Neue Patente Streit um Apple-Kopierschutz
Zum Jahresende scheinen Apples Entwickler schnell noch einige neue Technologien patentieren zu wollen. Fast täglich tauchen Meldungen über neue Apple-Patente auf. Eines davon dürfte für Unruhe im Lager der Apple-Nutzer sorgen. Es beschreibt eine Methode, die Software gegen Raubkopien sicher machen soll. Seine Technik, so das Fachmagazin " InformationWeek ", erinnere an Microsofts WGA-Kopierschutz (Windows Genuine Advantage), der Windows absichert - und schon oft für Ärger sorgte.
Seit Windows Vista ist WGA fester Bestandteil des Betriebssystems, Windows XP-Rechner werden über deren Update-Funktion damit nachgerüstet. Seit einigen Monaten kann man es davon aber auch wieder entfernen. Der Grund: Microsoft deckte nie auf, welche Daten WGA tatsächlich ans Hauptquartier sendet, um einen PC zu identifizieren. Zudem gab es bereits Probleme mit Microsofts WGA-Servern. Sind die nicht erreichbar, werden auch legale Windows-Versionen als Raubkopien eingestuft.
Von solch kruden Kopierschutzmaßnahmen blieben Apple-Anwender bislang verschont. Noch nie wurde ein Apple-Betriebsystem durch einen Kopierschutz gesichert, bei kaum einer Apple-Software muss man mit Seriennummern oder ähnlichem hantieren. Wer will der kann bis heute jede Mac-OS-Version einfach vervielfältigen. Das ist zwar verboten aber technisch problemlos möglich. Geschadet hat die Offenheit Apple bislang offenbar nicht. Das vor wenigen Monaten veröffentlichte Betriebssystem Mac OS X 10.5 "Leopard" erreichte sogar Rekord-Verkaufszahlen. Allein am ersten Verkaufs-Wochenende fanden zwei Millionen Kopien Abnehmer.
Wandelt Apple auf Microsofts Pfaden?
Doch das, so legt es die "InformationWeek" nahe, scheint Apple nicht genug zu sein. Künftig, soll eine Technik mit der Bezeichnung "Run-Time Code Injection To Perform Checks", die Software regelmäßig auf Manipulationen überprüfen, schreibt das Blatt. Wird eine solche Manipulation festgestellt, könnte sich die Software selbsttätig beendet, jeden weiteren Dienst verweigern. Laut "InformationWeek" ist die neue Technik dafür vorgesehen in Mac OS X integriert zu werden.
In der Patentschrift selbst ist allerdings auch die Rede davon, den neuen Kopierschutz über ein sogenanntes TPM-Mobul (Trusted Computing Platform) abzusichern. Solche Module sind Mikrochips, die spezielle Verschlüsselungstechnologien in ihrer Hardware enthalten. Sie ermöglichen es beispielsweise, einen Computer eindeutig zu identifizieren. Ursprünglich sollten solche Chips dafür sorgen Raubkopierern das leben schwer zu machen, indem sie Hard- und Software untrennbar miteinander verbinden. Bislang haben aber nur wenige Hardware-Hersteller tatsächlich solche Module in ihre Computer eingebaut, auch Apple nicht.
Oder plant man in Cupertino ganz anderes?
Bei der Mac-Webseite " RoughlyDrafted " geht man deshalb davon aus, Apple habe keineswegs vor seine Kunden auf ähnliche Weise zu gängeln, wie es Microsoft mit seinem WGA tut. Vielmehr könnte das neue Kopierschutzsystem dafür gedacht sein, Programme für Apples iPhone zu sichern. Würde das gelingen, könnte Apple den Trick schaffen, Herstellung und Verkauf von iPhone-Software zu einem einträglichen Geschäft zu machen.
Die Idee der Mac-Schreiber: Könnte Apple einen derart sicheren Kopierschutz für sein Handy vorweisen, wären die Software-Hersteller bereit ihre Programme zu günstigeren Preisen als bislang üblich anzubieten. Das wiederum würde die potentiellen Kunden zu Impulskäufen verleiten und so die Hemmschwelle senken auf legale statt auf raubkopierte Software zu setzen.
Das iPhone als VIP-Ausweis
Aber damit nicht genug, scheint das Apple-Handy künftig als universelle Wunderwaffe gegen Wartezeiten gedacht zu sein. Das zumindest verspricht ein Patent, welches Apple am 20. Dezember eingereicht hat. Über ein drahtloses Kommunikationssystem, man könnte auch sagen "W-Lan", soll das Gerät künftig mit Ladengeschäften in seiner Umgebung Kontakt aufnehmen können. Sinn und Zweck der Übung, so vermutet die "EETimes", sei es, die Wartezeit beispielsweise bei der Kaffee-Kette Starbucks zu verkürzen. Via iPhone könnte man schon auf dem Weg dorthin seinen entkoffeinierten Kaffee-Latte mit Karamelgeschmack ordern, bezahlen und bei der Ankunft im Laden sofort in Empfang nehmen - ohne Wartezeit. Ein Modell, das sich problemlos auf andere Geschäftsmodelle übertragen ließe.
Eine DVD, die interaktiver ist
Doch darüber hinaus sind die Spürnasen von " Appleinsider " noch über eine Reihe weiterer Patente gestolpert, die rund um die Weihnachtstage eingereicht wurde. Darunter eines, dass ein DVD-Web-System beschreibt, mit dem mehr möglich ist als mit bisherigen DVDs. Demnach soll das neue Konzept mehr Online-Interaktivität für Video-DVDs ermöglichen. So ließen sich nicht mehr nur Links von der Disk aus aufrufen, sondern vom Webbrowser aus könnten auch Zugriffe auf die DVD-Inhalte gesteuert werden.
Die übrigen vor Jahreswechsel von Apple eingereichten Patente hingegen sind weniger aufsehenerregend. So beschreibt eines eine Methode, die Wiedergabequalität von Videos zu verbessern, ein anderes bezieht sich auf ein System, mit dem man schneller durch große Datenbestände scrollen kann. Sicher eine hübsche Idee, die allerdings vom Ansatz her bereits seit Jahren in Apples iPods zu finden ist.
Und doch gibt Apples weihnachtliche Patentwelle Anlass zum Nachdenken. Denn der einzige Grund, weshalb sich das Unternehmen bemüht sich jetzt noch schnell etliche Techniken zu sichern kann nur der sein, dass das Unternehmen für die kommenden Monate etliche neue Produkte plant. Wie wichtig Patente für das Unternehmen sind klärte ein einziger Satz, den Apple-Chef Steve Jobs anlässlich der Vorstellung des iPhone vor knapp einem Jahr sagte: "And boy, have we patented it".