Nicht .Net Microsoft weigert sich, Tassen zu verteilen
Kaffee gefällig? Sun will dafür sorgen, dass Java im Web künftig noch mehr Verbreitung findet: Das Unternehmen will nicht nur die Java-Software (die "Tasse") kostenfrei verteilen, sondern auch die Application Server, die zur Verteilung des Kaffees (d.h. der transportierten Programme) nötig sind - die "Kanne", so zu sagen.
Wohin das zielt, ist klar: Scott McNealys Unternehmen versucht, die .Net-Strategie des Erzrivalen Microsoft zu deckeln, bevor diese noch einen Siegeszug antreten könnte. Denn auch Microsoft hat im Rahmen der .Net-Strategie die Verteilung "intelligenter Dienstprogramme" über das Internet entdeckt.
"Wir sind hinter den Entwicklern für .Net und Linux her", sagte Marge Breya von der Sun ONE Software-Abteilung am Mittwoch - und verkauft sich damit weit unter Preis: Sun und Oracle predigten die Vorzüge des Application Service Providing (ASP) schon, als Bill Gates kaum wahrgenommen hatte, dass das Internet zu mehr gut sein könnte, als zum Versand von E-Mail. "Java", die kompakte Programmiersprache, die das Schreiben kraftvoller, aber kleiner Programm-Applikationen ermöglicht, die über das Web heruntergeladen werden können, ist ein Resultat dieser bereits Mitte der Neunziger entstandenen Strategie.
Doch dies sind keine Lorbeeren, auf denen sich Sun ausruhen könnte. Zwar hat es Java zum quasi-Standard für solche Programmapplikationen gebracht, doch erstens dauerte dies Jahre, und zweitens ging es nicht einher mit der Schaffung des erhofften Riesenmarktes für ASP-Anwendungen für den Business-Markt.
ASP: Die Dauerhoffnung, die nie wahr werden wollte
Ende der Neunziger hofften zahlreiche Unternehmen, mittels ASP eine Art "Leihmarkt" für Business-Software ins Leben rufen zu können. Das Modell: Statt eine teure Software-Lizenz für ein Programm zu kaufen, das dann nur sehr selten gebraucht würde, sollten Business-Kunden Nutzungsgebühren für einen temporären Download entrichten. Für die ASP-Provider ein tolles Geschäft - und für die Kunden eine echte Ersparnis.
Klang toll, setzte sich aber nicht durch. Doch jetzt kommt Microsoft mit .Net, und das heißt mit Macht: Auch die .Net-Strategie setzt auf ASP, und Microsoft darauf, von Haus aus die nötige kritische Masse mitzubringen. Eine Rechnung, die aufgehen könnte - und einen Markt überrollen, an dem Sun schon seit Jahren arbeitet.
Gegenschlag: Microsoft schmeißt Java raus
Suns Reaktion, die Application-Server-Software künftig kostenlos zu vertreiben, ist da nur logisch: Wie sonst sollte man versuchen, den Marktanteil noch schnell zu erhöhen, bevor Microsoft in die Hufe kommt? Überraschend kommt der Schritt auch nicht, denn er war wohl von langer Hand geplant: Dass Sun beabsichtigte, die App-Server-Software kostenlos mit seinem Betriebssystem Solaris zu bundeln, war bereits seit längerem bekannt.
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Doch Microsoft hat eigene Pläne - und die, machte der Konzern ebenfalls am Mittwoch klar, schließen Java nicht unbedingt ein: Künftige Versionen von Windows, ließ die Gates-Company verlauten, würden Java nicht mehr unterstützen.
Das ist bockig: Microsoft reagierte damit auf die Rolle, die Sun im Kartellprozess gegen den Softwareriesen gespielt habe und gibt dies öffentlich zu - die Racheakte beginnen also, bevor das Urteil gefällt ist. Um im Bild zu bleiben: Microsoft will dafür sorgen, dass niemand eine Tasse hat, falls ein Konkurrent mit einer Kaffeekanne die Runde machen sollte.
Schon Windows XP besitzt keine Vorinstallation für Java mehr, Microsoft bietet allerdings ein entsprechendes Upload an. Im kommenden Servicepack für Windows XP ist Java wieder enthalten - das aber werde sich spätestens 2004 endgültig ändern: Ab dann unterstütze keine Windows-Version mehr Java. Wer ASP-Software will, bekommt dann eine Microsoft-Alternative vorgesetzt: Bis dahin soll .Net in vollem Schwunge sein.
Sun will seine Software neben der Windows-Version auch für die Systeme Linux und andere Unix-Varianten verfügbar machen. Bei Application-Servern belegt Sun einer Studie der IDC Corp zufolge derzeit den vierten Rang hinter BEA Systems, IBM und Oracle. Sun-Aktien fielen am Mittwoch um gut 5,5 Prozent auf 6,00 Dollar und damit deutlich stärker als der Markt.
Frank Patalong