Playstation Portable im Test Das nächste kleine Ding
So klein das Kästchen, so groß sind die Erwartungen. Auf dem schlanken schwarzen Gehäuse der PSP lasten nicht nur die Hoffnungen von Sony. Film-, Spiele- und Musikindustrie versprechen sich einen kleinen mobilen Boom von der Multimediamaschine, denn die soll in der Lage sein, alles darzustellen: Musik, Filme, Spiele, Internet. Doch was kann die PSP wirklich?
In Deutschland gibt es das Gerät im Augenblick nur im "Value Pack", das heißt für etwa 250 Euro inklusive Kopfhörer mit Kabelfernbedienung, Ladegerät, Schutztasche, 32 MB Memory Stick Duo, Akku und Trageschlaufe. Dazu gibt es eine Demo-Scheibe, eine "Universal Media Disk" (UMD) wie Sony sein neu entwickeltes proprietäres Format nennt.
Auf UMDs wird es Filme geben - zunächst vor allem auf die Zielgruppe "Mann unter 30" gerichtete Titel wie "Hellboy" oder "Triple X" - und sie wird auch der Datenträger für alle PSP-Spiele sein. Die Zahl der für den Europa-Start aufgestellten Spiele ist überschaubar - aber sowohl Sony selbst als auch verschiedene Drittanbieter haben durchaus einige Knaller am Start.
Sony PSP: Kleiner Kasten, große Erwartungen
Vor allem im Bereich Sport- und Rennspiele ist die PSP schon so gut versorgt, dass man eine Zeitlang ohne Nachschub auskommen könnte: Eine neue Inkarnation des superschnellen Science-Fiction-Racers "Wipeout", eine neue Version der "Ridge Racer", dazu ein "Virtua Tennis" (in dem man auch als Tommy Haas über den Platz rennen kann), eine tragbare Version des Skateboard-Dauerbrenners "Tony Hawk's Underground", diverse Fußball- und Golf-Titel.
Für alle, die es etwas komplizierter mögen, gibt es "Metal Gear Acid", eine zum Sammelkarten-Spiel heruntergebremste Version von Konamis berühmter "Metal Gear Solid"-Reihe. 29 Spiele soll es zum Start insgesamt geben. Wer Bekannte hat, die auch eine PSP besitzen, kann per Ad-hoc-Netz Turniere organisieren. Bis zu 16 PSPs können nach Angaben von Sony so vernetzt werden - aber dafür muss sich die kleine Konsole erst einmal durchsetzen auf den Schulhöfen.
Knopf als Joystick
Gespielt wird ziemlich genau wie mit einem Controller der Playstation 2, der wiederum dem aller anderen aktuellen Konsolen vom Prinzip her gleicht: Der rechte Daumen herrscht über vier Knöpfe, mit denen geschossen, gehüpft oder Gas gegeben wird. Der linke bedient entweder vier Richtungstasten oder einen Analog-Stick, im Fall der PSP einen flachen, geriffelten Knopf, der gefedert gelagert ist und seitlich in alle Richtungen bewegt werden kann. Der ist etwas gewöhnungsbedürftig, und die Präzision eines amtlichen Controllers wird sich damit wohl nie erreichen lassen. Aber man gewöhnt sich an ihn - und gerade bei Rennspielen ist man mit den simpleren Richtungstasten ohnehin besser bedient.
An der Oberkante des Geräts gibt es zusätzlich zwei transparente "Schultertasten", die mit den Zeige- oder Mittelfingern bedient werden können - etwa, um bei "Wipeout Pure" elegant um die Kurven zu driften. Dazu kommen ein paar Tasten unterhalb des Bildschirms um Menüs aufzurufen, die Lautstärke, die Ton- und die Bildqualität einzustellen.
Das Display selbst ist einer der großen Pluspunkte der PSP: Es ist kristallklar, hell genug, um auch bei Tageslicht nutzbar zu sein, und die 480x272 Pixel Auflösung liefern farbintensive Bilder im 16:9-Format. Kino ist das nicht, aber die Privatbildschirme an den Sitzen der Erste-Klasse-Sitze im Flugzeug sind auch nicht größer. Der Klang der PSP hat etwa dieselbe Qualität wie der eines iPod - die mitgelieferten Kopfhörer allerdings taugen wenig und sind vor allem ausgesprochen leise.
Für das schnelle Spiel zwischen zwei U-Bahn-Haltestellen ist das Gerät aber nur bedingt geeignet: Vom Einschalten über den Boot-Prozess durch zahlreiche Menüs hindurch dauert es locker eineinhalb bis zwei Minuten, je nach Spiel, bis man losrasen oder den ersten Aufschlag übers Netz bringen kann. Und auch zwischen Levels oder Rennstrecken werden die Ladezeiten gelegentlich arg lang.
Trotzdem: Spielen kann man mit der PSP. Nicht mit so viel Innovation wie auf Nintendos Konkurrenzprodukt DS, dafür aber mit bewährter Steuerung und einem größeren Bildschirm. Wie aber sieht es mit all den anderen Fähigkeiten aus, die das Spielgerät zum Lifestyle-Accessoire für coole Menschen machen sollen?
Sony reicht Piraten neues Spielzeug
Filme auf UMD werden vorerst 20 Euro pro Stück kosten - eine saftige Investition für eine Scheibe, die man sich vielleicht einmal ansieht, im Spielkartenformat, und die nicht auf anderen Plattformen abgespielt werden kann. Einen Video-Ausgang hat die PSP nicht, und auf einem größeren Bildschirm würden die Filme auch nicht mehr besonders scharf aussehen. Ob Videotheken bald UMDs im Verleih haben werden, bleibt abzuwarten.
Weiter im zweiten Teil...
Man kann die PSP aber auch auf andere Weise mit Videos bestücken - und hier schleicht, durchs Hintertürchen, das herein, was dem Gerät wirklich Kultstatus verschaffen könnte. Mit Konvertierungsprogrammen, die es für etwa 20 Euro gibt, lassen sich viele Filmformate - auch DVDs - in PSP-taugliche Videos umwandeln.
Das geht relativ leicht, zumindest die notorischen Raubkopierer und Tauschbörsen-Nutzer, die die Industrie in Angst und Schrecken versetzen, werden keine Probleme damit haben. Wer bislang im Zug gesaugte Filme auf einem laut fönenden Laptop ansah, könnte schon bald mit entsprechend konvertierten Files und einer PSP dicht vor der Nase in der Bahn sitzen. Pikant, dass der Musik- und Kinoriese Sony den Piraten dieser Welt gerade ein neues Spielzeug gereicht hat.
Die Sache hat allerdings einen Haken: Der mitgelieferte Memory Stick Duo hat mit seinen 32 Megabyte gerade mal Platz für ein paar magere MP3s. Mit Videodateien ist das Gedächtnisstäbchen völlig überfordert. Abhilfe schaffen können größere Sticks, aber die sind teuer. Mindestens 70 Euro muss man derzeit für ein Gigabyte ausgeben, die derzeit größten Speicherkärtchen, auf die vier Gigabyte passen, gibt es für deutlich über 350 Euro. Wer seine PSP also als mobilen Filmspieler nutzen will, muss ordentlich drauflegen auf den ursprünglichen Kaufpreis. Und auch als MP3-Player lässt sich die PSP zwar nutzen - aber mit 32 Megabyte kommt man auch mit Musikdateien nicht aus.
Daten auf das Gerät zu bringen ist nicht schwierig - mit einem, allerdings nicht mitgelieferten, USB-Kabel lässt sich das Konsölchen an den PC anschließen. Der SPIEGEL-ONLINE-Testrechner erkannte das Gerät nach kurzen Startschwierigkeiten auch, Dateien lassen sich per Drag and Drop vom Rechner auf den in der PSP formatierten Memory Stick und zurück verschieben.
Fazit: Wer bereit ist, in zusätzlichen Speicher zu investieren, kann die PSP wirklich zum moblien Allzweckplayer umbauen. Als Alternative zum aufgerüsteten PDA oder zum Standalone-Medienspieler für unterwegs gewissermaßen. Und die Hardware der PSP ist, im Gegensatz zu dieser Konkurrenz, subventioniert, denn das Geld soll über den Verkauf von Spielen und Film-UMDs verdient werden.
Auch ins Internet soll man mit der PSP können, allerdings erst, nachdem man ein Softwareupdate von der beigelegten UMD installiert oder es aus dem Netz heruntergeladen hat. An einem WLan-Hotspot kann man mit der kleinen Konsole dann tatsächlich ins Netz - wenn der Zugang mit WEP oder WPA verschlüsselt ist.
Wer aber einen WLan-Router zu Hause stehen hat, könnte die Konsole jetzt als mobilen Netzzugang neben sich auf dem Sofa liegen haben. Das funktioniert, ist allerdings nicht übermäßig komfortabel. Der kleine Bildschirm ist zum Betrachten von Webseiten nicht gut geeignet, die Navigation über Analogstick und Steuertasten ist, gelinde gesagt, gewöhnungsbedürftig.
SMS tippen wie mit einem Zahnstocher
Zudem ist der PSP-Browser ziemlich langsam, und der Arbeitsspeicher so klein, dass größere Seiten mit vielen grafischen Inhalten - wie etwa SPIEGEL ONLINE - zuerst eine Fehlermeldung hervorrufen und dann nur bildfrei angezeigt werden. Richtig unangenehm wird es, wenn man eine Webadresse eingeben oder gar eine E-Mail schreiben will - denn die PSP hat keine Tastatur. Wer tippen will, muss geduldig sein, und sich Buchstabe für Buchstabe mit dem "virtual keypad" herumquälen, einer Art menügesteuerter Handy-Tastatur. Das ist wie SMS tippen mit einem Zahnstocher.
Fazit: In punkto Vielfalt kann der PSP tatsächlich im Moment niemand das Wasser reichen. Sie ist - nach Zusatzinvestitionen - als mobiler Medienplayer zu gebrauchen, mit etwas Mühe lässt sie sich zum Netz-Surfen nutzen. Und als Spielgerät ist sie zwar nicht so innovativ wie die Konkurrenz, aber technisch äußerst ausgereift - und mit einer gewaltigen Marktmacht im Rücken versehen, die qualitativ hochwertigen Spielenachschub verspricht.