Online-Banking Sicherheit wird klein geschreiben
Eines kann man der Internet-Bank X.com sicher nicht vorwerfen: dass sie nicht hält, was sie in ihrer Werbung verspricht. Denn das kleine Unternehmen aus Kalifornien, das mit dem Slogan "Wir machen es Ihnen leicht, auf Ihr Geld zuzugreifen" ins Internet gegangen ist, hat Wort gehalten - wenn auch nicht im Sinne des Erfinders: Rund einen Monat lang konnten Kunden Geld von anderen Konten ganz einfach auf das eigene überweisen. Und das ohne Wissen der eigentlichen Eigentümer.
Um ans Geld der anderen Leute zu kommen, reichte deren Kontonummer und Bankleitzahl. Über ein Online-Formular konnte ein beliebiger Betrag dann auf das Konto bei der Internet-Bank transferiert und später abgehoben werden. Bislang ist allerdings erst ein derartiger Fall bekannt geworden. Dabei soll es sich um, so Vertreter von X.com, "keinen signifikanten Betrag" handeln.
Seit Anfang Dezember ist die Internet-Bank aus Palo Alto online. Nachdem der Bankvorstand von Computerexperten auf das Sicherheitsloch aufmerksam gemacht wurde, soll der Fehler Anfang der Woche behoben worden sein. Vertreter von X.com räumten ein, dass ihr Internet-Banking mit einigen "Anfangsschwierigkeiten" zu kämpfen hatte, die jetzt aber beseitigt werden sollen.
"Wir haben tausende Überweisungen bearbeitet, und nur fünf oder zehn waren problematisch", sagte X.com-Chef William Harris. Die Internet-Bank, im März 1999 gegründet, wollte zunächst ganz auf Papier verzichten. Nach einigen schlechten Erfahrungen müssen Neukunden nun doch nachweisen, dass sie bereits ein Konto bei einem anderen Institut haben.
Trotzdem setzt Harris, der zuvor Chef des Finanzsoftware-Herstellers Intuit war, ganz auf den digitalen Weg. "Das spart uns Geld. Und niedrigere Kosten bedeuten höhere Zinsen für unsere Kunden."
Für Experten zeigt die X.com-Panne, welche Gefahren im Internet-Banking liegen - besonders in solchen Systemen, die noch nicht ausreichend getestet sind. "Jeder, der auch nur halbwegs eine Ahnung von dem Geschäft hat, konnte über einen Monat lang andere Bankkunden in große finanzielle Probleme bringen", so Elias Levy, Sicherheitsexperte bei Security Focus . "Hier hätte ein großer Schaden entstehen können."
"Probleme wie bei X.com sind nicht auf Internet-Banken beschränkt", meint Mark Rasch von der Beratungsfirma Global Integrity Corp. "Aber beim Online-Banking ist das Computer-Netzwerk verwundbarer, und die Bank muss extra wachsam sein."