Profi-Handheld Tungsten T Palms schwerer Stein
Zwar bedeutet "Tungsten" im Schwedischen auch so etwas wie "schwerer Stein" - genau das ist das neue T-Modell von Palm aber zum Glück nicht geworden, im Gegenteil. Der Tungsten T ist der zurzeit wohl kleinste und handlichste Handheld überhaupt. Mit seinem nur etwa zehn Zentimeter langen und 7,5 Zentimeter breiten Gehäuse liegen die 150 Gramm Handheld-Computer ausgesprochen gut in der Hand. Nur ein wenig dick ist der Kleine geworden: Knapp 1,5 Zentimeter ist aber gerade noch akzeptabel.
Das Längenmaß gilt indes nur in zusammengeschobenem Zustand. Zieht man nämlich ein wenig am Gehäuse, werden es unten gut zwei Zentimeter mehr: Das Grafitti-Schreibfeld wird sichtbar und erlaubt Eingaben per Stift. Eigentlich ein Design-Gag, der dem Tungsten T aber einen Spitzenplatz in der PDA-Hitliste bescheren dürfte.
Fälliger Innovationsschub: Palm holt auf
PDA-Briketts gibt es schließlich schon genug. Die Aufgabe, einen Handheld zu entwickeln, der trotz der Verspätung im Wettrennen um Marktanteile noch auf die Überholspur geht, haben die Palm-Entwickler gut gelöst. Kleiner und handlicher als die Konkurrenz von Compaq und Sony, zugleich aber technisch auf dem Stand der Technik zu sein, genau das war die einzige Chance von Palm. Das Image vom PDA-Pionier und -Primus wäre sonst endgültig verloren gewesen. Noch benutzen viele Menschen, vor allem in den USA, den Begriff "Palm Pilot" so wie "Tesa Film" oder "Uhu" als allgemeine Bezeichnung für einen Taschencomputer. Immer mehr setzt sich inzwischen aber die Bezeichnung "Pocket PC" durch.
Bluetooth statt Mobilfunk
Zwar ist das ab sofort in Deutschland verfügbare Modell T kein Gerät, das Handy und Organizer verbindet, so wie sie die von einstigen Palm-Mitarbeitern gegründete Firma Handspring im Programm hat. Ein ebensolches ist der "Tungsten W", der bis auf weiteres jedoch nur in Nordamerika und Großbritannien, nicht jedoch bei uns zu haben sein wird.
Der am Montag vorgestellte "T" hat dafür aber Bluetooth an Bord. Und das ganz ohne Stummelantenne, Zusatzkärtchen oder Modulanhängsel - Bluetooth ist einfach mit drin.
Was zur Folge hat, dass man mit dem Kleinen durchaus höchst komfortabel ins Internet gehen kann. Unterwegs leistet hier ein Handy mit integriertem Bluetooth-Chip die Vermittlungsarbeit ins Mobilfunknetz, muss dazu jedoch nicht angefasst werden, sondern darf im Sakko, in der Handtasche oder im Aktenkoffer verbleiben.
Wer kein Bluetooth-Handy besitzt, kann die Verbindung zum Modem-Handy auch per Infrarot-Fenster aufbauen. Im Büro oder zu Hause nimmt Tungsten T per Bluetooth Kontakt zu einer mit Bluetooth ausgestatteten Telefonanlage (die gibt's!) oder einem Modem auf. Von dort aus geht's dann weiter ins Internet.
Palm könnte also mit seinem neuen Handheld zu einem wahren Bluetooth-Motor werden und würde der vor sich hin dümpelnden Technik ein wenig auf die Sprünge helfen und ihr tatsächlich sinnvoll nutzbare Anwendungen bringen. Mit dem Programm "BlueBoard", das sich auf den mitgelieferten CDs befindet, können zudem mehrere Tungsten-T-Besitzer eine Art virtuelles Flipchart bearbeiten: Was einer von den Teilnehmern einzeichnet oder schreibt, erscheint sofort auf dem Schirmchen von allen anderen, da eine permanente Synchronisation via Bluetooth stattfindet.
Starke Eckdaten
16 Megabyte RAM hat Tungsten T unter der bläulich schimmernden Aluminium-Haube, 14 Megabyte stehen davon dem Benutzer tatsächlich zur Verfügung. Der OMAP-1510-Prozessor von Texas Instruments wird mit 144 Megahertz getaktet und verleiht dem flotten Palm-PDA endlich auch genügend Power, um MP3-Musik abzuspielen. Ein Kopfhörer-Anschluss ist vorhanden. Gespeichert werden könnten die Musik-Daten dann auf MultiMedia- oder Secure-Digital-Cards - ein entsprechender Steckplatz ist vorhanden und wird nun auch nicht mehr durch eine Bluetooth-Karte belegt.
Leider ist noch keine entsprechende Software mit dabei, und auch ein Ohrhörer gehört nicht mit dazu. Ganz neu: Wer lieber Knöpfchen drückt, als virtuelle Pfeile anzutippen, der kann Menüs nun auch mit Hilfe des "5-Wege-Navigators" durchblättern. Eine Vier-Tasten-Wippe mit Enter-Taste in der Mitte ersetzt die bisher Palm-üblichen zwei Richtungsknöpfchen. Die vier Kurzwahl-Tasten für Kalender-, Adressbuch-, Aufgabenlisten- und Notizblock-Programm hingegen sind nach wie vor vorhanden. Das vordergrundbeleuchtete TFT-Farb-Display des Handschmeichlers Tungsten T erreicht mit 320 mal 320 Bildpunkten eine doppelt so hohe Auflösung wie das des Vorgängers "m515" und stellt zum Beispiel Fotos nun tatsächlich erkennbar dar.
Fazit: Schick, schnell, teuer
Alles in allem hat sich das Warten auf Tungsten also gelohnt.
Das Arbeiten mit ihm macht richtig Spaß, und man nimmt ihn gerne überall hin mit, weil er so schön handlich ist. Bleibt eigentlich nur noch eines: der Preis.
Tja, und der ist im Moment noch ein echtes Problem. Mindestens 599 Euro wird man wohl für den neuen Profi-Palm hinblättern müssen. Was über den Daumen zwar rein rechnerisch der Formel "m515 plus Bluetooth-Karte" folgt, für viele Interessenten aber wohl jenseits der Schmerzgrenze liegt, die für ein solches Gerät deutlich niedriger liegen dürfte. Es bleibt also zu hoffen, dass sich der Straßenpreis noch nach unten bewegt, damit Tungsten T nicht wie ein "schwerer Stein" in den Regalen liegen bleibt.