Push-E-Mail Microsoft macht BlackBerry Konkurrenz
Microsoft sorgt für Schlagzeilen von der Mobilfunkmesse 3GSM, die heute erstmals in Barcelona ihre Pforten öffnet. Die bisher im französischen Cannes beheimatete Messe gilt als die wichtigste Veranstaltung ihrer Art in Europa - und Microsoft sei dank dokumentiert sie nun schon am ersten Tag, dass von ihr mehr als nur eine neue Palette frischer Handys zu erwarten ist.
Denn relevant ist, was Märkte bewegt - und genau das hofft Microsoft mit seiner "Push-E-Mail"-Initiative und prominenten Partnern zu schaffen.
Bisher war dies vor allem die Domäne des BlackBerry-Entwicklers RIM. Der aber hat massive Probleme aufgrund eines schwelenden Patentstreits, der den ganzen Service in Frage stellt. Zwar konnte RIM in diesen Tagen einen technischen "Workaround" vorstellen, das BlackBerry-Kunden einfach herunterladen können sollen und mit dessen Hilfe sich das Patent schlicht "umgehen" lässt, doch noch ist die Sache nicht vom Tisch. RIM bekommt das bereits in Form einer merklichen Kaufenthaltung zu spüren. Kein Wunder, wer kauft sich ein teures Endgerät, wenn er nicht weiß, ob das in ein paar Monaten noch seinen Dienst tut?
Die Zeit ist also günstig für Microsoft, denn die Kundschaft will einen zukunftsfähigen Standard. Den hofft MS nun mit Hilfe von Vodafone, Cingular, T-Mobil und anderen Handy-Netzen, aber auch Tech-Partnern wie Hewlett-Packard, Fujitsu-Siemens und Chungwa etablieren zu können. Sie alle liefern ihren Kunden Updates für den auf Microsoft-Smartphones zugeschnittenen E-Mail-Dienst des Unternehmens.
Der "drückt" seit Oktober letzten Jahres eingehende E-Mails über das Mailprogramm Outlook und den MS Exchange-Server auf entsprechende Handys - und stellt damit in Frage, warum man eigentlich ein Extragerät wie BlackBerry für diese Funktion braucht. Angesichts fallender Preise für solche Messenging-Dienste glaubt Microsoft, bald auch ein breites Publikum ansprechen zu können. Zunächst soll dies in Kooperation mit örtlichen Telekommunikationsfirmen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien geschehen. Die Services richten sich allerdings weiterhin vor allem an Business-Kunden.
Denn Otto-Normaluser war all das bisher viel zu teuer. Genutzt werden Push-E-Maildienste bisher vor allem geschäftlich. Weltweit soll es circa 10 Millionen Nutzer solcher Services geben, von denen gut 43 Prozent ein BlackBerry in der Tasche tragen. Microsoft hingegen träumt seit Jahren davon, im Markt der Mobiltelefonie zu einer echten Größe zu werden. Die Schnittstelle hin zur rechnerbasierten elektronischen Kommunikation könnte dem Unternehmen nun neue Chancen eröffnen. Erstmals trauen Branchenanalysten Microsoft zu, in einem Segment des Mobilmarktes wirklich einmal die Nase vorn zu haben. Wenn dies geschieht, auch daran dürfte es kaum einen Zweifel geben, wird das auf Kosten von BlackBerry geschehen.
pat/AP/reuters