Raubkopien: Immer mehr illegal gebrannte DVDs - DER SPIEGEL
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Raubkopien Immer mehr illegal gebrannte DVDs

Das illegale Kopieren von Spielfilmen hat in Deutschland drastisch zugenommen. Die Filmbranche gibt sich dennoch zufrieden. Im Kampf gegen die Raubkopierer habe man einen Etappensieg errungen.
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Berlin - Laut der heute in Berlin vorgestellten dritten Brennerstudie der Filmförderungsanstalt (FFA) wurden von Januar bis Juni mit 24,75 Millionen gebrannten DVDs bereits mehr Filme auf das Medium kopiert, als im gesamten Jahr 2003 (23,4 Millionen). Auch die Zahl der aus dem Internet heruntergeladenen Filme ist von Jahresbeginn bis August auf 14,6 Millionen (plus 10 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Nach Ansicht der Filmförderungsanstalt ist der Anstieg angesichts der rasant gestiegenen Verbreitung von DVD-Brennern, DVD-Rekordern und schnellen Internetanschlüssen jedoch moderat. "Eine Explosion von Kopien, die man auf Grund des stark verbesserten und flächendeckenden Equipments vermuten könnte, wurde verhindert. Die Filmwirtschaft kann sich über einen ersten Etappensieg freuen", sagte FFA-Vorstand Peter Dinges.

Immerhin verzeichnen die Kinos nach Angaben von Dinges von Januar bis September 2004 einen Besucheranstieg von 12,53 Prozent gegenüber dem Vorjahr und die Videotheken einen Zuwachs der Nettoumsätze um 1,43 Prozent. Dennoch müsse weiterhin "unvermindert und nachdrücklich gegen illegale Filmnutzung" vorgegangen werden. Laut Studie zeigt das Nutzungsverhalten von Menschen, die sich Filme aus dem Internet herunterladen, dass 45 Prozent davon sich keine Videos ausleihten, 22 Prozent nicht mehr ins Kino gingen und 12 Prozent keine DVDs mehr kauften.

Wasserzeichen sollen Kinofilme schützen

Aber es sei gelungen, bei der Filmherstellung wichtige Leckstellen zu schließen. So gebe es vor dem offiziellen Kinostart eines Spielfilms kaum noch Angebote zum Herunterladen. Diese tauchten erst ein bis drei Wochen nach dem Kinostart auf und noch dazu in sehr schlechter Qualität. Dies bedeutet nach den Worten von Dinges, dass die Kopien nicht mehr von den Bild- und Tonquellen in den Studios gezogen, sondern von der Kinoleinwand abgefilmt werden. Allerdings enthielten die gezeigten Filme geheime "Wasserzeichen", die eine Rückverfolgung der Raubkopien bis in das entsprechende Kino durch die Strafverfolgungsbehörden zuließen.

Die Beschaffung von Filmen aus dem Internet wurde der Studie zufolge zum Massenphänomen. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 10,3 Millionen Filme heruntergeladen. Jeder dritte Deutsche über zehn Jahre habe sich im ersten Halbjahr 2004 über das Internet Daten, Fotos, Filme oder Musik verschafft. Die höchste Zuwachsrate gebe es beim Foto.

Die Gründe für das legale oder illegale Herunterladen von Filmen sind vielfältig. Spitzenreiter mit 63 Prozent Anteil war laut Studie die Aussage, dass Zusatzangebote wie "The Making of..." auf Film-DVDs nicht interessierten, sondern nur der Film selbst. Für 52 Prozent dauere es zu lange, bis der Film auf Video oder DVD zu haben ist.

Fragen nach dem Jugendschutz

Fragen nach dem Jugendschutz ergeben sich der Studie zufolge allerdings aus Aussagen von 41,6 Prozent der Befragten wie: "Ich kann mir auch Filme mit Altersbeschränkung herunterladen". 36,7 Prozent hätten erklärt: `Ich kann mir auch indizierte Spielfilme herunterladen." Die Möglichkeit des Zugangs zu erotischen Filme oder Pornos hätten 29 Prozent hervorgehoben.

Der Ausstattungsgrad von DVD-Recordern und -Brennern steigt laut Studie rasant. Schon im ersten Halbjahr 2004 habe es in deutschen Haushalten 3,1 Millionen DVD-Brenner gegeben, das seien über 500 Prozent mehr als im Vorjahr. Als Erfolg bewertete die Branche die vor einem Jahr gestartete Kampagne "Raubkopierer sind Verbrecher", die in größerem Maße Unrechtsbewusstsein geschaffen habe. Die Kampagne werde trotz Kritik an ihrer Aggressivität mit neuen Schwerpunkten fortgesetzt, hieß es.