Online-Handel: Alkohol als Problemlöser? - DER SPIEGEL
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Online-Handel Alkohol als Problemlöser?

Mit dem Online-Bücherkauf ist zurzeit kein Geld zu verdienen. Was tun also, wenn man einen Online-Buchhändler sein Eigen nennt? Ganz einfach, man verkauft einfach etwas anderes. Alkohol zum Beispiel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ursprünglich hieß Mediantis mal buecher.de. Damals verkaufte man - Sie ahnen es - Bücher im Internet. Dann wurde das dot-dee-ee zum Pechbringer und das Unternehmen benannte sich um in Mediantis. Nun verkaufte die Firma zwar immer noch Bücher. Doch das war aus dem neuen Namen nicht so klar ersichtlich, der klang eher nach einem Pharmakonzern. Die Geschäfte bei Mediantis liefen (und laufen) allerdings nicht berauschend. Ein Blick auf den Aktienkurs, der sich im Kampf um die Ein-Euro-Marke übt, beweist das.

Nun will das Unternehmen, das am Neuen Markt gehandelt wird, seine Probleme mit Alkohol lösen. Nicht direkt - eher mit dem Verkauf von Alkohol. Mit einem Online-Weinhandel will Mediantis seine Finanzmisere überwinden. Im Angebot seien zunächst 850 verschiedene Sorten aus aller Welt, teilte das Unternehmen am Montag mit. Mit Hilfe der hohen Margen soll das Minuszeichen in der Bilanz nicht ganz so groß ausfallen. Im vergangenen Jahr hatte Mediantis seinen Verlust von 11,5 auf etwa 25 Millionen Mark mehr als verdoppelt. In diesem Jahr will das Unternehmen ein Minus von 14,25 Millionen erreichen.

Auch Branchenprimus Amazon verkauft längst mehr als Bücher. In den USA gehen neben Büchern und CDs längst auch andere Waren über die virtuelle Einkaufstheke. Vom Schraubendreher zum Sportauto wird alles verhökert was nicht niet- und nagelfest ist. Auch hier zu Lande verkauft Amazon bereits Elektrogeräte.

Bleibt die Frage, ob Kunden einen Buchladen nicht vor allem wegen seiner Bücher schätzen. Die Verbreiterung der Angebotspalette um jeden Preis könnte das Profil der Online-Händler, die im Konkurrenzkampf zu den klassischen Anbietern derzeit ohnehin Probleme haben, noch weiter verwässern. Da hilft auch kein Wein.

Christoph Seidler