Online-Comics: Spiderman und Conan werden ein Team - DER SPIEGEL
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Online-Comics Spiderman und Conan werden ein Team

Stan Lee, die Marvel-Ikone, versucht seit einem Jahr, seine Comic-Helden im Web zu vermarkten - und sein Geld an der Börse zu machen. Bisher gelang das nicht so recht. Jetzt soll der muskelbepackte Bodybuilder-Barbar Conan dem "StanLee.net" auf die Sprünge helfen.
Von Jochen A. Siegle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was macht einen echten Superhelden noch stärker? Ganz einfach: Verstärkung durch einen zweiten Superhelden. Der eine ist ein muskelbepackter Barbar, der andere ein hagerer alter Mann. Und dennoch ist der Greis der wahre Superheld - denn er hat die schöpferische Kraft.

Die Rede ist von Stan Lee, Erfinder zahlreicher so bekannter Comicfiguren wie "Spiderman", "Incredible Hulk" oder den "Fantastischen Vier". Ende vergangener Woche hat seine Firma Stan Lee Media das Science-Fiction- und Fantasy-Unternehmen Conan Properties übernommen und sich damit die Verwertungsrechte an "Conan der Barbar" gesichert. Der Comic-Mogul plant, den Muskelprotz im Kino, Fernsehen und vor allem im Internet zu vermarkten.

Jahrzehntelang war Lee als Cheflektor und später Leiter des amerikanischen Kult-Verlags Marvel  für zahlreiche martialische Comic-Erfolge verantwortlich. Seit etwa eineinhalb Jahren arbeitet der 77-Jährige nun mit Stan Lee Media auf eigene Rechnung. Sein Unternehmen versucht, im Internet verschiedene Comicfiguren aufzubauen, um diese wiederum an klassische Medien und Marketingunternehmen lizensieren zu können. Als Plattform dient dabei das Anfang des Jahres gestartete Stanlee.net .

Lee präsentiert auf dem Portal vor allem exklusive Web-Comic-Serien - etwa "The Accuser" oder "The 7th Portal" - sowie zahlreiche Flash-animierte Online-Spielchen. "Ich hoffe, für das Stanlee.net Figuren schaffen zu können, die ebenso interessant, empathisch und unsterblich sind wie die Charaktere, die ich für Marvel entwickelt habe", erklärte der Comic-Übervater kürzlich der US-Unterhaltungsfibel "Variety" seine künstlerische Zielsetzung. Zumindest das "7th Portal" hat gute Chancen, diese Vorgabe zu erreichen: Mehr als drei Millionen E-Cartoon-Fans wollten Eigenangaben zufolge in den ersten vier Wochen die erste Webisode sehen.

Seit Februar produziert Lee auch gemeinsam mit den Backstreet Boys das "Backstreetproject"  - eine Website, die die fünf Jungs aus Florida in animierten Flash-Cartoons als Zeichentrickhelden inszeniert. Und das Teenie-Popper-Unterfangen trägt bereits die ersten kommerziellen Früchte: Die Fastfood-Kette Burger King plant 45 Millionen Backstreet-Plastikhelden in Kindermenüs zu vertreiben.

Ebenso erfolgreich hat schon "The 7th Portal" den Sprung in die Offline-Welt geschafft: Der Internet-Comic dient als Vorlage für einen Kinofilm, die Umsetzung des Streifens vereinbarte Lee im Juni mit Produzent Mark Canton. Stan Lee verhandelt mittlerweile auch über die Realisierung des Formats im US-TV-Frühstücksprogramm. Im Paramount-Freizeitpark im kalifornischen Santa Clara soll auf Basis der "7th Portal"-Fantasy-Reihe eine 3-D-Attraktion entstehen.

Trotz der Erfolge seiner Neuschöpfungen setzt der Marvel-Veteran auch ganz gezielt auf bereits etablierte Marken. "Wir bemühen uns derzeit sogar sehr agressiv, populäre Figuren aufzukaufen", erklärte Lee nach der Conan-Übernahme. "Unsere Absicht ist es, Stan Lee Media  zu einem der größten Lizenzgeber von Science-Fiction- und Fantasy-Inhalten auszubauen." Die Akquisition von Conan - Details des Deals wurden bislang nicht bekannt - wird damit vermutlich erst der Anfang einer größeren Einkaufstour gewesen sein.

Da sollte der Popkultur-Ikone nur auch das Investoren-Wohlwollen beschieden sein. Dem Vorbild der boomenden Internet-Start-ups folgend, war Lee im vergangenen Jahr an der Börse gestartet. Die Wall Street interessierte sich bislang nur mäßig für sein Unternehmen. Seit einem Jahr dümpelt das Stan-Lee-Papier zwischen schlappen zehn bis zwanzig Dollar herum. "Ich glaube, der Kurs ist vor allem deshalb so niedrig, weil die Anleger die Dimension des Unternehmens nicht begriffen haben", mutmaßte kürzlich Jeffrey Pittsburg, Chef-Analyst und Gründer der New Yorker Marktforschungsgesellschaft Pittsburg Institutional. "Stan Lee Media hat sehr, sehr großes Potenzial." Um den schwerfälligen Börsenkurs endlich in Schwung zu bringen, hat Lee im Sommer Ken Williams, ehemals Top-Manager bei Sony Pictures Entertainment, als neuen CEO verpflichtet.

Die Finanzschwäche scheint bislang dennoch anzuhalten: Am Montag hatte Stan Lee Media 19 Mitarbeiter seiner Produktionsabteilung entlassen und damit seine Belegschaft um 13 Prozent verkleinern müssen. Umfassendes Outsourcing habe die Kündigungen notwendig gemacht, so eine Pressemitteilung. Das Unternehmen werde künftig zahlreiche Animationen von ausländischen Studios - vor allem in Korea, Taiwan, China und Indien - produzieren lassen. Die kreative Arbeit soll weiterhin im Hause bleiben.

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