Praxis-Test: Smart-Phone xda - DER SPIEGEL
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Praxis-Test Smart-Phone xda

Die Kreuzung aus Internet-PDA und Handy nennt sich beim Mobilfunkanbieter O2 xda. SPIEGEL ONLINE hat das Gerät einem zweiwöchigen Praxistest unterzogen.
Von Mario Gongolsky
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der xda ist so etwas wie eine eierlegende Wollmichsau. Nach Angaben der Verkäufer ermöglicht er den einfachen Zugang zu Internet, E-Mail-, SMS- und WAP-Diensten. Neben dem Telefonieren und dem Arbeiten mit Word- und Excel-Dokumenten müsse der Nutzer natürlich auch nicht auf die geschätzten PDA-Funktionen wie der Kontakt- und Terminverwaltung verzichten. Ein mobiles Büro in einer Hand? Die Testpersonen bekamen glänzende Augen.

Bedingung für den lustvollen Gebrauch eines Smartphones wie des XDA ist allerdings eine gewisse Kompromissfähigkeit seitens des Benutzers: Der Bildschirm ist viel kleiner als bei einem Laptop und damit zum Arbeiten natürlich weit weniger komfortabel. Zum Telefonieren ist das Gerät im Vergleich zu herkömmlichen Handys wiederum zu groß.

In Sachen Hardware kam der xda bei unseren Testern gut weg. Vor allem das farbige TFT-Display (4.096 Farben) wurde wegen seiner Darstellungsqualität (Auflösung 240 x 320 Pixel) gelobt. Auch der Navigationsstift, der bei Nichtgebrauch seinen Stammplatz in der Antenne einnimmt und so nicht verloren geht, bekam gute Noten.

Etwas anders sah es schon beim Herz des Mini-Rechners aus. Der 32-Bit-Prozessor Strongarm SA1110, der mit 206 MHz getaktet ist, ermöglicht zwar meistens ein flüssiges Arbeiten. Der Hauptspeicher wurde jedoch mit 32 MB RAM/32 MB ROM zu dürftig bemessen. Er kann jedoch über einen Einschub für SD/MM-Karten am unteren Geräterand aufgerüstet werden.

Das Smart-Phone von O2 arbeitet mit dem Betriebssystem "Pocket PC 2002 Phone Edition" von Microsoft. In einigen Extrem-Situationen führte es allerdings zu ungeplanten Abstürzen. An manchen Stellen ist das System auch noch nicht ganz eingedeutscht; problematischer gerade für Durchschnittsanwender ist aber die in manchen Konfigurationsmenüs fehlende Möglichkeit, Eingaben abzubrechen.

Eigentlich verfügt der xda über eine Software, die sich beim ersten Start automatisch konfiguriert und auch die Wahlparameter für GSM- (900 und 1800 MHz) und GPRS-Verbindungen übernimmt. Die automatische Konfiguration der Internet- und WAP-Dienste war allerdings bei manchen unserer Tester erfolglos, so dass das Handbuch zu Rate gezogen werden musste. Nach einigen Anläufen ist die Konfiguration dann geglückt.

Richtig Freunde bereitete das Surfen im Internet im PDA-gerechten Portal von O2, das eine optimale Darstellung gewährleistet und bereits einige interessante Location Based Services integriert. Ansonsten sorgt der integrierte "Mobile Internet Explorer" für eher wenig Spaß im World Wide Web. Probleme bereiten vor allem die für hohe Auflösungen optimierten Seiten oder solche, die Frames, Darstellungen mit CSS oder sogar Plug-Ins verwenden. Profis finden zwar auch dann noch oft den Weg zum Ziel, doch das dauert.

O2 ergänzt den "reinen" xda auch um praktische Anwendungen. Beispielsweise soll noch im September Immobilienmaklern eine eigene Branchenlösung angeboten werden. Zusammen mit dem Kooperationspartner Ametanet Real Estate Software GmbH (www.ametanet.com) sollen Immobilienmakler während einer Besichtigung vor Ort über die Software "Mobile Makler" Kunden hochaktuelle alternative Angebote unterbreiten können. "Wir kooperieren exklusiv mit O2 Germany. Mit Angeboten wie dem xda können wir den Mobilen Makler optimal einsetzen", erklärt Christian Kaindl, CEO von Ametanet Real Estate Software.

Als praktisch erweist sich vor allem die E-Mail-Funktionalität mit Zugriff auf ein eigenes Postfach. Möglich ist die Verwendung einer beliebigen E-Mail-Adresse, solange der verwendete Internet Service Provider die Abfrage und das Versenden über POP3/SMTP oder IMAP4 zulässt. Die Konfigurationseinstellungen erweisen sich in diesem Fall als problemlos.

Auch die Telefonfunktionen kamen bei den Testern gut an, vor allem was die schnelle Anwahl von Rufnummern aus dem Adressbuch anging. Leider ist eine Rückrufmöglichkeit bei SMS-Nachrichten, die eine Rufnummer enthalten, nicht möglich.

Der xda wiegt laut Herstellerangaben und eigener Waage lediglich 200 Gramm, was in Anbetracht des Leistungsumfangs durchaus vertretbar ist. Auf der Habenseite des Gerätes stehen laut Hersteller bis zu 3,5 Stunden Sprechzeit oder etwa 15 Stunden PDA-Arbeitszeit oder rund 150 Stunden Stand-by.

Die mitgelieferte Docking-Station ist ganz passabel, den Datenabgleich mit dem eigenen PC übernimmt die mitgelieferte Software ActiveSync. Das Synchronisieren oder das Aufladen des eingebauten Lithium-Polymer-Akkus wird nur dann umständlich, wenn die mitgelieferte Lederschutzhülle - wie vorgesehen - mit dem xda verwendet wird. Mit Schutzhülle passt das Gerät leider nicht mehr in die Docking-Station. Ziemlich praktisch dagegen ist, dass sich der Netzadapter bei Reisen nach Großbritannien einfach tauschen lässt.

Das Fazit unserer Tester: Mit dem sehr guten Farbdisplay und seiner überzeugenden PDA-Funktionalität, segelt der xda der Konkurrenz derzeit klar voraus. Für einen wirklichen Westentaschen-PC ist das Smart-Phone mit seinem Gewicht allerdings noch ein wenig zu Jackett-feindlich, wenn man nicht gerade einen xda-Halfter tragen möchte. Und noch ein Tipp: Wer häufiger mit dem xda telefoniert, sollte das mitgelieferte Headset benutzen, sonst gibt es störende Ohrabdrücke auf dem Display.