindest der Plan.

Pixelwahn

High Definition heißt das Zauberwort, oder kurz HD. Statt der bei DVDs üblichen 720 mal 576 Pixel speichern HD-Formate bis zu 1920 mal 1080 Pixeln je Einzelbild ab. Die Bildqualität ist dann tatsächlich mit der im Kino vergleichbar. Auf Filmfans kommt jedoch einiges an Kosten zu, wenn sie auf HD umsteigen: Aktuelle Fernseher können die hohen Auflösungen nicht darstellen, DVD-Player kommen mit den HD-Scheiben nicht zurecht.

Über das Format des DVD-Nachfolgers sind sich die Hersteller aber genauso uneins wie bei DVD-Rohlingen. Blue Ray, benannt nach dem dabei genutzten blauen Laser, und Advanced Optical Disc treten gegeneinander an. Philips und Sony gegen Toshiba und NEC, es ist das altbekannte Spiel.

Und selbst Microsoft will auf den Filmscheiben der Zukunft mit von der Partie sein. DVDs nutzen zur Videokompression den MPEG-Standard, der Redmonder Softwaregigant möchte aber gern sein eigenes Videoformat Windows Media durchsetzen.

In China arbeiten Ingenieure derweil an einem eigenen DVD-Format namens EVD; vor allem, weil sie die für DVDs fälligen Lizenzgebühren sparen wollen. Dank eines moderneren Videokompressionsverfahren sollen auch High-Definition-Filme auf die Scheiben passen. Eins ist jedenfalls gewiss: Das Formate-Wirrwarr bleibt uns erhalten.