Pentagon-Wettbewerb: Robot-Rennen quer durch die Wüste - DER SPIEGEL
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Pentagon-Wettbewerb Robot-Rennen quer durch die Wüste

Der Pentagon-Forschungsableger Darpa veranstaltet ein Autorennen von Los Angeles nach Las Vegas: Alles ist erlaubt, nur keine Fahrer. Warum? Darpa will, dass sich die Technikfreaks den Kopf über die Zukunft des Krieges zerbrechen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine Million Dollar will die Defense Advanced Research Projects Agency, kurz Darpa, unters Volk bringen. Wer Interesse an dem Geld hat, muss eigentlich nur ein Autorennen gewinnen: von Los Angeles nach Las Vegas.

Los geht es nächstes Jahr am 13. März, einem Sonntag. Wichtiges Detail: Die rund 480 Kilometer lange Rennstrecke durch die Wüste muss innerhalb von zehn Stunden und ohne Fahrer oder Fernsteuerung zurückgelegt werden. Es geht also um Fahrzeuge, die ihren Weg allein finden, autonom steuern, beschleunigen, bremsen und Hindernissen ausweichen können. So könnte also das Startkommando lauten: "Ladies und Gentleman, starten Sie bitte die Motoren - und dann Finger weg von den Autos!"

Schon mehr als 60 Teams haben sich angemeldet

Der Wettbewerb ist eine attraktive Herausforderung: Weit über 60 Mannschaften haben ihre Konstruktionen angemeldet: Tüftler und Technikfreaks, kleine Unternehmen und auch Teams von mehreren US-Universitäten gehen bei der Wüsten-Rallye an den Start. In den kommenden zwei Wochen werden alle Konzepte begutachtet, danach steht fest, wie viele der Teams tatsächlich ein eigenes Auto in den Wettbewerb schicken dürfen.

Die Darpa freut sich über den großen Zuspruch. Warum, das erklärt Don Shipley, ein von der Militäragentur eigens für das Rennen angeheuerter PR-Profi, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Wir wollen die Entwicklung von maschinengesteuerten Fahrzeugen für den Kampfeinsatz beschleunigen. Wir wollen neue Leute gewinnen, mit neuen Ideen". Mit dem Wüstenrennen sollen also Ideen für das Kriegsgerät der Zukunft gesammelt werden.

Hinter den Bemühungen der Darpa steht eine Vorgabe des US-Kongresses an das Verteidigungsministerium, wonach bis zum Jahr 2015 jedes dritte Bodenfahrzeug der US-Streitkräfte ohne menschlichen Fahrer auskommen muss. Und weil es bei den unbemannten Bodenfahrzeugen im Gegensatz zu Flugkörpern ohne Pilot - bekannt geworden sind hier die so genannten Drohnen - bislang kaum praktisch nutzbare Lösungen gibt, sind die Militärs auf die Ideen der Wissenschaftler und Tüftler angewiesen.

US-Unis und das Pentagon: Wenig Berührungsängste

Zu diesen Tüftlern gehört auch Dave van Gogh. Er ist Chef der gut 20-köpfigen Mannschaft vom California Insitute of Technology (Caltech) im sonnigen Passadena. Er sehe das Rennen vor allem als Herausforderung für die Studenten, sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Schon mehrere Kurse vor allem aus jüngeren Jahrgängen haben sich mit dem Design des Caltech-Mobils beschäftigt. Neben dem Antriebs- und Bremssystem bastelten sie vor allem an der Integration verschiedener Sensoren, die dem unbemannten Wüstenvehikel gewissermaßen die Augen öffnen sollen: Die Daten von zwölf optischen Kameras, einem Laserscanner, einem modifizierten GPS-Ortsbestimmungssystem und etlichen anderen Sensoren müssen von einem Zentralcomputer im Auto erfasst und interpretiert werden.

Eine Software, die ursprünglich für die Mars-Rover eingesetzt wurde, steuert dann mit Hilfe dieser Daten die Funktionen des vollautomatischen Renners - zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis bereitet das laut van Gogh noch einiges Kopfzerbrechen. Allerdings werde man die technischen Schwierigkeiten bis März irgendwie meistern, meint er.

Ethische Probleme mit der Forschung fürs Militär gibt es in seinem Team kaum, sagt van Gogh. Die Technik und die Herausforderung stünden bei den Bastlern von Passadena im Mittelpunkt: "Für die Studenten ist es wichtig, dass es eine coole Sache ist. Für sie zählt die Technik." Wenn man den Fakt akzeptiere, dass Kriege existierten, dann sei es auch in Ordnung, wenn man an Technologien arbeite, mit denen die Zahl ziviler Opfer reduziert werden könnte, so van Gogh.

Lukrative Folgeaufträge winken

Und obwohl der Caltech-Tüftler es so explizit nicht sagen möchte: Vor allem für die Unis geht es um viel beim Rennen. Es gilt nicht nur das Preisgeld einzustreichen, finanziell höchst attraktiv wird das Siegen vor allem durch mögliche Folgeaufträge der Darpa. Ein erster Platz beim Rennen würde die Chancen auf millionenschwere Forschungsprojekte für die Weiterentwicklung der fahrerlosen Vehikel steigen lassen, meint auch Don Shipley: "Das Gewinnerteam wird wahrscheinlich an der Entwicklung in der Zukunft beteiligt." , Und auch für die Darpa ist der Wettbewerb ein lohnendes Geschäft. Weil sich so viele Teams am Rennen beteiligen, bekommen die Militärtechniker Unmengen von Idee, Skizzen und Konstruktionszeichnungen auf die Schreibtische. "Auf diese Weise bekommen wir viel mehr als wenn wir ein normales Forschungsvorhaben fördern würden", gibt auch Shipley unumwunden zu.

So gesehen sind eine Million Dollar für die US-Militärs nicht viel Geld.

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