Rechner-Trends: Klein, fein, mitunter darf es einfach sein - DER SPIEGEL
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Rechner-Trends Klein, fein, mitunter darf es einfach sein

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, heißt es: Die Cebit wirft sogar Produkte. Zwei Wochen vor Eröffnung der Messe stellen erste Unternehmen ihre Highlights vor, Trends zeichnen sich ab. Neben edlen Boliden etabliert sich eine neue Geräteklasse: Easy Computing.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Trend zum Laptop hält an, keine Frage: Die meisten PC-Produktvorstellungen zur Cebit, die schon jetzt öffentlich werden, stellen mobile Rechner vor. Kein Wunder, verkauften sich laut Branchenverband Bitkom die Rechen-Flundern hierzulande im letzten Jahr doch erstmals besser als ihre stationären großen Brüder.

Wobei "Größe" längst ein sehr relativer Begriff ist: Technisch haben Laptops und Notebooks inzwischen alles zu bieten, was ein Heim-PC kann, und groß ist in der Regel nur der Preis - die Flach-PCs sind deutlich teurer. Jedenfalls dann, wenn sie als Tech-Boliden mit ihren Fähigkeiten protzen wollen.

Doch schon vor der Veröffentlichung von Asus EeePC hatte sich eine preiswerte Klasse von Notebooks etabliert, über die nur selten berichtet wird: Die Geräte findet man eher auf den Werbeseiten der PC-Zeitschriften, in den Prospekten von Discountern und selbst Baumärkten. Wer heute unbedingt einen Laptop erwerben, aber nicht zu tief in die Tasche greifen will, wird schon ab 450 Euro bedient. Immerhin: Vergleichbare PCs (1 GB Arbeitsspeicher, 80-120 GB Festplatte, ab 1,6 Ghz-CPU) gibts beim Schrauber schon ab 199 Euro. Fit für Internet und Office-Anwendungen sind solche Geräte allemal.

Relevant ist das, weil es durchaus für einen Trend steht: Immer mehr Nutzer entdecken, dass sie gar keinen PC-Boliden brauchen. Sie wollen einfache, bezahlbare Rechner, die alle grundlegenden Dinge beherrschen - nicht mehr. Darauf haben sich nun auch die Hersteller eingerichtet und machen entsprechende Angebote: "Easy Computing" oder "Simple PCs" könnten zu einem der ganz starken Trends des Jahres 2008 werden.

Traumgeräte einerseits, schicke, einfache Rechenknechte andererseits - beides findet sich in den ersten Produkt-Releases zur Cebit. Wir haben auf den folgenden Seiten Beispiele zusammen getragen.

Einfach, preiswert, edel: Teo-X

TEO-Rechner muss man nicht kennen: Die Produktlinie ist eine Entwicklung der deutschen christmann informationstechnik + medien GmbH aus Ilsede bei Hannover. Bisher war das Startup vor allem im Business- und Server-Bereich tätig und konnte dort mit besonders energiesparenden Modellen punkten - "Green IT" ist das Hauptthema der diesjährigen Cebit.

Auch die TEOs, was "Thin Economic Office" bedeuten soll, stehen in dieser Tradition: Abgespeckt auf das Nötige oder vom Kunden Gewünschte sollen sie "grün" sein, aber auch chic. Damit hat christmann bereits Erfahrung: Bisher bot die Firma nur einen Rechner für den Publikumsmarkt an - den "Manuscriptum Rechner Nr. 1", der über Manufactum verkauft wird. Zur Cebit wagt christmann nun eine eigene Simple-PC-Produktreihe - quietschebunt von gediegen Schwarz bis Barbie-kompatibel Rosa.

Die Einfachst-PCs laufen unter Ubuntu-Linux und sind ab 299 Euro zu haben. Der Rest entscheidet sich am Konfigurator: Die Rechner sollen direkt per Webshop vertrieben werden, über das Innenleben entscheidet der Kunde. Teurer als rund 700 Euro wird es nie - dann hat das Ding aber auch schon eine Terabyte-Platte im Bauch und Windows XP Pro unterm Chassis.

Einfach-PCs, die nicht aussehen wie vom Grabbeltisch? Wir meinen: trendverdächtig.

Belinea s.book 1: Laptop mit Eee-Dimension 

Dass Asus nicht lang allein bleiben würde mit dem Konzept, besonders kleine, einfache Laptops für den kleinen Geldbeutel zu produzieren, war klar. Auf der Cebit wird man eine ganze Menge Rechner sehen, die irgendwo zwischen EeePC und Subnotebook angesiedelt sind.

Belinea schickt hier das s.book 1 ins Rennen: Ähnlich klein will die Kiste aber ein vollwertiger Rechner sein. Für rund 700 Euro bekommt man einen Laptop mit immerhin 1024 MB Speicher und 80 GB Festplatte. Vorinstalliert sind Windows XP Professionell, Bullguard Antivirus, Steganos Security Suite 2007 und  Skype. Das braucht man für das clevere Gadget rechts vom Bildschirm: Was wie eine Fernbedienung aussieht, ist ein herausnehmbares VOIP-Telefon. Das 7-Zoll-Display ist so klein wie beim EeePC, beherrscht aber verschiedene Auflösungen - und reagiert zeitgemäß auch auf Fingerzeig: Das Ding ist ein Touchscreen.

Oder doch lieber Ferrari?

Acer ist offizieller Sponsor des Ferrari-Rennstalls, und davon will man auch was haben: Also produziert der Elektronikkonzern auch eine Produktlinie, die irgendwo ein Pferdchen schmückt. Das gerundete Design des Ferrari 1100 will Hochwertigkeit signalisieren, und das tut auch der Preis: ab rund 2000 Euro ist das Gerät zu haben.

Für ein 12-Zoll-Laptöpchen wäre das viel Holz, aber man bekommt auch einen kleinen Boliden dafür: Wie sich das für einen Ferrari gehört, ist der Display-Deckel nicht aus Plastik, sondern aus Carbonfasern. Drinnen warten eine 250-GB-Platte, eine AMD Turion 64 X2 Dual-Core Mobile-CPU und satte 4 GB Arbeitsspeicher auf Nutzung, eine satte Grafik (ATI Radeon X1250 mit bis zu 960 MB) beschleunigt die Bilder auf Knie-Kino-Qualität, Dolby Home Theater sorgt dabei für die nötige Surround-Sound-Beschallung. Ein Laptop für die "Arbeit" im Dunkeln: Muss man erwähnen, dass das Display per Backlight-Technik für mehr Farbe im Finsteren sorgen soll?

Elonex: ein Laptop für  131 Euro

Der Elonex ONE spielt da wieder in einer ganz anderen Klasse. Was der Dritten Welt der OLPC- oder 100-Dollar-Laptop ist, soll Großbritannien fürderhin der Elonex sein. Konsequenterweise wird man ihn auch nicht auf der Cebit erstmals zu sehen bekommen, sondern auf der britischen Bildungsmesse TheEducationShow Ende Februar.

Für Gespräche dürfte er auch auf der Cebit sorgen: Hat Bill Gates nicht erst vor wenigen Tagen bemängelt, deutsche Schüler seien in Sachen Mobilrechner für den Schulgebrauch unterversorgt?

Er mag Geräte wie den Elonex ONE im Sinn gehabt haben: Elementare Klein-Laptops, die Grundanwendungen wie Internet und Office ermöglichen. Der Elonex ist eine Entwicklung für Schulen und soll vorerst auch nur an Schüler verkauft werden. Wie der EeePC setzt er auf einen kleinen Flash-Speicher und ansonsten vor allem auf seine Netzwerkfähigkeiten inklusive eingebautem Wi-Fi. Und damit der Spaß nicht zu kurz kommt, kann man seine Freunde sogar drahtlos mit Musik befunken. Da werden sich die Lehrer aber freuen.

Angesiedelt zwischen OLPC und EeePC: auch in Deutschland möglicherweise bald eine neue Nische im PC-Markt.

Noch mal Sport: neue Lamborghini-Laptops

Auch Asus hat eine nach Rennmaschinen und italienischem Design klingende Produktlinie im Angebot. Der VX3 ist dabei das erste 12-Zoll-Laptop der Serie. Flach, schnell, schön, innovativ und mit "neuester Technologie" ausgestattet soll der sein, verrät Asus - und letztlich nicht viel mehr. Bekannt ist nur so viel: Drinnen arbeitet eine Intel Core 2 Duo CPU, als Grafik kommt eine Nvidia GeForce 9300 mit 256 MB Videospeicher zum Einsatz. Der Rest ist Schweigen: auch der Preis ist noch nicht bekannt.

Macht nichts, wer so etwas kauft, legt auch viel Wert auf äußere Werte. Die sieht und fühlt man: Das Gerät ist aus einer Aluminium-Magnesium Legierung gefertigt und protzt mit eleganten Lederapplikationen sowie einer Metallic-Tastatur. Kein Gerät für Menschen, die ungern auffallen.

Zum Schluss: ein Erlkönig 

Auch Hewlett-Packard, berichtet das Tech-Blog engadget , plane den Einstieg in die Klasse der ultra-mobilen UMPCs. Unter der Marke Compaq soll der "2133" genannte Mini-Laptop irgendwo zwischen EeePC und Fullsize-Notebook angesiedelt sein.

Ob es wahr ist? Mit engadget glauben das zahlreiche Tech-Blogs, HP lässt nichts verlauten. Einen 2133 sucht man dort vergebens. Verdächtig nur, dass es beim HP-Support immerhin Handbücher zum Download gibt, die genauso heißen...

Erlkönig oder Vapour-Ware, die kräftig gerüchtelt wird, aber nie materialisiert? Auch von so etwas lebt die Cebit-Zeit.

pat

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