Online-Datenspeicher Kostenlose Festplatten im Internet
Google hats vorgemacht: Speicherplatz ist heute so billig, dass man ihn auch gleich verschenken kann. Jeder der will - und jemanden kennt, der schon einen hat - bekommt heute einen kostenlosen GoogleMail-Account , mit derzeit 2,7 Gigabyte Online-Speicher inklusive. Umgerechnet in elektronische Briefe reicht das für knapp 300.000 Textnachrichten. Realistisch betrachtet braucht das kein Mensch zumindest nicht für E-Mails. Als kostenloses Online-Lager für digitale Daten aller Art hingegen erscheint ein solches Speicherangebot ausgesprochen attraktiv. Andernorts müsste man für so etwas bezahlen. Apple beispielsweise kassiert für seinen Online-Dienst .Mac, der gerade mal eine ein Gigabyte große Web-Festplatte beinhaltet, satte 99 Euro pro Jahr.
Bei Google bekommt man das kostenlos. Nur eben ohne Online-Festplatte. Aber die kann man nachrüsten. Ganz einfach per Software. Zum Beispiel mit einem kleinen Windows-Tool namens GMail Drive. Das bindet den Speicherplatz des GoogleMail-Accounts wie eine Festplatte in den PC-Arbeitsplatz ein. Der Trick besteht darin, dass die Software jene Dateien, die man auf das entsprechende Laufwerkssymbol zieht, im Hintergrund als E-Mail getarnt an GoogleMail sendet. Wie schnell das geht, hängt in erster Linie von der Geschwindigkeit der Internet-Verbindung ab.
Mail-Festplatte in Firefox
Ganz ähnlich arbeitet das Firefox Plug-In GSpace , bietet aber weit mehr Funktionen. Einmal installiert, nistet sich die Software im "Extras"-Menü des Browsers ein. Von dort aufgerufen benimmt es sich in der Standard-Einstellung, dem sogenannten Transfer-Mode, wie ein FTP-Client. In diesem Modus können Dateien in beide Richtungen hin- und her verschoben werden. Den "GMail Drive" Mode kann man dagegen nur zum Herunterladen nutzen. Wirklich interessant sind allerdings die Zusatzfunktionen, mit denen GSpace aufwarten kann. Dazu gehört eine MP3-Player-Funktion die auf GoogleMail gespeicherte Songs abspielt, ohne dass man sie dazu herunterladen muss. So wird jeder PC, egal ob bei Freunden, im Büro oder im Internet-Café zur persönlichen Musicbox. Ganz ähnlich arbeitet auch der Photo Mode, der in GoogleMail gesicherte Fotos und Bilder im Webbrowser präsentiert.
Google macht mit
Gewisse Einschränkungen sind allerdings zu bedenken. So weiß der Photo Mode ebenso nur mit einer begrenzten Zahl an Bildformaten umzugehen, wie der MP3-Player nur MP3-Dateien und nichts anderes abspielen kann. Lästig ist aber vor allem, dass man sämtliche Dateien, die man via GSpace auf seinen GoogleMail-Account geladen hat, noch einmal als E-Mail um die Ohren gehauen bekommt. Wer die GoogleMail-E-Mail automatisch von Outlook oder artverwandten Programmen abholen lässt, findet sie regelmäßig im Posteingang wieder. Da hilft es nur, die Abhol-Automatik in der Software zu deaktivieren. Andererseits könnte man natürlich auch der Idee verfallen, sich einen zusätzlichen GoogleMail-Account eigens zur Nutzung als Online-Speicher einzurichten.
Von Google muss man bei derlei Experimenten derzeit keine Repressalien befürchten. Google-Deutschland-Pressesprecher Stefan Keuchel sieht bisher keinen Grund, die alternative GoogleMail-Anwendung zu unterbinden. "Wir freuen uns natürlich, wenn immer mehr Leute unsere Angebote nutzen", sagt Keuchel gegenüber SPIEGEL ONLINE. Pläne, diese Form der Nutzung zu unterbinden, so der Pressesprecher, gibt es nicht.
Gespeichert wird online
Allerdings ist Google längst nicht mehr der einzige Anbieter, der große Mengen Online-Speicher kostenlos, oder doch zumindest günstig, hergibt. Als jüngstes Beispiel mag der Telekommunikationsanbieter Hansenet herhalten. Deren unter der Marke Alice vermarktete DSL-Angebote krankten bisher an einem hoffnungslos veralteten Mail-System. Selbst bei Hansenets Top-Produkt Alice Deluxe bekam man gerade mal 50 MB E-Mail-Speicher, zu gleichen Stücken auf fünf Accounts verteilt, dazu. Das hat der Anbieter nun radikal geändert und bläst alle elektronischen Postfächer auf 10 Gigabyte auf. Dazu gibt es weitere 300 MB als Online-Festplatte. Vorerst profitieren davon allerdings nur Neukunden. Bestandskunden müssen sich laut Hansenet-Pressesprecher Carsten Nillies noch bis Anfang 2007 gedulden.
Dass es aber durchaus noch radikaler geht, demonstriert AOL. Deren Online-Speicher Xdrive , bisher für 10 US-Dollar pro Monat buchbar, ist seit September gratis für jedermann zu haben 5 Gigabyte Web-Speicher inklusive. Wer sich auch mit weniger begnügen kann, bekommt sowohl bei OmniDrive als auch bei Box .net jeweils 1 Gigabyte kostenlos. Doch Vorsicht: Beide Anbieter sind darauf aus, zahlende Kunden zu werben. Wer seinen Gratis-Speicher überzieht, wird zur Kasse gebeten. Noch weniger Speicher (250 MB), den dafür aber garantiert kostenlos bekommt man bei MyDrive . Sollen hingegen Backups Online gesichert werden, bietet sich Moz y Free an. Dort bekommt man zwei Gigabyte kostenlosen Speicherplatz für automatisierte Sicherheitskopien. Derzeit funktioniert Mozy allerdings ausschließlich unter Windows XP. Versionen für Windows Vista und Mac OS X sind angekündigt.
Sicher ist es nur zu Hause
Bei alle diesen Angeboten sollte man jedoch eines nicht außer acht lassen: Auch wenn die Anbieter - so wie Mozy - versichern, die Daten ihrer Gratis-Kunden nicht anzutasten und schon gar nicht weiterzugeben, absolut sicher sein kann man sich da nicht. Was passiert beispielsweise, wenn ein solcher Dienstleister wirtschaftlich am Ende ist? Wer übernimmt dann die Haftung für die dort gelagerten Daten? Was passiert mit den Datenträgern, wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben? Und wie sicher sind eigentlich die Übertragungswege?
Kurz: wer ein paar Urlaubsfotos und MP3-Musik online auslagern will, ist mit den dargestellten Lösungen gut beraten. Vertrauliches Material, Steuer-Unterlagen und ähnliches sollte man aber doch lieber lokal lagern. USB-Sticks mit zwei Gigabyte Kapazität sind im Handel bereits für 30 Euro zu bekommen, können überall hin mitgenommen werden und funktionieren an fast allen Computern. Das Ende der lokalen Speicherplatten mag durch die günstigen Online-Festplatten also durchaus eingeläutet worden sein. Ein wenig müssen wir uns aber noch gedulden, bis das Internet die Harddisk im PC tatsächlich vollends ersetzen kann.
Hinweis: Google vermarktet sein Gratis-Postfach in Deutschland wegen eines Rechtstreits um den Namen GMail unter dem Namen GoogleMail.