Primitive Kommunikation Internet via Bongo-Trommeln
Alles begann während einer Vorlesung über das so genannte Open-Systems-Interconnection-Referenzmodell (OSI). Hört sich schwierig an, regelt aber nur die Kommunikation innerhalb eines Netzwerkes und ist weltweit anerkannt.
Zur Auflockerung der trockenen Materie stellte Professor George Townsend eine These auf: Durch den Aufbau des OSI-Modells in verschiedenen Schichten sei es möglich, eine Ebene durch eine beliebige Technologie zu ersetzen - trotzdem würde alles wie gewohnt funktionieren. Oder anders ausgedrückt: Computer können sogar über Bongo-Trommeln kommunizieren. Für diese waghalsige Behauptung erntete der Professor zunächst nur skeptische Blicke.
Doch die Studenten des Accelerated Second Degree Programs der Algoma Universität in Sault Ste. Marie in Ontario wollten die These nicht im Raum stehen lassen. Darauf hat wahrscheinlich auch Townsend spekuliert, denn schließlich wusste er, vor wem er sprach. Teilnahmevoraussetzung für den Schnellstudiengang ist unter anderem ein Bachelor of Arts oder ein Bachelor of Science in einem anderem Fach. "Durch diesen Hintergrund sind die Studenten sehr skeptisch, wenn man ihnen erzählt, dass Bongo-Trommeln einen Teil eines Netzwerkes ersetzen können - sie verlangen Beweise", sagt Townsend. Deswegen versprach der listige Professor jedem seiner Studenten Extra-Punkte, falls es ihnen gelingen sollte, Datentransfer über Bongo-Trommeln abzuwickeln.
Synthetische Trommeln aus Lautsprechern
Zügig machten sich die Studenten ans Werk. Nach acht Wochen harter Gehirnarbeit und endlosen Bongoschlägen präsentierten sie der Öffentlichkeit ihre Arbeit. Die Übertragungsgeschwindigkeit betrug zwar nur magere 2 Bit pro Sekunde - doch damit war die These bewiesen und die moderne Bongo-Kommunikation geboren.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit kommunizierte ein Computer via Bongo-Trommel mit dem Internet. Die Bongo-Geräusche kamen allerdings nur aus dem Lautsprecher. Erst in einem nächsten Experiment wollen die Studenten die synthetischen Trommeln durch echte ersetzen.
Aus heißen Trommelabenden mit gleichzeitigem Ausflug ins Internet für die Allgemeinheit wird aber nichts. "Das Projekt hat keinerlei praktischen Nutzen", enttäuscht Townsend die Bongofans auf der ganzen Welt. Dafür war das Projekt ein "exzellentes Lernmodell für seine Studenten". Alle hätten sehr viel über Netzwerke gelernt und dementsprechend die Note eins bekommen.
Bald auch Rauchzeichen online
Wer jetzt auf die Idee kommt, auch Brieftauben zur Datenübertragung einzusetzen, der ist etwas spät dran. Bereits im Mai 2001 testete eine norwegische Linux-Gruppe die Übermittlung von Netzwerkdaten mittels Brieftauben. Die "Bergen Linux User Group" verwendete dabei das so genannte Carrier Pigeon Internet Protocol (CPIP), das auf dem von David Waitzman geschriebenen Brieftauben-Standard basiert.
Professor Townsend möchte auch künftig mit seinen Studenten aus aller Welt trockene Theorie in anschauliche Praxis umsetzen. Irgendwann möchte er "die berühmte alte nord-amerikanische Kommunikation der Indianer mittels Rauchzeichen" in ein Netzwerk einbauen. Die Rauchzeichen sollen dabei von einer Digitalkamera aufgenommen und von einem Computer in Daten umgewandelt werden. Townsend: "Ein großes Rauchzeichen könnte für ein Bit mit dem Wert 1 und ein kleines Rauchzeichen für ein Bit mit dem Wert Null stehen". Zunächst aber widmet sich der Professor mit der Vorliebe für primitive Kommunikationsformen erstmal seiner eigenen Karriere: Demnächst zieht er von Kanada nach Österreich, um in Graz an einer Gehirn-Computer-Schnittstelle zu arbeiten.