Preiskampf der Chipschmieden: Billig, billiger, bald bankrott? - DER SPIEGEL
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Preiskampf der Chipschmieden Billig, billiger, bald bankrott?

Die gute Nachricht: PCs dürften noch vor Weihnachten billiger werden. Die schlechte: Besitzer von AMD- und Intel-Aktien brauchen auf Gewinne vorerst nicht zu hoffen. Ihre Unternehmen versuchen gerade mit kostspieligen Preiskämpfen, sich gegenseitig den Garaus zu machen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Des Kunden Freud, des Buchhalters Leid: Ihre Gewinne werden die Prozessorschmieden AMD und Intel wohl vergessen können, wenn der Preiskampf so weitertobt. Selbst Spitzenmodelle laufen nun zu Sonderangebotspreisen.

Kaum ein Wettbewerb wird mit so harten Bandagen ausgefochten wie der um den Markt der Prozessoren. Der wird, von einigen wenigen kleineren Playern abgesehen, im Grunde von zwei Unternehmen beherrscht: Intel und AMD. Sie setzen die Standards - und sie bestimmen die Preise.

Die purzeln seit einem Jahr schneller, als man folgen kann. Gerade eben erst beginnt sich die letzte Preisabsenkung auf die Großhandelspreise auch im Einzelhandel auszuwirken, da ging am Montag Intel erneut in Vorlage und senkte seine Preise um bis zu 30 Prozent.

Mehr als eine wenige Stunden währende Denkpause leistet sich Konkurrent AMD in solchen Fällen nie und folgte stante pede mit eigenen Preisnachlässen. Die fielen diesmal ungewohnt zaghaft aus: Gerade einmal zwölf Prozent ging's abwärts. Das hat gute Gründe und liegt sicherlich nicht daran, dass AMD die Konkurrenz nicht weiter unterbieten wollte.

Denn nach wie vor ist AMDs Hauptverkaufsargument der gegenüber Intel deutlich günstigere Preis bei gleicher Leistung. Doch mittlerweile ist dieses Rezept, mit dem AMD dem alten Branchensaurier Intel in den letzten zwei Jahren kräftig Marktanteile abjagte, zunehmend eine Last. Die Gewinnmargen im Chip-Geschäft, auf Grund der exorbitant hohen Entwicklungskosten notorisch klein, schmelzen dahin - und sind praktisch nicht mehr vorhanden.

Nachdem AMD in den letzten zwei Jahren einen alle Experten überraschenden Aufstieg hingelegt hatte und tatsächlich die Regionen schwarz geschriebener Bilanzzahlen zu erreichen schien, ist das spätestens seit der Verschärfung des Preiskampfes in diesem Jahr auf absehbare Zeit vorbei. AMD hatte im dritten Quartal kräftige Verluste verbucht und auch für das vierte Quartal vor erneuten Verlusten gewarnt. Die dürften nun noch einmal steigen.

Auch dem alten Platzhirschen Intel, der mit großer Aggressivität sein Quasi-Monopol verteidigt, ging es im gleichen Zeitraum kaum besser: Auch hier fordert der unerbittliche Preiskampf seinen Tribut. Im Zweifelsfall jedoch, darauf setzt Intel, dürfte das Großunternehmen den längeren Atem haben.

Wenn es sich nicht weiter herumspricht, dass AMD oft die besseren Produkte vorlegt. In Vergleichstest schneiden AMD-Prozessoren in aller Regel besser ab als selbst augenscheinlich höher getaktete Produkte aus dem Hause Intel. Intel schafft zwar höhere Taktraten, doch ist das, sagt AMD, zunehmend irrelevant. Das Unternehmen zog daraus die Konsequenzen und gibt seit einiger Zeit nicht mehr die Taktrate seiner Prozessoren an, sondern eine Bezugsgröße, die auf verschiedenen Benchmark-Messungen beruht.

So soll ein AMD "1800+" in der Gesamtperformance einen 1,8 Gigahertz-Pentium-Prozessor ausstechen. Nach der Überprüfung der heftig umstrittenen AMD-Chip-Kennzeichnung urteilten die Experten der Computerbibel "c't", die Namensgebung sei unter dem Strich sogar "bescheiden".

Bevor sich das weiter herumspricht, setzt Intel auf sein Renommee, das dem Unternehmen nach wie vor den größten Teil des Business-Marktes sichert, und senkt die eigenen Preise auf ein vergleichbares Niveau wie AMD - da kommt der Herausforderer nicht mehr mit.

So kostet ein Intel P4 mit 1,8 Gigahertz Taktrate im Großhandel nun nur noch 225 Dollar pro Stück. Das - leicht leistungsfähigere - AMD-Modell schlägt mit 223 Dollar zu Buche. Ein mikroskopischer Preis- und Leistungsvorteil, der die Assembler kaum dazu bewegen wird, in ihren Rechnern nun AMD statt Intel zu verbauen. Denn Intel hat die Werbekraft, die eigene Marke zum Qualitätssiegel zu erheben ("Intel inside") - und so quasi durch die Hintertür die Produkte der Assembler gleich mit zu bewerben.

Den größten Preisnachlass gewährt Intel beim 1,9 Gigahertz P4, der um rund ein Drittel auf 273 Dollar fiel.

Die Börse quittierte die neue Runde im Preiskampf umgehend mit kräftigen Abschlägen bei beiden Unternehmen. Intel-Aktien verloren 6,5 Prozent, während AMD mit einem Minus von 7,54 Prozent das größere blaue Auge einstecken musste.

Bis zum nächsten Mal, wenn AMD wieder einmal die Produkte des großen Konkurrenten leistungsmäßig aussticht? Das, da ist man sich bei Intel sicher, wird nie wieder geschehen. Analysen von AMD-Produkten hätten ergeben, dass die Athlon-Technologie bis an ihre Grenzen entwickelt sei, während beim P4 noch einige Steigerungen drin seien.

Tatsächlich beginnen sich bei AMD die Gegenargumente zu wiederholen: Das stimme nicht und sei auch nicht relevant, weil unter dem Strich die Gesamtperformance zähle. Jetzt kommt es für AMD darauf an, ob die Kunden dies ähnlich sehen.

Frank Patalong