Robocup Warten auf den Schwanz-ab-Fallrückzieher
Die Aibos zählen regelmäßig zu den Publikumsmagneten bei den "RoboCup German Open", sorgten mit ihren tapsigen Bewegungen bislang allerdings eher für Lacher als für Tore. Inzwischen konnten die Programmierer aber die Orientierung wie auch die Schusstechniken deutlich verbessern. Bei besagtem Fallrückzieher etwa, der vom "German Team" entwickelt wurde, nimmt der Roboter den Ball zwischen die Vorderpfoten und lässt sich dann nach hinten fallen. "Meistens geht dabei der Schwanz ab", sagt Hans-Dieter Burkhard, Professor für Künstliche Intelligenz an der Berliner Humboldt-Universität und Leiter des deutschen Teams. "Aber für den Effekt ist es das wert." Und manchmal kullert der Ball auf diese Weise sogar ins Tor.
Ergebnistabellen stehen beim RoboCup jedoch nicht im Mittelpunkt. Zwar hat sich die weltweite Initiative das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 humanoide Roboter zu bauen, die gegen Menschen die Fußballweltmeisterschaft gewinnen. Doch es geht nicht in erster Linie um den Wettbewerb, sondern darum, das Fußballfeld als einheitliche Testumgebung für grundlegende Techniken der Künstlichen Intelligenz und Robotik zu nutzen. Dabei weist die ehrgeizige Zielvorgabe zugleich einen Weg zu menschengerechter Technikentwicklung: Mit Maschinen, mit denen man kicken kann, dürfte man auch sonst gut auskommen können.
Anwendungen, die in naher Zukunft aus den beim RoboCup erprobten Techniken hervorgehen sollen, sind etwa Simulationssysteme, die den Einsatz von Rettungskräften in Katastrophengebieten unterstützen können. Hierfür wird bei den diesjährigen German Open erstmals eine eigene Liga, die "Rescue Simulation", eingerichtet.
"Es geht darum, in einer simulierten, großstädtischen Umgebung nach einer Katastrophe Rettungskräfte in Echtzeit einzuteilen und zu dirigieren", sagt Ansgar Bredenfeld vom Fraunhofer-Institut für Autonome Intelligente Systeme, der für die Organisation der Veranstaltung verantwortlich ist. "Die Idee zu einem solchen Wettbewerb ist nach dem Erdbeben in Kobe aufgekommen, weil damals die Organisation der Hilfskräfte sehr chaotisch abgelaufen sein soll." Vier Teams haben sich für diese Liga angemeldet, darunter auch der amtierende Weltmeister "Arian" von der Sharif University of Technology in Teheran.
Bei den Weltmeisterschaften, die in diesem Jahr im Juli in Padua, Italien, stattfinden, gibt es auch bereits einen Wettbewerb für richtige Rettungsroboter, die in einer nachgebildeten Trümmerlandschaft nach Überlebenden suchen müssen. Bei den German Open kommen Rettungsroboter vorerst nur in der Juniorliga zum Einsatz, die mit 250 Teilnehmern gegenüber 80 im vergangenen Jahr den größten Zuwachs verzeichnet.
Dabei werden die Anforderungen für die Schülerinnen und Schüler, die sich ihre Roboter zumeist mithilfe einfacher Bausätze selbst konstruieren, etwas vereinfacht. Gerhard Kraetzschmar von der Universität Ulm, der den Juniorwettbewerb mit ins Leben gerufen hat, erläutert die Regeln: "Die Grundidee besteht darin, dass der Roboter den Weg zu einem etwas erhöhten Podest finden muss, das ein brennendes Hochhaus darstellen soll. Auf dessen Dach befinden sich, symbolisiert durch rohe Eier, Menschen, die sich nicht trauen, in die bereitgehaltenen Netze zu springen, und daher von dem Roboter hinuntergestoßen werden müssen."
Wie es scheint, könnten die Aibos in diesem Jahr im Kampf um die Zuschauergunst ernsthafte Konkurrenz bekommen.
RoboCup German Open 2003
Heinz-Nixdorf-Museumsforum
Paderborn
11. bis 13. April 2003, jeweils von 10 bis 18 Uhr
Der Eintritt ist frei