Online-Lotterie: Eine Milliarde Dollar zu gewinnen - DER SPIEGEL
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Online-Lotterie Eine Milliarde Dollar zu gewinnen

Grab.com will auffallen um jeden Preis - wenn's sein muss, mit einer Milliardenlotterie. Knackt ein Surfer den Jackpot, zahlt die Zeche eine Versicherungsgesellschaft.
Von Jochen A. Siegle
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auffallen um jeden Preis lautet die Devise junger Internet-Start-ups in der ebenso schnelllebigen wie krisengeschüttelten New Economy. Das amerikanische Web-Unternehmen Grab.com  nimmt das Motto mehr als wörtlich und heckte eine ganz besonders publicityträchtige Aktion aus: In einer Online-Lotterie verlost Grab.com die Schwindel erregende Summe von einer Milliarde Dollar. Ganz richtig, eine Milliarde Dollar - das sind gut 2250 Millionen DM.

"Unsere Strategie ist, so schnell wie möglich bekannt zu werden", erklärt Grab.com-CEO Andrew Warner. "Und sollte jemand die Milliarde Dollar gewinnen, ist ein gigantischer Presserummel garantiert."

Da hat er recht. Niemals zuvor gab es in einer Lotterie derart viel Geld zu gewinnen, Warner kann sich entsprechend schon jetzt über reges Medieninteresse freuen. "Wir bekommen Anrufe aus der ganzen Welt, alle wollen wissen, ob die Geschichte stimmt", sagt Warner. Und auch die Web-Community reagierte sehr schnell auf das "Billion-Dollar-Sweepstake": Pro Sekunde zählt die Site im Schnitt schon über 300 Zugriffe, in weniger als zwei Wochen beteiligten sich mehrere Millionen Surfer am Milliardenpoker. "Wir hatten ursprünglich mit 25 Millionen Teilnehmern gerechnet, diese Zahl wird aber sicher überstiegen", so der CEO.

Die Gewinn-Wahrscheinlichkeit: Eins zu zweieinhalb Milliarden

Das Lotterie-Spiel ist dabei mehr als simpel: Auf der Grab.com-Website sind aus 77 Zahlen sieben zu tippen. Wer bei der Auslosung am 29. Dezember sieben Richtige haben sollte, gewinnt eine Milliarde Dollar. Die Chance, dass tatsächlich jemand die richtige Zahlenkombination klicken wird, ist nur in einer ebenso astronomischen Zahl auszudrücken wie die Gewinnsumme: Sie steht bei minimalen 1 zu 2.404.808.340.

Für den Fall der Fälle hat sich Grab.com allerdings abgesichert. Sollte ein Internet-Surfer tatsächlich richtig liegen, wird die Versicherungsgesellschaft Berkshire Hathaway aus New England den Gewinn auszahlen - schön häppchenweise in 40 unterschiedlich großen Jahresraten. "Unsere größte Hoffnung ist nun natürlich, dass die Milliarde gewonnen wird", erklärt Warner. "Denn die zweistellige Millionenprämie müssen wir auf jeden Fall zahlen."

Agit Jain, Präsident der Special-Insurance-Division bei Berkshire Hathaway , sieht die Aktion recht gelassen: "Selbst wenn sich zig Millionen beteiligen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand richtig tippt, mikroskopisch klein." Jains Abteilung ist spezialisiert auf ungewöhnliche und sehr kapitalintensive Versicherungsfälle. So gehören etwa Naturkatastrophen - vor allem Erdbeben - zu seinem Repertoire. Entsprechend unbeirrt, auch vom PR-Effekt für sein Unternehmen, hatte Jain die Grab.com-Aktion rein mathematisch behandelt "und als kalkulierbar eingestuft".

Über ein Jahr haben Grab.com-Boss Warner, 26, und sein Partner Michael Khalili, 21, dafür gebraucht, die Milliardenlotterie auf die Beine zu stellen. "In Versicherungen, Werbung, Technik und Preisgelder für Parallel-Gewinnspiele haben wir nicht viel weniger als 100 Millionen Dollar investiert", rechnet Warner vor. Erst vor drei Jahren hatte der Jungunternehmer das Online-Marketingunternehmen MailBits.com  aufgebaut. Mittlerweile beschäftigt er 30 Mitarbeiter, die E-Mail-Newsletters zu allen möglichen Themenbereichen redaktionell aufbereiten. Nun soll der Grab.com-Ableger mit Online-Gewinnspielen Kasse machen, das Web-Sweepstake für Traffic auf der Site sorgen. Nebenbei dient die ganze Aktion natürlich auch dazu, Millionen von Surferdaten zu sammeln, denn nur registrierte User können am Gewinnspiel teilnehmen.

"Sollte diesmal der Jackpot nicht geknackt werden, wiederholen wir den Wettbewerb einfach", erklärt Warner selbstbewusst. "Unsere finanziellen Ressourcen erlauben es, das Spiel noch sechsmal durchzuführen." Die ganze Aktion ist also eine gigantische Geldvernichtungsmaschine - völlig unabhängig davon, ob die Milliarde nun gewonnen wird oder nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Grab.com das nächste Millionengrab der New Economy werden könnte, ist wesentlich höher, als den Hauptgewinn abzusahnen.

Sollte es dennoch eine Wiederholung geben, werden voraussichtlich auch deutsche Web-Zocker teilnehmen können. Bislang ist die Internet-Lotterie aus rechtlichen Gründen auf die USA, Kanada und England beschränkt.