Prozessorkrieg: AMD will Intel mit Design Paroli bieten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Prozessorkrieg AMD will Intel mit Design Paroli bieten

Lange waren Intels Desktop-Prozessoren langsamer als die von AMD. Doch mit dem Intel Core 2 Duo hat sich das geändert. Erzrivale AMD versucht, mit bunten PC-Aufklebern zu kontern, auf denen "Better by Design" steht. Eine sinnvolle Strategie?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

AMD oder Intel? Auf diese Frage kennen leistungsorientierte Anwender wie Gamer seit Jahren nur eine Anwort: AMD natürlich. Der ewige Zweite auf dem Prozessormarkt konnte so seinen Marktanteil kontinuierlich ausbauen. Er liegt - nach Stückzahlen berechnet - mittlerweile bei mehr als 20 Prozent, so zumindest die Angaben der Marktforscher von Mercury Research.

Doch in den letzten Monaten mehrten sich die Zweifel, ob AMD seine Erfolgsstory fortschreiben kann. Heute erst musste der amerikanische Chiphersteller für das vierte Quartal 2006 einen Verlust von 574 Millionen Dollar vermelden - nach einem Gewinn von 96 Millionen Dollar vor einem Jahr. Zwar ist darin eine außerordentliche Belastung in Höhe von 550 Millionen Dollar im Zusammenhang mit der 5,4 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Grafikchipherstellers Ati enthalten. Doch auch die Prozessorgeschäfte liefen weniger gut als in den Quartalen zuvor.

Einer der Gründe, da sind sich Beobachter einig, dürfte Intels äußerst erfolgreicher Prozessor Intel Core 2 Duo sein. "Fast alle diese Prozessoren sind schneller oder genauso schnell wie ihre AMD-Pendants", sagte Christof Windeck, Hardwareexperte bei der Computerzeitschrift c't im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Es gebe einen regelrechten Hype um Intels Core 2 Duo.

Verspätete Antwort auf "Intel inside"?

Bei AMD denkt man mittlerweile um und versucht, nicht den Prozessor allein als das non plus ultra darzustellen. Mit dem Marketingprogramm "Better by Design" will AMD das Zusammenspiel mit anderen PC-Komponenten wie Grafik stärker in den Fokus rücken.

Dazu passt die Übernahme des Grafikspezialisten Ati, doch auch dessen Konkurrent Nvidia und andere Chiphersteller wie Broadcom oder Airgo sind Teil von "Better by Design". PCs sollen mit Aufklebern versehen werden, auf denen die Markennamen der Komponentenhersteller prangen.

Das erinnert ein wenig an die "Intel inside"-Kampagne, die zwar inhaltlich kaum etwas aussagte, aber trotzdem sehr erfolgreich war. AMDs Design-Initiative geht jedoch weit über klassisches Markenpromoting hinaus: Das Unternehmen will die Stärken besserer Grafik gegen den Rivalen Intel ausspielen, der zumindest in Business-PCs relativ einfache Grafikchipsätze verbauen lässt.

AMD hofft unter anderem auf den Vista-Effekt. Wer die 3D-Spielereien im neuen Windows oder den Aero-Look nutzen will, braucht eine gute Grafikkarte. Onboard-Chipsätze reichen dafür nicht aus. "Grafik ist eine Schlüsselkomponente, wenn man ins Vista-Zeitalter wechselt", sagte AMD-Manager Scott Shutter gegenüber Cnet. Sowohl Privatkunden als auch Geschäftskunden würden nach mehr Systemperformance verlangen. "Better by Design" soll genau diese liefern.

Mancher Analyst hat jedoch so seine Zweifel, ob der technisch weniger bedarfte Kunde tatsächlich so großen Wert auf Grafik legt, wie man bei AMD glaubt. Der niedrigere Preis entscheide letztlich, glauben viele, und der spreche dann für die Onboard-Grafik.

30 Prozent Marktanteil eher ein Traum

"AMD ist grundsätzlich auf dem richtigen Weg", meint c't-Experte Windeck - nicht nur in Bezug auf die "Better by Design"-Kampagne. Auch in Sachen Business-PCs, die mehr als die Hälfte des Geschäfts ausmachen, habe AMD richtig gehandelt und eine "Commercial Stable Image Platform" (CSIP) entwickelt. Dabei geht es um eine über mehrere Jahre stabile PC-Hardware-Plattform, die vor allem Großkonzerne mit Tausenden Rechnern verlangen. Eine ähnliche Plattform gibt es von Intel schon länger. CSIP zeigt bereits die ersten Erfolge: Neben HP hat kürzlich auch Dell einen AMD-bestückten Bürorechner im Programm, der für Großkunden eine interessante Alternative zu Intel-PCs darstellt.

Kritisch für AMD ist laut Windeck, dass der Prozessor Intel Core 2 Duo schnell und günstig zugleich ist. AMD habe bislang seine Prozessoren zu einem höheren Preis verkaufen können als Intel, weil diese Geschwindigkeitsvorteile hatten. Jetzt gerieten die Preise für AMD-Desktop-Prozessoren stärker unter Druck, was auch die Erträge mindere.

Schwächen sieht der c't-Experte bei AMD auch im Mobilbereich. Mit Intel könne das Unternehmen da nicht mithalten. Vor allem bei Business-Notebooks, wo es auf besonders lange Akkulaufzeit ankommt, tue sich AMD schwer. "Das Hauptproblem ist, dass AMD mit seiner neuen Prozessorgeneration nicht schnell genug am Markt ist."

Das von AMD selbst vorgegebene Ziel - ein Marktanteil von 30 Prozent bei Prozessoren -, dürfte deshalb wohl noch nicht so schnell erreicht werden.

Mehr lesen über