Nokia: Mobiler Surf-Flachmann - DER SPIEGEL
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Nokia Mobiler Surf-Flachmann

Es geschieht nicht häufig, dass ein Unternehmen ein wirklich neues Produkt herausbringt. Nokia betritt mit dem Linux-Handheld 770 Neuland: Mit dem ersten Nokia-Produkt, mit dem man nicht telefonieren kann - und einem "Tablet", das gar kein PC sein will.
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Tablet-PCs mögen schick sein, sie tun sich trotzdem schwer am Markt. Die ursprüngliche Vision, sie als elektronische "Arbeitsblätter" oder ortsungebundene Surfstationen zu nutzen, ist so nicht eingetreten: Auch wer ein "Tablet" kauft, erwartet in erster Linie einen PC. Und die sind in ihrer mobilen Variante alles andere als billig.

Als Variante zum Tablet PC sah Microsoft-Gründer Bill Gates einst reine Surfbildschirme, Touch-Displays, mit denen man sich vom Kabel lösen sollte. Sein "Mira"-Konzept trennte letztlich den Bildschirm vom PC - fand am Markt aber keine Annahme.

Der kleine Ansatz

Letztlich ist das Nokia 770, das der Handy-Bauer im dritten Quartal auf den Markt bringen will, eine Art kleiner Verwandter der Mira. Es ist ein Taschen-Surfbrett, ein Metall und Kunststoff gewordener Browser (und zwar Opera).

Das Gerätchen ist gerade für Nokia eine Novität: Nicht viel größer als ein moderner PDA, will es reine Surfstation sein, E-Mail-, Newsreader- und Internetradiofunktion inklusive. Das aber war es schon: Erstmals "funkt" nichts an einem Nokia-Produkt. Dass dem 770 die Möglichkeit fehlt, per UMTS oder GPRS direkt und überall ins Web zu gehen, ist vielleicht sein größtes Manko.

Zumindest die Telefonie soll mit dem ersten Update der Software im nächsten Jahr kommen, wenn auch nur im "Hotspot" einer WLan: 2006 soll das 770 Internet-Telefonie-fähig werden.

Davon ab aber beschränkt sich das Gerät auf dieses kleine Konzept: Sei auch unterwegs online, via Wlan-Hotspot oder Bluetooth-Brücke zum Handy. Als Pausenfüller am Bahnsteig dient es als Radio, beim Warten auf den Anschlussflug als Mini-Audioknecht oder Videobetrachter (u.a. MP3, WAV, AAC, Real Audio, MP2, MPEG1, MPEG4, AVI, Real Video).

Allerdings in Maßen: Klein ist auch das Hirn des 770. Gerade einmal 128 MB Speicherplatz stehen zur Verfügung, dazu 64 MB Arbeitsspeicher. Zusätzlicher Speicherplatz kann über Steckkarten zugeführt werden: Für hoch komprimierte Filme im AVI-Format reicht das. Zumal das Betriebssystem selbst genügsam sein soll: Mit "Maemo" hat Nokia eine auf mobile Endgeräte abgestimmte Linux-Version vorgelegt.

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